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Eher ein Zwischenhoch? Die US-Dollar-Stärke scheint nicht fundamental zu sein (© Getty Images)
Wechselkurse
20.09.2018

Auch wenn die Zinserhöhung der EZB noch nicht Wirklichkeit ist: Schon die Ankündigung könnte Wirkung entfalten: Der Wechselkurs zieht an. 

Nach Wochen der US-Dollar-Stärke muss sich der Devisenmarkt allmählich auf steigende EUR/USD-Kurse einstellen. Die Emerging Markets Fragilität bescherte dem Greenback ein nicht für möglich gehaltenes Comeback im Sommer. Der weitere Verlauf des Währungspaares wird künftig deutlicher euroseitig bestimmt sein. Mit dem faktischen Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik wird sich die EZB zwar noch bis nach dem Sommer 2019 Zeit lassen, jedoch haben ihre hawkishen Ankündigungen bereits begonnen zu wirken. Das absehbare Ende des US-Konjunkturbooms ist eine zusätzliche Kraft, die auf den Außenwert des US-Dollar drückt und Portfolio-Umschichtungen in Richtung Euroland bewirken könnte.

Das britische Pfund bleibt vorerst noch in seiner engen Brexit-Handelsspanne. Die nahende Entscheidung über die zukünftigen Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU in den nächsten Monaten wird den Weg für EUR/GBP weisen. Gelingt die Vermeidung eines „No Deals“- hiervon gehen wir aus -, kann der Währungsmarkt der Geldpolitik und der Wirtschaftsentwicklung beider Wirtschaftsräume wieder stärkere Bedeutung beimessen. Ein gewisses Restrisiko eines „No Deals“ bleibt dennoch bestehen. Die japanische Zentralbank hat mit ihren minimal hawkishen Ankündigungen den Weg für einen mittelfristig stärkeren Yen geebnet. Dies könnte einen nicht unerheblichen Wendepunkt im Wechselkurs USD/JPY markieren. Hierfür wird der Devisenmarkt jedoch weitere kleine Schritte in Richtung geldpolitischer Drosselung von der BoJ erwarten. Bleiben diese aus, steht die mögliche Aufwertung des Yen allerdings auf wackeligen Beinen. Auch im Zusammenhang mit dem Ende des US-Wirtschaftsbooms scheinen niedrigere USD/JPY-Wechselkurse folgerichtig. Yen und Franken können im aktuellen Umfeld weiterhin von „Risk-Off“-Bewegungen profitieren. Die SNB muss weiter auf das geldpolitische Umschwenken der EZB warten.

Wechselkursprognosen zum EUR

Quellen: Bloomberg, HSH Nordbank

Wechselkursprognosen zum USD

Quelle: Bloomberg, HSH Nordbank Economics
Die Prognosen der HSH Nordbank werden monatlich überprüft und gegebenenfalls angepasst. Hinweis: Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

EUR/USD: US-Dollar nur kurzfristig stärker

Die vergangenen Wochen und Monate standen vor allem unter dem Eindruck der Wechselkursentwicklung in den Emerging Markets. Die Außenwerte der Türkischen Lira und des Argentinischen Peso sind seit Juli im zweistelligen Prozentbereich erodiert und haben viele weitere Schwellenländer-Währungen abwerten lassen. Der Währungsmarkt hat die strukturellen Defizite in vielen dieser Länder (u.a. Politik-Missmanagement, Leistungsbilanzdefizite und hohe Abhängigkeit von ausländischem Kapital) deutlicher eingepreist. Dem US-Dollar haben diese Entwicklungen zu einem Comeback verholfen, welches nach unserem Dafürhalten fundamental nicht begründet ist. Der US-Dollar profitierte als global führende Funding-Währung im Zuge dieser Emerging Markets Turbulenzen maßgeblich von der Schuldenreduktion der Unternehmen und Haushalte in diesen Ländern, die ihre in Fremdwährung denominierte Verschuldung abbauen mussten. Mit Begradigung dieser Effekte dürfte sich am Währungsmarkt die Gewissheit eines mittel- bis langfristig schwächeren US-Dollars durchsetzen.

Mittelfristig höhere EUR/USD-Kurse

Der Fortgang der Währungskrisen in den Schwellenländern, hierfür gibt es bis auf wenige Ausnahmen gute Gründe, sollte in der mittleren Frist den US-Dollar besonders gegenüber den G-10-Währungen abwerten lassen. Die Zunahme sowohl des Leistungsbilanz- als auch des Budgetdefizits der USA wirkt sich zudem aus. Der Zinserhöhungspfad der Fed wird insoweit nur punktuell dem Greenback Unterstützung geben können. Für EUR/USD bedeutet das auf Sicht höhere Kurse, obwohl sich die Zinsdifferenz zwischen Fed und EZB weiter ausweiten wird. Die EZB steigt ihrerseits nur zögerlich aus ihrem QE-Programm aus und wird ihren Hauptrefinanzierungssatz auf Sicht eines Jahres wohl nicht anheben. Allerdings reichen eine verbal hawkishere EZB und die Andeutungen auf eine Zinswende in der Eurozone offenbar aus, um am Währungsmarkt den Euro-Außenwert zu stärken. Weiter lastet das nahende Ende des US-Wirtschaftsbooms, hierfür finden wir auf Unternehmensebene genügend Anhaltspunkte, auf dem US-Dollar. Selbst die boomenden Wirtschaftsindikatoren, u.a. BIP-Wachstum im zweiten Quartal von 4,2 Prozent (annualisiert) und mehrfache Stellenzuwächse oberhalb von 200 Tsd. konnten dem Greenback nur in der kurzen Frist helfen. Es scheint, als prallen sämtliche US-Dollar-bullishen Indikatoren am Wechselkurs und Fed-Zinsspritzen in der mittleren Frist am Wechselkurs ab und der Markt schielt auf höhere EUR/USD-Wechselkurse.

 

 

EUR/USD: Historie und Prognose

Quelle: HSH Nordbank Economics, Macrobond

Downsides: Emerging Markets und Handelsstreit

Wir erwarten mittelfristig einen schwächeren US-Dollar. Der EUR/USD-Wechselkurs sollte zum Ende des vierten Quartals bei 1,17 und im Folgequartal bei 1,18 liegen. Je nach Verlauf der Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA sowie den USA und der EU ist ein Unter- bzw. Überschreiten unserer Prognose möglich. Eine Zunahme der Handelseskalation gab dem US-Dollar zuletzt Zulauf und könnte die Euro-Aufwertung entsprechend verzögern. Auch eine Zunahme der Emerging Markets-Risiken geben tendenziell dem US-Dollar Zulauf. Euro-seitig kann die italienische Haushaltsdebatte um die Einhaltung der Maastricht-Defizitkriterien belasten. Insgesamt scheint der Pfad von EUR/USD trotz einer punktuell möglichen Rückkehr eines US-Dollar-Momentums eindeutig.

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