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15.01.2015

QE kommt auf der nächsten EZB-Zinssitzung, meint Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank.

Die EZB wird ein Staatsanleiheankaufprogramm (QE) beschließen. Das zeichnet sich immer klarer ab. Und die letzten Äußerungen der Notenbanker deuten auch darauf hin, dass ein solches Programm bereits auf der Zinssitzung am 22. Januar beschlossen werden könnte. Aus Sicht der EZB wird der Handlungsbedarf immer drängender. Im Dezember ist die Inflationsrate mit -0,2% erstmals in den negativen Bereich gerutscht, womit die Deflationsrisiken zunehmen. In dem Niedergang der Teuerung macht sich zunehmend der Sinkflug des Ölpreises (Brent) bemerkbar. Brent hat sich seit Juni 2014 in US-Dollar gerechnet um rund 60% verbilligt. Normalerweise würde die Notenbank einen Ölpreisrückgang nicht in ihre Geldpolitik mit einbeziehen. Doch die Währungshüter befürchten eine abwärts gerichtete Lohn-Preis-Spirale, die sich in sinkenden Inflationserwartungen niederschlägt. Das würde das Inflationsziel der EZB von knapp 2% auch mittelfristig in Gefahr bringen. Um das abzuwenden, dürfte die EZB eher früher als später signifikante Anleiheankäufe im Volumen von mehr als 500 Mrd. Euro beschließen.

Doch unklar bleibt bis zum jetzigen Zeitpunkt, über welchen Transmissionsmechanismus QE tatsächlich wieder zu einem Anstieg der Inflationsraten führen soll. EZB-Präsident Mario Draghi spricht von einem „portfolio rebalancing-Effekt“. Bei diesem kauft die Notenbank Euro-Staatsanleihen und pumpt damit Liquidität in den Markt, die für Umschichtungen in andere Assets genutzt wird, unter anderem Fremdwährungs-Assets, was für eine Aufwertung dieser Währungen gegenüber dem Euro spricht. Die Abwertung des Euro schiebt die Exporttätigkeit an sowie verteuert die Importe, worüber die Preise wieder angeschoben werden sollten. Doch eine Verteuerung der Importe könnte kontraproduktiv sein. Zudem dürften die Anleiheankäufe das Zinsniveau weiter absenken. Bisher haben die rekordniedrigen Zinsen aber nicht zu einem Anziehen der Investitionstätigkeit in der Eurozone geführt. Warum sollte das also jetzt der Fall sein, wo die Renditen immer weniger Abwärtsspielraum haben? Dies kann nur über einen deutlichen Vertrauenszugewinn bei den Unternehmen erfolgen. Genau einen solchen Effekt erhoffen sich die Notenbanker. Von den Käufen soll Signalwirkung ausgehen: Die EZB steht bereit, alles zu tun, um ein Deflationsszenario zu verhindern. So richtig vertrauenserweckend klingt das aber nicht. Wenn ein solcher Beschluss notwendig ist, muss die Situation ganz schön brenzlig sein, könnte eine Interpretation der Maßnahme lauten. Entsprechend dürfte die Vorsicht weiterhin dominieren. Klar, die Finanzmärkte werden QE feiern, zumindest kurzfristig. Ob es tatsächlich einen Effekt auf die Realwirtschaft geben wird, bleibt eher nebulös. Die EZB zeigt jedoch lieber Aktionismus, als sich mit dieser Frage allzu intensiv zu beschäftigen. Im Vergleich zu dem alles andere als sicheren Erfolg sind die Risiken – Assetpreisblasen, fehlende Anreize zur Haushaltskonsolidierung, Spaltung des EZB-Rates – dieser Maßnahme recht groß. Doch die Notenbank geht ihren Weg unbeirrt weiter. Komme, was da wolle…


Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank