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18.12.2015

Die US-Notenbank hebt das erste Mal seit 2006 den Leitzins an. Später hätte Frau Yellen diesen Schritt auch nicht einleiten dürfen, meint Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank.

Wie konnte sie es nur wagen? Das war in etwa die Stimmungslage auf der Pressekonferenz, bei der die Fed-Präsidentin Janet Yellen die erste Leitzinsanhebung seit 2006 ankündigte. Die Finanzmarktjournalisten stellten gerade zu Beginn der Fragestunde den geldpolitischen Kurswechsel mit einer gewissen Aggressivität in Frage. Ein großes Thema war dabei die Inflation. Schon im Sommer habe die Fed den Ölpreiseffekt als vorübergehend bezeichnet, meinte ein Journalist, jetzt aber läge der Preis für ein Barrel Öl nicht mehr bei 60, sondern bei 35 US-Dollar. Warum sei Frau Yellen so zuversichtlich, dass die Inflation jetzt steige. Yellens Antwort war klar: Es genüge schon eine Stabilisierung des Ölpreises auf dem niedrigen Niveau, um den deflatorischen Effekt verschwinden zu lassen. Im Übrigen könne der Ölpreis nicht ewig fallen.

Gleich mehrere Journalisten versuchten der Fed-Präsidentin eine "Guidance" in den Mund zu legen, nach dem Motto: Würden Sie, wenn die Inflation in einem Jahr auf dem heutigen Niveau verharrt, die Zinserhöhungen aussetzen? Yellen ließ sich auf dieses Spiel nicht ein und betonte, dass die Fed nicht mechanistisch agiere, sondern ein ganzes Set von Indikatoren unter Beobachtung habe. Zwar beeinflusse die Arbeitslosenrate die Inflation, aber der Zustand des Arbeitsmarktes sei noch durch andere Indikatoren gekennzeichnet, wie beispielsweise dem Grad der Unterbeschäftigung und der Partizipationsrate. Diese Indikatoren hätten noch Potenzial. Und hier holte der fragende Journalist zum nächsten Schlag aus: Die Situation am Arbeitsmarkt wolle sie jetzt verbessern, indem sie die Zinsen anhebe? Die Notenbankchefin – ruhig wie immer – verwies auf die Gefahr, zu lange zu warten und dann auf einen Inflationsanstieg reagieren zu müssen mit der Folge einer Rezession. Im Übrigen benötige man Spielraum für eine Reaktionsfähigkeit auf künftige negative Schocks.

Richtigerweise verwies ein Berichterstatter darauf, dass die Fed in ihrem Statement die Probleme am Markt für bonitätsschwache Anleihen – in den letzten Tagen wurden gleich mehrere Fonds mit risikoreichen und hoch rentierenden Finanzinstrumente (High Yield Fonds) liquidiert – unerwähnt gelassen habe. Die Fed lasse sich nicht von kurzfristigen Volatilitäten irritieren, entgegnete Yellen sinngemäß. Damit gab sie implizit zu, dass die Entscheidung der Fed, im September auf eine Zinserhöhung wegen der Turbulenzen in China zu verzichten, ein Fehler gewesen war.

Schließlich wurde Frau Yellen noch mit der Behauptung konfrontiert, dass der Aufschwung jetzt bereits sechs Jahre dauere und allein von Alters wegen zu einem Ende ("die out of age") kommen müsse. Daher sei es doch recht riskant, jetzt den Zinserhöhungszyklus zu starten. Die "die out of age"-These mochte die Frau an der Spitze der US-Notenbank nicht teilen. Es gäbe diesbezüglich kein Naturgesetz. Sie sähe im Übrigen die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession bei etwa 10%, vollkommen unabhängig von der Zinserhöhung.

Fazit: Auch wenn Frau Yellen auf die Datenabhängigkeit der künftigen Zinsentscheidungen verwies, machte sie erneut deutlich, dass die geldpolitische Straffung graduell erfolgen soll. Die Fed-Mitglieder halten im Durchschnitt etwa eine Zinserhöhung pro Quartal für angemessen. Genau davon gehen wir – im Gegensatz zu den darunter liegenden Markterwartungen – ebenfalls aus, auch wenn einige Journalisten von der Wall Street weiterhin versuchen werden, Frau Yellen ins Boxhorn zu jagen.