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Unternehmen mit Produktionsstandorten in China (© Alamy)
Aktienmärkte
05.10.2018

Der DAX ist nach Umstrukturierung im Seitwärtsmodus. Handelsstreit aus Sicht der Autohersteller: Schlägt lokal künftig global? Die Aktienmärkte im Wochenrückblick.

Nach zwei erfreulichen Wochen ist der deutsche Leitindex DAX etwas gemächlicher in den Herbst gestartet. Mit aktuell 12.250 Punkten liegt man in etwa auf dem Niveau der Vorwoche. Offenbar musste der Index den Aufstieg des Bezahldienstleisters Wirecard zunächst etwas verarbeiten. Die Umstrukturierung war im Hinblick auf die Fundamentalbewertung nicht unerheblich. So erhöhte sich das DAX-KGV in der Folge der Aufnahme auf aktuell 14,5 (zuvor 13,9). Seit Beginn der Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA steht vor allem der Automobilsektor im Fokus. Bis auf den VW-Konzern hat jeder Corporate des Auto-DAX bereits im laufenden Jahr eine Gewinnwarnung herausgegeben. Die deutsche Schlüsselindustrie stand in den letzten Monaten unter hohem Verkaufsdruck an den Aktienmärkten. Doch wie schwer wiegt die Handelsdiskussion wirklich?

Für die deutschen Hersteller ist China Absatzmarkt, Produktionsstandort und Export-Hub für Asien zugleich. Im Hinblick auf ihre Produktionsstrategie gibt es mehrere Alternativen: Zum einen setzen Hersteller auf eine lokale Produktion vor Ort (und eine geringe Importquote aus Europa) oder eine hohe Importquote in Verbindung mit einer geringen lokalen Produktion. Viele Hersteller haben ihre Kapazitäten in China zuletzt enorm erhöht, um von dort die Nachfrage in anderen asiatischen Emerging Markets zu bedienen. Deutsche Hersteller sind seit Jahrzehnten mit Joint Ventures vertreten (zum Beispiel Shanghai Volkswagen, BMW Brilliance). Die reziproken Zollanhebungen von China und den USA lassen die bestehende globale Auto-Supply-Chain in Bedrängnis geraten.

Autokonzerne müssen Zollstreit schultern

Bislang ist noch kein Strategiewechsel der deutschen Hersteller ersichtlich. Allerdings sollte der Zollstreit diejenigen OEMs (Original Equipment Manufacturer) bevorteilen, welche vor Ort in China feste Produktions- und Vertriebsstrukturen etabliert haben. So bedient der VW-Konzern den Autoabsatz seiner Kernmarke ausschließlich durch eine lokale Produktion und muss deshalb kaum Absatz-/Umsatzeinbußen befürchten (jährlicher Absatz: rund vier Millionen Fahrzeuge). Durch die enge Verzahnung von lokaler Produktion und lokalem Absatz können die Autokonzerne den Herausforderungen des Zollstreits begegnen. Andere Produzenten, deren Produktionskapazitäten nicht ausreichend groß sind, um die Nachfrage dort zu bedienen, sind auf den Import angewiesen. So ist es nicht selten der Fall, dass Autohersteller große SUV aus den USA nach China exportieren müssen. Möglicherweise sind diese Produzenten dazu gezwungen kostenintensive Umstellungen bei ihrer Supply-Chain vorzunehmen. Den betroffenen Autobauern drohen höherer operative Aufwendungen und geringere EBIT-Margen, zumindest bis die Anpassungen umgesetzt sind. Nichtsdestotrotz scheinen die größten Risiken aus der Handelsdiskussion in einer Wachstumsverlangsamung Chinas zu bestehen. Hierin sehen wir, auch für Automobilaktien, die größte Bedrohung.