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Kommentar
07.09.2018

Das Zoll-Pingpong zwischen den USA und China geht in die nächste Runde. Die US-Administration legt nach. Wie sich die zwei möglichen Szenarien auf die US-Produktionsprozesse, die Finanzmärkte und die Emerging Markets auswirken könnten, analysiert Cyrus de la Rubia im Kommentar.

Angst geht um. Wird die US-Administration weitere Importe aus China im Volumen von 200 Milliarden US-Dollar mit Zöllen belegen? Glaubt man der US-Regierung, steht genau das zu befürchten, nachdem für den 5. September die schriftliche Einschätzung des US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer über den Sinn dieser Maßnahme erwartet worden war. Die Aktienmärkte haben in den vergangenen Tagen diese Angst widergespiegelt. Für die mittelfristige Entwicklung der Märkte dürfte entscheidend sein, in welcher Höhe die Zölle angesetzt werden. Anfänglich war von zehn Prozent die Rede, zuletzt sprach Staatspräsident Donald Trump von 25 Prozent. Die Rückwirkungen könnten in dem einen Fall relativ milde, in dem anderen Fall erheblich sein, sowohl an den Finanzmärkten als auch in der Realwirtschaft.

Es wird weiter an der Zollspirale gedreht

Um welche Dimension geht es? Zusammen mit den bisherigen Zöllen würde die USA mehr als 250 Milliarden US-Dollar an Importen mit höheren Tarifen belegen. Das sind rund die Hälfte der chinesischen Importe und knapp neun Prozent der gesamten US-Importe. China hat angekündigt, als Gegenmaßnahme Importe aus den USA im Volumen von 60 Milliarden US-Dollar mit höheren Zöllen zu belegen. In der Summe wären damit nahezu alle Exporte der USA nach China (2017: 130 Milliarden US-Dollar) mit Zöllen belegt, da China für 50 Milliarden US-Dollar bereits Importtarife beschlossen hatte. Wie stark die Importeure auf mögliche neue Einfuhrrestriktionen reagieren würden, hängt in entscheidender Weise von der Höhe des Zollsatzes ab. Da es sich beim Großteil der für die Zölle ausgewählten Produkte um Investitionsgüter und Vorleistungen handelt, stiege in jedem Fall die Kostenbelastung für US-Unternehmen.

Allerdings sollte ein Zoll von zehn Prozent bei den US-Unternehmen keine hektische Suche nach neuen Importeuren oder Aktivitäten in Richtung Produktionsverlagerung auslösen. Denn die Einfuhr aus China würde zwar teurer, teilweise würde diese Verteuerung aber durch Abwertung des chinesischen Yuan wieder aufgefangen. Die meisten Unternehmen dürften kurzfristig versuchen einen Teil der Kosten an die Konsumenten zu überwälzen beziehungsweise eine Verringerung der Gewinnmarge in Kauf nehmen.

Worst Case: ein Zollsatz von 25 Prozent

Anders wäre die Lage, wenn sich die US-Administration für einen Zollsatz von 25 Prozent entscheiden sollte. In diesem Fall müssten ganze Produktionsprozesse in den USA neu überdacht werden. Das ist auch das Szenario, bei dem China stärker unter Druck geriete und der Wettbewerbsdruck insbesondere für andere Schwellenländer sich intensivieren dürfte. Denn im 25 Prozent-Fall würden chinesische Unternehmen mit einer deutlich schwächeren Nachfrage aus den USA konfrontiert werden. Als Konsequenz daraus würde man sich auf die Suche nach neuen Märkten begeben beziehungsweise in Konkurrenz mit Produzenten anderer Emerging Markets treten, was die Währungen dieser Länder zusätzlich unter Druck bringen dürfte. Letztere sind ohnehin bereits angeschlagen und leiden unter der Kombination schwächerer Wechselkurse und einer relativ hohen Auslandsverschuldung – hier sind vor allem die Türkei und Südafrika, aber unter anderem auch Argentinien und Indonesien zu nennen.

Während die Schwellenländer in ihrer Gesamtheit stabiler aufgestellt sind als im Vorfeld der Asienkrise von 1997/1998, ist die Gefahr von Turbulenzen dennoch gegeben. Sollte die US-Regierung mit den zusätzlichen Importrestriktionen ernst machen und der Zollsatz auf 25 Prozent steigen, wird sich die bislang relativ gute Stimmung an den Finanzmärkten kaum halten, während bei der Weltwirtschaft mit einer deutlichen Wachstumseinbuße im kommenden Jahr zu rechnen wäre.