SUCHE

04.02.2016

Der globale Abwertungswettkampf kann nicht gewonnen werden, sagt Sintje Boie.

Nun also auch die Bank of Japan (BoJ). Ähnlich wie ihre Pendants in Europa – zum Beispiel in der Eurozone, der Schweiz oder in Schweden und Dänemark – hat die japanische Notenbank einen negativen Einlagenzins auf bei ihr geparkte Überschussreserven der Geschäftsbanken beschlossen. Der Zinssatz wurde auf -0,1% gesenkt – weitere Reduzierungen könnten laut Aussage der BoJ folgen, wenn es notwendig sein sollte. Die Negativzinsen fallen allerdings nicht auf alle Bankreserven bei der Notenbank an: Die Einlagen jeder Bank sollen der Höhe nach in jeweils drei unterschiedliche Kategorien aufgeteilt werden, so dass nur auf einen Teil negative Zinsen erhoben werden.

Damit kombiniert die BoJ ihr Wertpapierkaufprogramm (QQE-Programm: Quantitative und qualitative geldpolitische Lockerung), das unverändert gelassen wurde, mit negativen Einlagenzinsen, um ihr Preisziel von 2% in naher Zukunft doch noch zu erreichen. Die Negativzinsen sollen das kurze Ende der Zinskurve nach unten drücken, was zusammen mit umfangreichen Käufen von japanischen Staatsanleihen die gesamte Kurve weiter absenken sollte. Die Rendite 10jähriger japanischer Staatsanleihen ist bereits auf 6 bp gefallen.

Die sinkenden Zinsen sollen die Kreditvergabe ankurbeln und darüber die Investitionstätigkeit der Unternehmen und die Konjunktur stimulieren, was letztlich mehr Preisdruck generieren würde. Gleichzeitig versucht die BoJ mit der erneuten Lockerung ihrer Geldpolitik den japanischen Yen zu schwächen. Denn dieser hatte angesichts der an den internationalen Finanzmärkten zunehmenden Verunsicherung und Stimmungseintrübung spürbar gegenüber dem US-Dollar aufgewertet. Nimmt die Risikoaversion der japanischen Anleger zu, holen diese ihr Geld aus dem Ausland zurück in die Heimat, was den Yen in der Folge stärkt. Diese Aufwertung hatte die Notenbank mit Sorge gesehen, da sie die Importe verbilligt und damit den Inflationsausblick nach unten verschiebt.

Das Vorgehen der BoJ bzw. die anvisierten Ziele erscheinen nur allzu vertraut. Die Zielsetzung der Notenbanken weltweit scheint weltweit die gleiche zu sein. Doch das kann nicht gutgehen. Es ist wenig aussichtsreich, wenn jedes Land versucht, seine Währung über eine kontinuierliche Lockerung der Geldpolitik abzuwerten. Das endet in einem Abwertungswettkampf der unterschiedlichen Länder, der sich immer mehr zuspitzt und aus dem kein Land als Sieger hervorgehen wird.

Dazu kommt, dass eine nachhaltige Schwächung der eigenen Währung aufgrund weiterer Lockerungsschritte noch nicht einmal sichergestellt ist. Zwar hat der japanische Yen kurzfristig auf den neuesten Beschluss der Notenbank reagiert und abgewertet. Mittlerweile hat die Währung jedoch schon wieder komplett aufholen können, womit der Schritt der BoJ letztlich wirkungslos verpufft ist. Darüber hinaus könnte die Fed wieder auf dem Spielfeld des internationalen Abwertungswettlaufs erscheinen. Diese hatte im Dezember das Spiel verlassen, als sie Ernst machte und die Leitzinsen erstmals seit 2006 erhöhte – ganz im Gegensatz zum weltweiten Trend zu einer immer lockereren Geldpolitik. Doch jetzt stellt sich das weltwirtschaftliche Umfeld fragiler dar und die US-Konjunkturdaten schwächen sich ab. Möglicherweise ist daher auch bald wieder mit der Fed zu rechnen. Das erhöht jedoch deutlich den Schwierigkeitsgrad für die anderen Spieler – der Ausgang ist ungewiss, einen Sieger wird es nicht geben.