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11.05.2018

Die Iran-Entscheidung der USA ebnet den Weg für einen Ölpreis von über 80 US-Dollar – und stärkt die Gegner der USA. Ob US-Präsident Trump das so geplant hat? Ein Kommentar.

Die Überzeugungsversuche der europäischen Staats- und Regierungschefs haben nicht gefruchtet: US-Präsident Donald Trump hat das 2015 unter seinem Vorgänger Barack Obama ausgehandelte Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt und unilaterale Sanktionen gegen das Land wiedereingeführt. Alle anderen Unterzeichner des Abkommens (UN-Vetomächte sowie Deutschland) wollen dagegen – so die ersten Reaktionen – an der Vereinbarung festhalten.

Trotz des Festhaltens aller anderen Länder dürften die kommenden Monate für Unternehmen und Marktteilnehmer mit Iran-Bezug mit hoher Unsicherheit verbunden sein. So ist es amerikanischen Unternehmen fortan nicht mehr gestattet, mit dem Iran Ölgeschäfte zu machen. Darüber hinaus müssen Unternehmen Vorkehrungen treffen, damit spätestens nach 180 Tagen keine US-Dollar-Transaktionen mehr mit dem Iran stattfinden. Trump legte sich bisher noch nicht fest, im Juli auch die Sanktionen wieder in Kraft treten zu lassen, die Firmen in Drittländern bestrafen, wenn sie Geschäfte mit dem Iran machen. Die davon ausgehende Unsicherheit sowie die Sanktionen dürften signifikante Auswirkungen für den Ölmarkt haben: Weiter steigende Ölpreise auf 80 US-Dollar/Barrel in den kommenden Wochen, begleitet von einer spürbaren Zunahme der Preisvolatilität. Dabei hatte die US-Adminstration noch vor weniger als zwei Wochen die OPEC-Staaten scharf dafür kritisiert, die Ölpreise künstlich nach oben zu treiben.

Drohender Verlust

Kurz- bis mittelfristig dürfte es zu einem Verlust von rund 600 Tsd. Barrel/Tag an iranischen Öl-Exporten kommen. Die Leidtragenden, neben der Islamischen Republik selbst, werden vor allem die (europäischen) Käufer iranischen Öls sein. Diese werden wohl aus Furcht vor Sekundärsanktionen der USA auf andere Anbieter angewiesen sein. Dafür haben sie nun 180 Tage Zeit zu reagieren. Darüber hinaus dürfte der Markt eine hohe Risikoprämie verlangen. Nach unseren Berechnungen ist damit zu rechnen, dass bei einem Verlust von 600 Tsd. Barrel/Tag mit einem weiteren Ölpreisanstieg – ausgehend von einem Ölpreis von 75 US-Dollar/Barrel – um weitere 8 US-Dollar/Barrel zu erwarten sein dürfte. Noch viel schwerer dürfte langfristig das wohl nun ausbleibende Interesse internationaler Ölkonzerne an den Ausschreibungen für den Betrieb 40 iranischer Ölfelder wiegen. Zwar zeigten sich die Unternehmen zunächst bereit, Absichtserklärungen (Memorandum of Understandings) zur Erforschung von Projekten im Rahmen des neuen „Iranian Petroleum Contract“ zu unterzeichnen. Diese dürften nun aufgrund der Aufkündigung des Atomabkommens durch die USA jedoch hinfällig sein.

Trump stärkt seine Gegner

Ironischerweise gehören zu den Profiteuren dieser Politik unter anderem solche Länder. China hatte bereits im Vorfeld der Aufkündigung des Atomabkommens signalisiert, mehr iranisches Rohöl importieren zu wollen, um die rückläufigen Importe aus Venezuela kompensieren zu können. Nun, da China bereits der wichtigste Exportmarkt für iranisches Öl ist, dürfte die Verhandlungsmacht des Reichs der Mitte gegenüber der islamischen Republik noch größer werden. Folglich ist es diesem möglich, hohe Abschläge auf das importierte Öl heraushandeln zu können.

Auch Saudi-Arabien dürfte womöglich zu den Gewinnern der US-Sanktionen zählen. Das Königreich könnte die Produktion/Exporte auf Kosten des Irans erhöhen, so dass der Iran die volle Wirkung der Sanktionen zu spüren bekommt. Saudi-Arabien könnte in diesem Fall die eigene Produktion ausweiten, ohne dass der Ölpreis nachgibt.

Kaum vorstellbar, dass Trump sich dieser Konsequenzen bewusst ist.