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Hohe türkische Refinanzierungslasten machen eine Bankenkrise wahrscheinlicher (© Getty Images)
Rentenmärkte
03.09.2018

Die Renditen steigen trotz Türkei-Krise. Und Italien ist auf dem Weg zum Showdown. Die Rentenmärkte im Wochenrückblick.

Die Türkei-Krise ist zuletzt wieder stärker ins Bewusstsein der Anleger gerückt. So wertete die türkische Lira sowohl gegenüber dem US-Dollar als auch gegenüber dem Euro ab und die CDS-Spreads für die Türkei sind wieder angestiegen. In den Bewegungen zeigt sich die Angst der Anleger vor einer Schuldenkrise und dem Zusammenbruch des türkischen Finanzsystems. Sorgen bereiten die hohen türkischen Refinanzierungslasten – Staat, Unternehmen und Banken müssen allein bis Mitte nächsten Jahres rund 150 Milliarden US-Dollar an Auslandsschulden zurückzahlen, bis zum Jahresende sind es rund 30 Milliarden US-Dollar – sowie die Herabstufung von 20 türkischen Finanzinstituten durch Moody’s, die eine Bankenkrise wahrscheinlicher machen. Wir gehen für die Türkei von einem unverändert hohen Stressniveau aus, von dem aus eine weitere Eskalation der Krise möglich erscheint, ohne dass jedoch ein Übergreifen der Krise auf andere Emerging Markets stattfinden sollte.

Kritischer Blick nach Italien

Trotz dieser Entwicklungen ist es nicht zu sicherheitsmotivierten Zuflüsse in Bundesanleihen und Treasuries gekommen, sondern die Renditen sind gestiegen. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren bei rund 0,40 Prozent, ihre amerikanischen Pendants bei rund 2,90 Prozent. Die Renditen italienischer Staatsanleihen gleicher Laufzeit sind zuletzt bis auf fast 3,20 Prozent und damit über ihren Jahreshöchststand von Mai gestiegen. Im September muss die neue Regierung in Rom den Haushaltsentwurf für 2019 vorlegen. Allem Anschein nach werden weitere Ausgabenerhöhungen ins Auge gefasst und das Defizitkriterium von drei Prozent des BIP soll keine große Rolle mehr spielen. Anleger sehen diese Tendenz zu noch mehr Schulden in Italien zunehmend kritisch.

Positive Signale durch Entspannung im Handelskonflikt

In der kommenden Woche werden die endgültigen Einkaufsmanagerindizes für August in der Eurozone veröffentlicht, die vorläufigen hatten einen Anstieg des Indizes für Dienstleistungen und einen Rückgang für das Verarbeitende Gewerbe geboten. Der ifo-Geschäftsklimaindex konnte im August erstmals seit November 2017 wieder zulegen und liefert damit wie die Einkaufsmanagerindizes ein positives Signal für die Konjunkturentwicklung in der zweiten Jahreshälfte. Die Entspannung des Handelskonfliktes zwischen den USA und der EU war dabei der maßgebliche Faktor für die Stimmungsverbesserung.

Am Montag ist in den USA Labor Day, sodass die Handelswoche feiertagsbedingt verkürzt ist. Im weiteren Wochenverlauf werden mit den ISM-Indizes für das Verarbeitende Gewerbe und Dienstleistungen, den Auftragseingängen langlebiger Wirtschaftsgüter sowie dem Arbeitsmarktbericht für August aber einige hochkarätige US-Konjunkturdaten veröffentlicht. Interessant dürfte sein, ob die ISM-Indizes ihre deutlichen Rückgänge des Vormonats zum Teil wieder ausmerzen können. Vom Arbeitsmarktbericht erwarten wir einen Stellenzuwachs von rund 190 Tausend und damit ein positives Signal im Vergleich zum Vormonat. Der Rentenmarkt auf beiden Seiten des Atlantiks dürfte sich aber auch weiterhin ohne viel Dynamik präsentieren.