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27.01.2017

Ob Trump sich am Ende mit seinen Plänen in der Wirtschaftspolitik tatsächlich durchsetzen wird, ist weiterhin unklar. Vor allem sein Ausgabenprogramm könnte am Widerstand der Republikaner scheitern, meint Analyst Patrick Harms.

Seit seiner Amtseinführung sollte jedem klar geworden sein: Donald Trump meint es Ernst. Es wird daher Zeit, sich mit den Konsequenzen seiner Pläne zu beschäftigen. Die Wirtschaftspolitik des neuen US-Präsidenten basiert auf drei Pfeilern: Einem fiskalischen Impuls in Form von Steuersenkungen und Ausgabensteigerungen, einer Deregulierungswelle (insbesondere im Finanzsektor und die Zurücknahme des affordable care acts) und der Neuentdeckung protektionistischer Maßnahmen in der Handelspolitik. Kurzfristig dürften alle drei Maßnahmen, in einer Zeit, in der die US-Wirtschaft beinahe vollständig ausgelastet ist, die US-Konjunktur beleben. Dies birgt große Risiken. Aber auch einige Chancen.

Die langfristigen Folgen von "Trumponomics" für die US-Wirtschaft – insbesondere der protektionistischen Handelspolitik – sind eher negativ als positiv. Kurzfristig werden aber wohl alle Maßnahmen der Produktion und vor allem den Preisen einen Schub verleihen: Steuersenkungen dürften private Konsum- und Investitionsausgaben anregen, das staatliche Infrastrukturprogramm wird die Nachfrage ebenfalls erhöhen und Importzölle schaffen zwar auch einen Anreiz in den USA zu produzieren, führen aber vor allem zu Inflation. Dabei benötigt die US-Konjunktur gar keinen zusätzlichen Impuls: Die Arbeitslosenquote hat mit 4,7 % das von der Fed ausgegebene Vollbeschäftigungsziel erreicht und die Inflation nähert sich Stück für Stück dem 2-Prozent-Ziel an. Eine weitere Steigerung der Nachfrage würde die Konjunktur in Richtung Überhitzung führen. Bleibt die Fed ihrem Mandat treu, wird sie darauf mit deutlich schnelleren Zinsanhebungen reagieren. Dies wird erstens den Dollar nochmal stärken und damit dem Wettbewerbsvorteil, den man sich von den protektionistischen Maßnahmen erhofft, entgegenlaufen – gegenüber Trumps mexikanischem Lieblingsfeind haben sich amerikanische Produkte bereits um 15 % verteuert.

Zweitens führt dies vor allem dazu, dass private Investitionen einem "crowding out" zum Opfer fallen: Die staatlichen Ausgaben ersetzen die bei höheren Zinsen nicht mehr attraktiven privaten Investitionen. So könnte Trumps Wirtschaftspolitik kurzfristig ein teures, aber nutzloses Unterfangen bleiben – mit all dem langfristigen Schaden, den Protektionismus oder eine zu lasche Finanzmarktregulierung verursachen.

Allerdings gibt es auch eine positive Seite dieses "Überhitzungsszenarios": Die sich langsam bewegende Arbeitslosenquote könnte deutlich unter das von der Fed ausgegebene Vollbeschäftigungsniveau sinken, denn eine magische Formel für das richtige Level besitzen auch die Währungshüter nicht. Vielleicht können in einer solchen Situation auch noch Personen in den Arbeitsmarkt integriert werden, die seit der Krise längst aufgegeben haben, nach einem Job zu suchen. Vor allem aber müssen sich die Wirtschaftspolitiker irgendwann Gedanken machen darüber, was passiert, wenn die nächste Rezession kommt. Der seit dem Tiefpunkt der Finanzkrise laufende Aufschwung geht gerade in seinen 92. Monat, während die durchschnittliche Dauer seit dem zweiten Weltkrieg nur 48 Monate beträgt. Die Geldpolitik sollte in der nächsten Rezession handlungsfähig sein und bis dahin das Zinsniveau deutlich nach oben geschraubt haben. Eine jetzt expansive Fiskalpolitik würde es der Fed erleichtern, den Leitzins auf ein normales Niveau zu heben, um dann auf eine konjunkturelle Eintrübung wieder reagieren zu können.

Ob Trump sich am Ende mit seinen Plänen in der Wirtschaftspolitik tatsächlich durchsetzen wird, ist weiterhin unklar. Vor allem sein Ausgabenprogramm könnte am Widerstand der Republikaner scheitern. Es bleibt aber festzuhalten: Die makroökonomischen Gesetze wird auch ein Präsident Trump nicht außer Kraft setzen.