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Wochenkommentar
01.12.2016

Erstmals seit 2008 haben sich die OPEC-Mitgliedsstaaten auf eine Kürzung der Fördermenge geeinigt. Warum damit das Problem der Angebotsüberschüsse nicht gelöst ist, sagt HSH-Nordbank-Analyst Jan Edelmann.

Es ist passiert! Mehr als zwei Monate Verhandlungen waren nötig, um die OPEC-Mitgliedsstaaten erstmals seit 2008 auf eine gemeinsame Linie zu bringen, um die Fördermenge zu kürzen. Nach der Ankündigung Ende September in Algier die Fördermenge in einem Band zwischen 32,5 Mio. Barrel/Tag einzufrieren, einigte man sich nun auf die Details. Das Ergebnis der Verhandlungen ist allerdings eine Enttäuschung und nicht mehr als der Beweis des Machtverlusts der einst so mächtigen Organisation. Die OPEC-Staaten einigten sich darauf, die Fördermenge um rund 1,2 Mio. Barrel/Tag von Januar für die Dauer eines halben Jahres zu kürzen, wobei das Gros der Einschnitte von Saudi-Arabien getragen wird. Während die überwiegende Mehrzahl der Marktbeobachter dies als Zeichen der Stärke und als eine "außergewöhnliche Maßnahme" wertet und die Rohölpreise daraufhin zulegen konnten, sehen wir darin eher einen Akt der Verzweiflung.

Das Problem der Angebotsüberschüsse ist damit nicht gelöst, sollten diese Länder ihre Kapazitäten wieder voll ausschöpfen. Zudem wird sich die Frage stellen, wie ein Abweichen von der gemeinsamen Linie bestraft werden soll. Das Wichtigste aber ist, dass die Rückkehr zur alten OPEC-Strategie der Preiskontrolle durch die Begrenzung der Fördermengen nicht mehr aufgehen wird. Den Strategiewechsel, den der ehemalige saudische Ölminister Ali Al-Naimi vor zwei Jahren ausrief, war absolut richtig. Denn, wenn eine ganze Industrie, wie die US-Fracker, sich als Preisbrecher sieht und keine Rücksicht auf die Bedürfnisse der Staatsfinanzen der OPEC-Staaten nimmt (warum auch?), kann sich das größte OPEC-Land nicht einfach zurücklehnen, sondern muss um seine Marktanteile kämpfen. Aber keiner konnte damit rechnen, dass der Ölpreis im Tief auf 30 US-Dollar/Barrel fallen würde, während sich die Nicht-OPEC-Produktion so robust zeigen würde. Die Abkehr von der alten OPEC-Strategie ist irreversibel. Das jetzt beschlossene Abkommen dürfte sich für das Kartell der ölexportierenden Länder unserer Ansicht nach sogar bitter rächen, denn der Markt ist nicht einmal ausgeglichen und die OPEC kontrolliert nicht die Grenzproduktion, um die Preise nachhaltig zu steuern. Vielmehr dürfte sich die Nicht-OPEC-Produktion dank der stark gestiegenen Preise schneller erholen. Die OPEC könnte somit in Kürze vor dem gleichen Dilemma wie im Jahr 2014 stehen. Hinzu kommt, dass sich das Ölkartell in der Vergangenheit wenig um die Einhaltung der Förderquoten geschert hat. Denn, wie die Historie zeigt, wurden getroffene Vereinbarungen der OPEC-Staaten bisher immer nur halbherzig umgesetzt. Dies war auch dann der Fall, als konkrete Förderquoten für die einzelnen Länder Bestandteil der Abkommen waren. Eine Analyse vorheriger Abkommen zeigt, dass die Fördermenge durchschnittlich zwischen 600 – 700 Tsd. Barrel/Tag höher lag, als dies in den Abkommen vereinbart wurde. Führt man die Politik der Vergangenheit weiter, wäre die geplante Kürzung von bis zu 1,2 Mio. Barrel/Tag nicht zu erreichen.

Eine Förderkürzung von fast einer Million Barrel pro Tag hat allenfalls symbolischen Charakter und ist nicht dazu geeignet, den Ölpreis nachhaltig nach oben zu treiben, sondern lediglich die Machtverschiebung zugunsten der US-Frackingindustrie zu untermauern.