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Die Bereiche Öl und Gas waren in der Vergangenheit bereits gebeutelt (© Getty Images)
Unternehmensanleihen
28.09.2018

Das Zeitfenster für Basis-Trades hat sich wieder geschlossen. Energie und Retail sind von verschärften Kreditbedingungen besonders betroffen. Die Unternehmensanleihemärkte im Wochenrückblick.

In der letzten Woche wiesen wir auf die günstige Gelegenheit für einen Basis-Trade hin, für das ein kurzzeitiges Auseinanderlaufen von Cash- und CDS-Spreads die Ausgangssituation war. Dieses Zeitfenster hat sich nun wieder geschlossen. Wie im letzten Wochenbarometer vermutet, hat sich die „Basis“ wieder deutlich reduziert: CDS Spreads sind merklich ausgelaufen, während die iBoxx-Spreads gleichzeitig einliefen. Letzteres war über das gesamte Ratingspektrum zu beobachten.

Zur Zukunft, genauer zur Zukunft des Kreditzyklus: Dass die rekordlange Expansionsphase enden muss, steht außer Zweifel. Welches Ereignis die Kreditwende in Richtung Kontraktion einläutet und wann dies passiert, ist offen. Im Zweifel reichen weiter steigende Zinsen in den USA und die Konjunkturwende dort Mitte 2019, auf die derzeit die abflachende Zinsstrukturkurve hindeutet.

Unternehmen reizen Verschuldungsquoten aus

Wir hatten im Wochenbarometer bereits auf die „Fälligkeitenmauer“ hingewiesen, auf die die US-Kreditmärkte ungebremst zulaufen: Dort werden in den Jahren 2019 bis 2022 bislang nicht gesehene Kreditsummen, insbesondere auch im Subinvestmentgrade-Bereich, fällig. Nicht alle von ihnen werden bei gestiegenen Zinsen refinanziert werden können.

Besonders gravierend stellt sich die Situation in den US-Branchen „Einzelhandel“ und „Öl und Gas“ dar: In der Einzelhandelsbranche werden laut Ratingagentur S&P in den nächsten drei Jahren 50 Milliarden US-Dollar Verschuldung im Ratingspektrum „BB+“ oder schlechter fällig. 40 Prozent der Unternehmen haben ein Rating in der „B“-Kategorie, 17 Prozent in „CCC“, dazu haben etwa ein Drittel einen negativen Ausblick.

„Öl und Gas“ war in der Vergangenheit bereits gebeutelt. Der Cocktail aus hohen Ölpreisen bei niedrigen Zinsen hat viele Unternehmen dazu verleitet, ihre Verschuldungsquoten bis zur Grenze der Vernunft auszureizen. Hier werden in den nächsten drei Jahren 69 Milliarden US-Dollar Verschuldung mit einem Durchschnittsrating im „B“-Bereich fällig.

Beide Sektoren sind zudem anfällig für strukturelle Einflussfaktoren wie die Digitalisierung von Geschäftsmodellen, Ölpreisschwankungen und Zinsänderungen. Anfänge eines Phasenübergangs im Kreditzyklus werden sich am wahrscheinlichsten zuerst in diesen beiden Branchen in den USA zeigen.