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Wochenkommentar

Starker Dollar: Belastungsprobe für Schwellenländer

23.12.2016

„Die in Dollar nominierten Verbindlichkeiten vieler Schwellenländer könnten diese 2017 vor eine Herausforderung stellen..“, sagt Gast-Researcher Christoph Altmeppen.

Schon als die Zinswende in den USA am Horizont zu erkennen war, spekulierten die meisten Beobachter auf einen steigenden Dollar und wurden in dieser Einschätzung im Nachhinein auch bestätigt. Seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten hat sich dieser Trend nochmal bestätigt. Sowohl der Wechselkurs zum Euro als auch jegliche Dollarindizes befinden sich auf 14-Jahreshochs. Die Erwartungen der Finanzmärkte sind hoch: Die langfristigen Renditen und die erwartete Inflation sind seit der Wahl am 8. November deutlich gestiegen.

Ob Trump die versprochenen Arbeitsplätze für die abgehängte Arbeiterschicht zurückbringen kann, sei dahingestellt. Seine dafür auserkorenen wirtschaftspolitischen Maßnahmen haben jedoch gute Chancen, zu weiten Teilen in die Tat umgesetzt zu werden, und würden in jeder Hinsicht den Dollar aufwerten: Seine geplanten Senkungen der Steuern und Abschaffung von Regulierungen könnten zu signifikanten Investitionen führen, welche ihrerseits Kapital aus dem Ausland anziehen, was den Dollar weiter stärken würde. Kombiniert mit dem von ihm geplanten Infrastrukturprogramm (insbesondere an der Grenze zur Mexiko), würde dies zu einer erheblichen Ausweitung des Defizits und der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage führen. Dies könnte die Fed dazu veranlassen, die Zinsen schneller anzuheben, um ihr Inflationsziel zu erreichen, was wiederum den Greenback anziehen lassen würde. Trumps geplante Senkung des Handelsdefizits kann ebenfalls mit einem schlussendlich höheren Dollar erkauft werden (welcher im Übrigen das Handelsdefizit wieder erhöht).

Wer glaubt, dass Trumps scharfe Rhetorik sich am Ende als heiße Luft herausstellt oder der fiskalkonservative Kongress ihm Steine in den Weg legen wird, könnte sich täuschen: Trump ist politisch flexibel und wird mit seinem politisch unabhängigen und verhandlungsstarken Kabinett dem Kongress Deals vorschlagen. Und mit Peter Navarro und Wilbur Ross hat er zwei langjährige Protektionismus-Sympathisanten als Verantwortliche für Handelspolitik eingesetzt. Dazu kommt, dass es gerade bei der US-Handelspolitik wenig institutionelle Kontrollmechanismen gibt, die Trump Einhalt gebieten könnten.

Diese Entwicklung könnte für viele Schwellenländer zum Problem werden. Einerseits durch das verstärkt merkantilistische Umfeld und andererseits durch den noch härteren Dollar. Länder mit flexiblem Wechselkursregime werten durch die Dollaraufwertung zwar relativ ab und sehen sich dadurch gestiegener Nachfrage nach ihren Importen gegenüber. Ein neues Papier der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) macht jedoch auf einen Effekt aufmerksam, der dem entgegenwirkt: Solche Länder müssen auch verstärkt mit schwierigeren Finanzierungsbedingungen zurechtkommen. Die BIZ hat außerdem für letztes Jahr berechnet, dass in Ländern wie Mexiko, Brasilien, Indonesien, Russland und die Türkei im Schnitt über ein Drittel der Verbindlichkeiten in den Bilanzen von Unternehmen in Dollar nominiert und nicht abgesichert sind. Diese werden mit einem steigenden Dollar immer schwieriger zu bedienen seien. Dieser Mechanismus kann daher für diese Länder unterm Strich die Währungsabwertung zu einem Fluch statt einem Segen machen und damit zur größten Herausforderung im kommenden Jahr werden.