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Wochenkommentar

Erfreuliche Konjunkturaussichten trotz schwächerer ifo-Werte

31.07.2014

Trotz der schwächeren ifo-Werte sind die Konjunkturaussichten für Deutschland erfreulich, meint Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank.

Die deutsche Wirtschaft ist ins Stocken geraten. Nach einem fulminanten Start im ersten Quartal weisen die Zahlen der vergangenen Monate deutliche Bremsspuren auf. Besonders enttäuschend entwickelte sich der ifo-Geschäftsklimaindex, der im Juli zum dritten Mal in Folge einen Rückgang verzeichnete. Hauptgrund dafür ist die Eskalation der Gewalt in der Ukraine und in Israel. Deshalb schätzen die Unternehmen heute - im Vergleich zum April - ihre aktuelle Geschäftslage und Perspektiven deutlich schlechter ein. Ob der ifo Index tatsächlich einen konjunkturellen Trendwechsel vorwegnimmt darf allerdings bezweifelt werden. So ist das absolute Niveau des Index noch relativ hoch und steht immer noch für Expansion. Zudem neigen Stimmungsindikatoren dazu, die momentanen Risiken überzubewerten. Dies gilt vor allem in Zeiten, in denen die Bilder von kriegerischen Auseinandersetzungen um die Welt gehen. Trotz des Stimmungsumschwungs gibt es eigentlich keinen Grund Trübsal zu blasen.

2014 präsentiert sich die Konjunktur in Deutschland robust wie schon seit Jahren nicht mehr. Dabei kommen die Impulse für den Aufschwung von der Binnenwirtschaft. Nach einer quälend langen Phase der Zurückhaltung spricht die kräftige Belebung der Ausrüstungsinvestitionen dafür, dass die Auftriebskräfte Oberhand gewinnen. Unterstützt wird dies durch das niedrige Zinsniveau. Die zweite Säule des dynamischen Wachstums fußt auf dem privaten Verbrauch. Steigende Nettolöhne und höhere staatliche Sozialleistungen haben bei einer moderaten Teuerungsrate zu einem Anstieg der Konsumausgaben geführt. Ursache ist nicht zuletzt der beträchtliche Beschäftigungsaufbau, der 2013 durch die höchste Zuwanderung seit zwanzig Jahren ermöglicht wurde. Dies dürfte sich so schnell nicht ändern, denn Deutschland ist für Ausländer attraktiv geworden und braucht aufgrund der Überalterung der Gesellschaft dringend Arbeitskräfte. Der Außenhandel, der über viele Jahre Motor der Wirtschaft war, steht momentan nur noch in der zweiten Reihe. Angesichts der dynamischen Entwicklung im Inland werden die Importe vorerst schneller wachsen als die Exporte.

Selbst wenn die Konjunktur im zweiten Halbjahr 2014 noch mit angezogener Handbremse fahren würde, sind die Aussichten für 2015 erfreulich. Ohne eine Verschärfung der internationalen Krisen dürfte sich der Aufwärtstrend bei den Investitionen fortsetzen. Gleiches trifft auf den privaten Verbrauch zu. Glaubt man dem GfK-Konsumklimaindex, sind Konsumenten in Erwartung höherer Reallöhne schon heute in Partylaune. Der Index kletterte im Juli auf den höchsten Stand seit Dezember 2006. Demnach wäre Deutschland schon heute auf dem besten Weg zur Hochkonjunktur. Auch wenn dies aus Sicht der deutschen Unternehmen übertrieben scheint, kann ein bisschen mehr Optimismus - wie in den USA - sicher nicht schaden.

Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank