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Chefunterhändler Michel Barnier wartet auf neue Vorschläge aus Großbritannien (© Getty Images)
Devisenmärkte
19.10.2018

Bearishes Euro- und bullishes US-Dollar-Momentum. Italien, „No-Deal“-Brexit und Fed bestimmen Devisenmarkt. JPY-Ralley macht Halt. Die Devisenmärkte im Wochenrückblick.

EUR/USD: Eine „hawkishe“ US-Notenbank sowie die italienischen Haushaltsplanungen setzten die europäische Einheitswährung in der vergangenen Woche spürbar unter Druck. Nachdem EUR/USD zwischenzeitlich die Marke von 1,16 überschritt, gab das Währungspaar gegen Ende der Berichtswoche seine Gewinne wieder ab und fiel unter 1,15 zurück. Damit wurden wichtige technische Unterstützungszonen, wie der 21-Tage-Gleitende-Durchschnitt (GD) oder der 200-Tage exponentielle GD unterschritten. Der Streit um das italienische Haushaltsbudget – die italienische Regierung konnte wochenlang keine Details zu den Planungen nennen – setzt den Euro seit geraumer Zeit unter Druck, sodass das Währungspaar momentan im Wochenminus (-0,5 Prozent) bei 1,1492 notiert. Die italienische Regierung einigte sich am 15. Oktober auf ein Haushaltsgesetz für 2019 und hat den Entwurf an die EU-Kommission weitergeleitet. Offensichtlich bestand seitens Italiens aber wenig Willen, die bekannten Kritikpunkte der EU bereits im Vorfeld der Abgabe zu revidieren. Die EU hat nun zwei Wochen Zeit zu entscheiden, ob sie den Plan zurückweist und Nachbesserungen fordert. Weiteren Gegenwind erfuhr das Währungspaar zudem von der Veröffentlichung des US-Notenbankprotokolls von der Sitzung am 25. und 26. September. Einige US-Notenbanker sehen die Notwendigkeit, die Leitzinsen über das neutrale Zinsniveau zu heben. Das heißt, ein Zinsniveau, vom dem weder stimulierende noch bremsende Wirkungen auf den Konjunkturverlauf ausgehen. Dieses Niveau wird bei etwa drei Prozent gesehen, und die Ankündigung beflügelte die Leitzinsphantasien der Marktteilnehmer weiter. Auf der US-Seite halfen die höher als erwarteten September-Daten zur US-Industrieproduktion (+0,3 Prozent MoM) und das Produktionswachstum im verarbeitenden Gewerbe (+0,2 Prozent MoM) dem Greenback am 16. Oktober, verlorenes Terrain zu egalisieren. Die „Much-more-time“-Ankündigung der EU in der Brexit-Debatte am 17. Oktober hat dem Euro einen weiteren Rücksetzer gegeben. In den kommenden Tagen können weitere negative Nachrichten aus Italien sowie ein potenzieller „No-Deal“-Brexit auf dem EU-Gipfel heute die Abwärtsdynamik von EUR/USD fortsetzen.

EUR/GBP: Die Brexit-Euphorie bezüglich einer bevorstehenden Einigung zwischen der EU und Großbritannien zum Ende vergangener Woche mündete nach dem ergebnislosen Treffen der 27 EU-Regierungen und Großbritannien in Ernüchterung. Diplomaten auf EU-Seite konstatierten, dass noch viele Fragen ungeklärt sind. Die EU-27 entschieden Reuters zufolge, dass ein erneutes Gipfeltreffen erst wieder anzuberaumen ist, wenn der EU-Chefunterhändler Michel Barnier entscheidende Fortschritte in den Verhandlungen zu vermelden hat. Dazu müsse Großbritannien neue Vorschläge vorlegen und die britische Premierministerin Unterstützung für ihre Position in London erreichen. Diese erneute Unsicherheit eines ungeordneten Austritts Großbritanniens aus der EU setzte den Sterling gegen Ende der Berichtswoche erneut unter Druck, nachdem dieser entsprechend der Deal-Euphorie im Vorfeld des EU-Gipfels aufwertete. Gegenwärtig notiert EUR/GBP bei 0,8779. Technisch bleibt der Pfund-Abwärtstrend dagegen intakt. So notiert der 120-Tage-SMA oberhalb seines 200-Tages Pendants.

USD/JPY: Der japanische Yen profitierte in den vergangenen Tagen weiter von den Nachwehen der Turbulenzen an den weltweiten Finanzmärkten der vergangenen Woche, die japanische Anleger dazu verleiteten, ihr im Ausland angelegtes Kapital abzuziehen. Auch die „hawkishen“ Minutes der letzten Notenbanksitzung hatten auf das Währungspaar nur temporär Einfluss. Per Saldo notiert der Yen im Wochenvergleich um 0,2 Prozent bei 112,50 im Plus. Mit zunehmenden Risikoappetit der Investoren, steigenden Aktiennotierungen und besser performenden EM-Währungen dürfte in den kommenden Tagen jedoch vieles für einen schwächeren Yen sprechen.