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Wochenkommentar
27.10.2017

„Wir rechnen mit einer ersten Zinsanhebung um 25 Basispunkte auf dann 0,25 % frühestens im Jahr 2019“, meint Sintje Boie.

Im Sommer 2016 haben die zehnjährigen Bund-Renditen mit einem Niveau von rund -0,20 % einen historischen Tiefststand erreicht. Seitdem haben sich die Renditen zwar erholt und sind zwischenzeitlich auf 0,60 % gestiegen. Doch an dem Niedrigzinsumfeld hat sich bislang wenig geändert: Aktuell dümpeln die Renditen um 0,40 % herum und haben sich damit in den vergangenen Wochen kaum von der Stelle gerührt. Die Renditen liegen bereits seit Ende September 2014 ununterbrochen unter der Marke von 1 %, d.h. mittlerweile schon seit drei Jahren. Die niedrigen Renditeniveaus bzw. hohen Anleihekurse wurden im Zuge der europäischen Schuldenkrise erreicht, in der Bundesanleihen als sicherer Hafen gesucht waren. Auf die Schuldenkrise folgte eine Phase der konjunkturellen Abschwächung, steigender Arbeitslosenzahlen und rückläufiger Inflationsraten, die ebenfalls auf das Zinsniveau drückte. Eine bisher nie dagewesene geldpolitische Lockerung seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) als Antwort auf negative Inflationsraten tat ihr Übriges für den Niedergang der Renditen. Insbesondere das Anleihekaufprogramm der EZB hat das Zinsniveau quer über alle Anleiheklassen nach unten verschoben.

Doch die aktuelle Ära niedriger Zinsen dürfte sich allmählich dem Ende zu neigen. Das heißt, die Renditen von Bundesanleihen sollten wieder moderat steigen, nachdem ihnen bislang selbst der kräftige Konjunkturaufschwung keinerlei Rückenwind verleihen konnte. Denn die EZB steht in den Startlöchern, ihre Anleihekäufe zurückzufahren. Ab Januar 2018 dürfte sie diese von aktuell 60 Mrd. Euro auf dann 40 Mrd. Euro pro Monat reduzieren. Im Gegenzug für diesen kräftigen Rückgang könnte die EZB eine längere Laufzeit ihres Kaufprogramms kommunizieren („lower for longer“). Wir erwarten eine Zurücknahme der Käufe pro Monat um 5 Mrd. Euro, so dass diese im September 2018 eingestellt wären.

Diesen Fahrplan dürfte die EZB ebenfalls ankündigen. An dieser Stelle argumentieren einige Marktbeobachter, dass die EZB keinen Endpunkt ihrer Käufe bekanntgeben wird, um sich ihre Flexibilität zu erhalten und gegebenenfalls die Käufe länger laufen zu lassen und/oder sie wieder auszuweiten. Ein Fahrplan würde aber der „forward guidance“ der EZB zugutekommen. Denn sie hat angekündigt, dass Zinsanhebungen erst lange nach Beendigung der Anleihekäufe eine Rolle spielen werden. Mit einem Endzeitpunkt von QE kann die Notenbank somit Sicherheit geben, wie lange die Leitzinsen noch auf ihrem derzeitigen niedrigen Niveau verbleiben. Wir rechnen mit einer ersten Zinsanhebung um 25 Basispunkte auf dann 0,25 % frühestens im Jahr 2019.

Die Reduzierung der Anleihekäufe dürfte der Impulsgeber für höhere Zinsen in der Eurozone sein, womit sich die Kreditbedingungen zumindest etwas straffen würden. Klar ist aber auch, dass die EZB weiterhin Anleihen erwerben wird und damit ihre Geldpolitik eindeutig expansiv ausgerichtet bleibt. Der Renditeanstieg dürfte sich daher sehr moderat vollziehen. Doch die Botschaft der Notenbanker ist unumstößlich: Im Jahresverlauf 2018 treten wir als Nachfrager an den Anleihemärkten ab und in naher Zukunft werden wir auch wieder die Leitzinsen anheben.