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12.10.2017

„Der Aufschwung in Deutschland wird immer breiter“, sagt Sintje Boie. Deutschland konnte im ersten Halbjahr 2017 mit hohen Wachstumsraten von 0,7 % und 0,6 % expandieren, und der Aufwärtstrend setzt sich auch in der zweiten Jahreshälfte fort.

Deutschland boomt. Zu keinem anderen Ergebnis kann man angesichts der letzten Datenveröffentlichungen kommen. Die Auftragseingänge in der Industrie sind im August um 3,6 % im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Das ist stark. Vor allem die Nachfrage aus Ländern außerhalb der Eurozone war mit einem Plus von 7,7 % überragend, was für eine dynamische Entwicklung der Weltkonjunktur spricht, während die Nachfrage aus der Eurozone den dritten Monat in Folge zurückgegangen ist. Die deutsche Industrieproduktion weist ebenfalls auf eine hohe Aktivität hin. Sie konnte im August mit einer Rate von 2,6 % gegenüber dem Vormonat zulegen. Das ist auch stark. Die gut gefüllten Auftragsbücher sprechen für eine hohe Industrieproduktion in den kommenden Monaten.

Jetzt werden einige sagen, dass bei den guten Daten aber auch ein Sondereffekt eine Rolle gespielt hat. Der Output in der Industrie wurde von einem Ferieneffekt begünstigt, denn die Lage der Sommerferien hat im Juli eine stärkere Bremswirkung als für den Juli üblich gehabt. Dieser Belastungsfaktor ist im August weggefallen. Ja, der Ferieneffekt hat sich sicherlich in den Daten niedergeschlagen. Doch er erzählt nicht die gesamte Story. Das Triple perfekt macht die Handelsbilanz, die mit einem Plus von rund 22 Mrd. Euro das höchste Niveau in diesem Jahr und einen der größten Überschüsse überhaupt erreicht.

Was ergibt sich für ein Konjunkturbild aus den Daten? Hat sich das Bild geändert? Deutschland konnte im ersten Halbjahr 2017 mit hohen Wachstumsraten von 0,7 % und 0,6 % expandieren. Auch für die zweite Jahreshälfte waren wir weiterhin von einer hohen Wachstumsdynamik ausgegangen, wenn auch mit etwas verlangsamter Geschwindigkeit. Denn der Euro hat beispielsweise gegenüber dem US-Dollar in den vergangenen Monaten spürbar aufgewertet, was bremsend für die deutsche Exportwirtschaft wirken kann. Es sah nach einer Wachstumsrate von rund 2 % für das Gesamtjahr 2017 aus.

Doch jetzt scheint der Aufschwung in Deutschland mit unverminderter Geschwindigkeit weiterzugehen. Man reibt sich verwundert die Augen und stellt fest: Möglicherweise beschleunigt sich dieser sogar. Damit könnte Deutschland in diesem Jahr deutlich über der Marke von 2 % wachsen. Das ist so hoch wie schon lange nicht mehr und liegt deutlich über dem Potenzialwachstum. Nur 2010 und 2011 lag das Wachstum in den vergangenen Jahren höher und das war in einer starken Erholung nach dem dramatischen Konjunktureinbruch 2009 in Reaktion auf die Finanzmarktkrise begründet.

Der Aufschwung in Deutschland wird breiter. Er erstreckt sich nicht mehr nur auf eine hohe Exporttätigkeit wie früher. Der private Konsum zieht schon länger an und jetzt kommen auch die Investitionen dazu. Das aktuelle Umfeld ist günstig: Die Zinsen sind in der Eurozone sehr niedrig und machen Investitionen attraktiv. Die politische Unsicherheit hat sich in der Eurozone verringert. Die Weltwirtschaft wächst stärker. Aber es gibt auch Risiken in Form der zähen Brexit-Verhandlungen oder des Katalonien-Konflikts. Doch derzeit heißt es: Deutschland boomt.