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Wochenkommentar
05.12.2013

Die Devisenstatistiken zeigen eine bemerkenswerte Entwicklung, die langfristig negative Auswirkungen auf den Dollar haben wird, meint Cyrus de la Rubia.

Wissen Sie, welche die zweitwichtigste Handelswährung nach dem US-Dollar ist? Die  Bitcoins sind es nicht, aber auch nicht der Euro oder der Yen. Vielmehr hat Chinas Währung, der Renminbi, diese Position seit jüngstem inne. In den vergangenen Jahren hat China mit seinen wichtigsten Handelspartnern Verträge abgeschlossen, durch die der direkte Handel der jeweiligen Währungen vereinbart wurde, ohne den Umweg über den US-Dollar.

Nach Angaben des Finanzdienstleisters Swift sind mittlerweile 8,7 Prozent aller Außenhandelstransaktionen im Oktober in Renminbi abgewickelt worden.
Das ist noch keine Revolution, denn weiterhin wird der überwältigende Anteil des internationalen Handels in US-Dollar durchgeführt (81 Prozent). Die Dynamik, mit der sich der Renminbi im Außenhandel etabliert, ist dennoch beeindruckend. Parallel dazu lässt sich beobachten, dass Anlegern immer mehr Instrumente angeboten werden, um in der chinesischen Währung zu investieren.

Für den US-Dollar kann dies langfristig zu einem Problem werden. Offensichtlich gelingt es immer mehr chinesischen Produzenten, das Wechselkursrisiko auf die ausländischen Ex- und Importeure abzuwälzen. Beispielsweise gibt es viele chinesische Werften, die ihre Verträge in Renminbi festmachen. Diese Vorgehensweise ist für Unternehmen aus dem Reich der Mitte in den vergangenen Jahren im Zuge der signifikanten Aufwertung des Renminbi immer attraktiver geworden. Für US-Unternehmen und Produzenten ergibt sich im Handel mit China ein Absicherungsbedarf, den es vorher gar nicht gab. Das kostet und insofern wird die USA sich damit abfinden müssen, dass sie perspektivisch in einem gewissen Maß auch realwirtschaftlich negative Effekte zu verkraften hat.

Die Etablierung des Renminbi als Weltreservewährung steht auf einem anderen Blatt. Hier kommt es darauf an, dass es Renminbi-Wertpapiere gibt, die internationale Anleger kaufen können. In dieser Beziehung ist auch schon viel passiert – beispielsweise die Möglichkeit, Geld in Renminbi-Depositen in Hongkong anzulegen – aber insgesamt hinkt China der Entwicklung des Renminbi als Transaktionswährung noch hinterher. So liegt Chinas Währung bei internationalen Finanztransaktionen nur auf Platz 12.

Wir gehen davon aus, dass im Zuge der von China angekündigten Liberalisierungsschritte die Konvertierbarkeit des Renminbi in den nächsten Jahren schrittweise fortgesetzt wird. Für internationale Anleger werden sich zunehmend Alternativen zum US-Dollar-Raum ergeben, während die Nachfrage nach US-Dollar als Transaktionswährung zugunsten des Renminbi abnehmen wird. Zwar wird kurzfristig an den Devisenmärkten die Entwicklung kaum Spuren hinterlassen. Langfristig dürfte der US-Dollar jedoch seinen Status als Welttransaktions- und Weltreservewährung sowie an Wert verlieren.