SUCHE

09.01.2014

Der Weg, den Irland aus der Krise fand, sollte den anderen Programm-Ländern Mut machen, meint Sintje Boie.

Kaum hat das neue Jahr begonnen sorgte Irland für ordentlich Furore in der Finanzwelt. Das Land hat sich zur Refinanzierung an den Kapitalmarkt gewagt und über eine 10jährige Anleihe 3,75 Mrd. Euro bei den Investoren eingesammelt. Der gewählte Zeitpunkt wirkt etwas überhastet, so als wollten die Iren es möglichst schnell hinter sich bringen oder den Markt sogar überrumpeln.

Doch das trifft es wohl nicht. Irland hat diesen Kapitalmarktauftritt lange vorbereitet. Nachdem das Land 2010 aufgrund seines maroden Bankensektors auf Finanzhilfen seitens der anderen Euro-Länder und des IWF angewiesen war, wurde schon in den vergangenen Jahren die eigene Kapitalmarktfähigkeit getestet. So hat Irland 2012 in beschränkten Umfang Staatspapiere an den Markt gebracht, 2013 folgte dann erstmals die Emission einer 10jährigen Benchmark-Anleihe. Die Refinanzierungen gingen glatt über die Bühne, so dass Irland Mitte Dezember 2013 aus dem Euro-Rettungsschirm ausgeschieden ist und damit keine weiteren Finanzhilfen in Anspruch nehmen wird. Entsprechend müssen sich die Iren mit Jahresbeginn 2014 in Eigenregie am Kapitalmarkt refinanzieren.

Und genau das ist das Beeindruckende an der beschriebenen Emission: Erstmals seit seiner Schuldenkrise hat Irland eigenständig eine Anleihe platziert, ohne dass die anderen Euro-Länder mit ihrer Finanzkraft im Hintergrund stehen. Noch dazu ist die Emission sehr gut gelaufen – es konnte ein Renditeniveau von 3,54% fixiert werden, und die Transaktion war deutlich überzeichnet. Das zeigt, dass der Zeitpunkt wohl überlegt war. Die Konjunktur in der Eurozone erholt sich langsam, und die Schuldenkrise scheint sich weiter zu beruhigen. Das führt – zusammen mit einer hohen Liquiditätsausstattung – dazu, dass Investoren wieder auf der Suche nach einem Rendite-Pick-up sind, was irische Anleihen vergleichsweise attraktiv macht. Gleichzeitig hat Irland mit dieser Emission einen Großteil seines Refinanzierungsvolumens 2014 von 6 bis 10 Mrd. Euro schon erbracht.

Das Beispiel Irlands sollte den anderen Programm-Ländern Mut machen. Es verdeutlicht, dass es durchaus möglich ist, sich aus der eigenen Schuldenkrise und der damit verbundenen Schieflage zu befreien und nicht mehr auf die Unterstützung der Euro-Partner angewiesen zu sein. Denn auch Irland hat einen weiten Weg mit schmerzhaften Anpassungsprozessen hinter sich – durch massiven Lohnverzicht wurde die Wettbewerbsfähigkeit beispielsweise spürbar erhöht. Das Beispiel Irlands zeigt aber auch, dass solche Kraftanstrengungen notwendig sind, um den Weg aus der Krise zu finden.

Sintje Boie, Senior Analystin der HSH Nordbank