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Wachsende Nachfrage bei anhaltenden Engpässen lässt den Ölpreis steigen (© shutterstock)
Ölmärkte
20.09.2018

Die Nachfrage bleibt hoch, die Anzahl der Engpässe auch. Ergebnis: Der Ölmarkt dürfte sich weiter einengen, die Ölpreise steuern zum Jahresende auf neue Höchstpreise zu. Eine Aussicht. 

Die Rohölpreise haben in den vergangenen Wochen wieder spürbar zugelegt, nachdem diese zwischenzeitlich aufgrund von Sorgen vor einem Angebotsüberschuss im dritten Quartal binnen weniger Handelstage um mehr als 10 Prozent eingebrochen sind. Mit etwa 80 US-Dollar/Barrel notiert der Preis der Nordseesorte Brent in der Nähe des Mehrjahreshochs, welches Mitte Mai erreicht wurde. Angetrieben wurden die Preise maßgeblich durch drei Faktoren: (i) ein weiterhin robustes spätzyklisches Nachfragewachstum, (ii) ein zunehmend rückläufiges Angebot aus dem Iran (gegenwärtig vornehmlich nach Europa, Japan und Korea) sowie (iii) ein spürbarer Anstieg der Importe im August aus China. Hier wurde nach einer Phase des Lagerabbaus und den damit korrespondierenden niedrigeren Rohölimporten im zweiten Quartal wieder damit begonnen, Lagerbestände aufzubauen.

Mit Blick auf die Zukunft erwarten wir, dass alle drei Säulen unseres optimistischen Ausblicks intakt bleiben werden. Obwohl die Sorgen um die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft, angesichts des ungelösten Handelskonflikts und den Turbulenzen in einigen Emerging Markets, groß ist, gehen wir weiterhin von einem robusten Wachstum von etwa 3,5 Prozent im kommenden Jahr aus. Erste Stimmungsindikatoren zeigen bereits eine Zunahme der wirtschaftlichen Aktivität im dritten Quartal an. Nach unserem Dafürhalten dürfte die globale Ölnachfrage somit im kommenden Jahr mit ca. 1,5 Mio. Barrel/Tag YoY erneut spürbar kräftig zulegen. Die Angebotsseite ist ähnlich stark politisiert wie die Nachfrageseite. Während das Angebot in einigen Ländern, insbesondere dem Iran und Venezuela, rückläufig sein wird, werden die Kern-OPEC-Länder und Russland mit einer Produktionsausweitung einige verloren gegangene Barrel kompensieren können. In den USA ist das Angebotswachstum aufgrund von Pipelineengpässen bis in das Spätjahr 2019 begrenzt. Für das laufende Jahr rechnen wir weiterhin mit einem Produktionszuwachs von etwas weniger als 1,3 Mio. Barrel/Tag YoY.

Iran-Sanktionen lassen Ölpreis steigen

Angesichts des ungelösten Pipelineproblems dürfte das Angebotswachstum im kommenden Jahr mit einem Zuwachs von lediglich 0,9 Mio. Barrel/Tag eher moderat ausfallen. Per Saldo erwarten wir unverändert ein Marktdefizit am globalen Ölmarkt bis mindestens Mitte des kommenden Jahres, jedoch dürfte dies aufgrund der Iran-Sanktionen höher ausfallen als bisher prognostiziert. Entsprechend heben wir unsere Ölpreisprognose nach oben an. Für das Jahresende erwarten wir einen Brent-Ölpreis von mehr als 80 US-Dollar/Barrel. Im kommenden Jahr rechnen wir mit einem durchschnittlichen Ölpreis von etwa 72 US-Dollar/Barrel.

Angesichts der bereits sehr niedrigen Lagerbestände und der Erwartung eines bis Mitte des kommenden Jahres anhaltenden Marktdefizits rechnen wir mit einer weiteren Ausweitung der Backwardation. Am kurzen Ende der Terminkurve (1-Mo – 2-Mo-Kontrakt) erwarten wir für das vierte Quartal dieses Jahres und für das erste Quartal kommenden Jahres eine Spread-Ausweitung auf knapp zwei Prozent. Dies entspräche einem annualisierten Carry (Rollgewinn) von 23 Prozent. Bei der US-Sorte WTI gehen wir von einem Carry von 7 Prozent aus.

Warum die Phase hoher Preise noch nicht überstanden ist

Die Preise für Rohöl sind in den vergangenen Wochen wieder spürbar angestiegen. Die Nordseesorte Brent notiert gegenwärtig bei 78 US-Dollar/Barrel. Die Rallye bei Öl ist primär durch eine solide Entwicklung auf der Nachfrageseite sowie spürbarer Angebotsengpässe getrieben. Seit Juli ist eine erneute Wachstumsbeschleunigung bei der Ölnachfrage zu beobachten, trotz sich abkühlender Konjunkturindikatoren und einer schwachen Nachfragedynamik in den beiden Vormonaten. Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate rechnen wir mit einer weiteren Markteinengung und einer Abschwächung der Fundamentaldaten in der zweiten Jahreshälfte. Entsprechend optimistisch blicken wir auf die kommenden zwölf Monate, bevor die Ölpreise in 2H-19 wieder spürbar fallen sollten.

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