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Weltwirtschaft profitiert
25.04.2013

China transformiert das Erfolgsmodell der letzten Jahre. Dadurch bieten sich neue Chancen für die globale Wirtschaft, meint Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank.

Über viele Jahre hat uns China mit zweistelligen Wachstumsraten verwöhnt und war damit der Motor des globalen Wirtschaftswachstums. Profitiert haben die Konsumenten auf der ganzen Welt, die in den Genuss preiswerter chinesischer Waren gekommen sind. Auch der unbändige Hunger der Chinesen nach Rohstoffen wie Erzen, Öl und Kohle kannte viele Gewinner. Jetzt hat China die Finanzmärkte erschüttert. Im ersten Quartal dieses Jahres legt die Wirtschaft im Reich der Mitte „lediglich“ um 7,7 Prozent zu. Die Überraschung war groß, denn im Hinblick auf den kräftigen Anstieg des Kreditvolumens wurde mit einer Beschleunigung des Wachstums gerechnet. Nach der Überwindung der leichten Schwäche Ende 2012 schien der Trend wieder deutlich aufwärts gerichtet zu sein.

Das könnte der Anfang einer neuen chinesischen Zeitrechnung sein. Es wird keine großen Programme zur Stimulierung der Wirtschaft mehr geben. Im Gegenteil: Die neue Regierung unter Staatspräsident Xi Jinping will das Erfolgsmodell der letzten Jahre transformieren. Nachhaltigkeit und Qualität gehen in China nun vor Quantität. Bislang garantierten niedrige Löhne, eine unterbewertete Währung und der fast unbegrenzte Zugang zu billigen Krediten die Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Unternehmen. Jetzt hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, den in den letzten Jahren vernachlässigten privaten Haushalten auf die Beine zu helfen. Wie wichtig dies ist, zeigt die private Konsumquote. Sie lag 2011 mit 34,5 Prozent im Vergleich anderen Ländern (Südkorea 52,9 Prozent) auf einem extrem niedrigen Niveau. Will man das ändern, geht es nur auf Kosten der Exporte.

Müssen wir deshalb Angst haben? Nein, denn jede Veränderung bereitet neue Wege. So sind sinkende Rohstoffpreise eigentlich bloß für die Produzenten von Nachteil, nicht aber für die Konsumenten. Darüber hinaus wird die sinkende Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Produkte den Industrien vieler Länder wieder Luft zum Atmen geben. Profitieren dürften beispielsweise Mexiko, Portugal oder nicht zuletzt sogar die Vereinigten Staaten.

Wir werden uns daran gewöhnen müssen: China entschleunigt sich, die globale Wirtschaft jedoch nicht. So könnte China, diesmal unter anderen Vorzeichen, die Rolle der Wachstumslokomotive übernehmen - als Importeur höherwertiger ausländischer Güter. Die nächsten Jahre werden viele neue Chancen bieten. Es gilt sie zu nutzen.

Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank