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06.04.2018

Fast egal, wohin man blickt: Die Konjunktureuphorie in der Eurozone lässt nach. Für Panikmache besteht jedoch kein Anlass. Ein Kommentar.

Ob nun die Vertrauensindizes der EU-Kommission, die Einkaufsmanagerindizes (Markit) für das verarbeitende Gewerbe und Dienstleistungen oder der wichtige ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland - sie alle malen ein ähnliches Bild: Die noch über den Jahreswechsel vorherrschende Konjunktureuphorie für die Eurozone lässt nach. So sind die Indizes in den vergangenen Monaten gesunken und haben damit ihre Rekordstände verlassen.

Droht damit das hohe Wachstumstempo der Eurozone aus dem letzten Jahr schon wieder einzubrechen? Mit anderen Worten: Droht nun eine konjunkturelle Talfahrt? Derzeit sieht es danach nicht aus. Es ist eher eine Art Normalisierung nach einem ausgelassenen Freudentaumel über den Jahreswechsel.

So ist beispielsweise der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe zum Jahresende 2017 auf einen Höchststand von 60,6 Punkte gestiegen, der für Dienstleistungen hat mit einem Hoch von 58,0 Punkten nicht ganz so stark zugelegt. Beide Indizes sind nun zurückgekommen, befinden sich aber immer noch deutlich oberhalb der Grenze von 50 Punkten, ab der Wachstum zu verzeichnen ist.

Zu der Stimmungsabkühlung haben die von den USA ausgehenden protektionistischen Bestrebungen - das Land hat Importzölle auf Stahl und Aluminium eingeführt - beigetragen, die Sorgen vor tiefer gehenden Handelsstreitigkeiten und sogar einem Handelskrieg der internationalen Gemeinschaft aufkommen ließen. Umfassendere Handelsstreitigkeiten könnten das Wachstum der Weltwirtschaft erheblich beeinträchtigen. Aber auch zunehmende Kapazitätsengpässe dürften bei der Produktion eine Rolle gespielt und eine Stimmungseintrübung bedingt haben.

Panikmache ist also nicht angebracht, denn von einer konjunkturellen Talfahrt ist nicht auszugehen. Die derzeitigen Niveaus bei den Stimmungsindikatoren deuten immer noch auf eine gute Wachstumsdynamik in der Eurozone hin. Allerdings dürfte diese wohl im Vergleich mit 2017 etwas schwächer ausfallen. Wir rechnen mit quartalsweisen Wachstumsraten von 0,4 Prozent oder 0,5 Prozent, so dass das Wachstum für das Gesamtjahr 2018 bei rund 2,2 Prozent liegen dürfte.

In den kommenden Monaten sollte die Stimmung jedoch genau beobachtet werden. Für die Beibehaltung des hohen Wachstumstempos muss sich diese auf den derzeitigen Ständen stabilisieren. Geschieht das nicht sondern trübt sie sich weiter ein, ist von einer deutlicheren Verlangsamung des Wachstums auszugehen.

Die Prognosen für die Eurozone gehen mehrheitlich von einer schwungvollen Fortsetzung des Aufschwungs in diesem Jahr aus. Enttäuscht der Wachstumsverlauf deutlich auf der Unterseite, dürfte dies erneut die Fragezeichen an dem QE-Ausstieg der EZB in diesem Jahr erhöhen.

Bislang rechnen wir damit, dass die Währungshüter spätestens zum Jahresende ihre Anleiheankäufe beenden, auch wenn die Inflationsrate sich dann noch nicht an das Preisziel der EZB bei knapp 2 Prozent angenähert hat. Eine weniger dynamische Konjunkturerholung bedeutet tendenziell, dass das Preisziel erst später erreicht wird. Damit könnte die EZB noch vorsichtiger agieren.

Doch der Teufel sollte nicht vorschnell an die Wand gemalt werden. Derzeit ist die Stimmungseintrübung als Normalisierung der geradezu übertriebenen Hochstimmung über den Jahreswechsel zu bewerten und bringt Stimmungsindikatoren und harte Fakten näher zueinander. Daraus ergibt sich noch keine neue Handlungsfunktion der EZB.