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Sinkendes Käuferinteresse: Der Goldpreis ist derzeit stark unter Druck (© Getty Images)
Edelmetall
21.08.2018

Wann ist ein Ende der Talfahrt in Sachen Gold erreicht? Jan Edelmann, Analyst der HSH Nordbank, liefert Antworten auf die drängendsten Fragen. 

Jan Edelmann, Analyst der HSH Nordbank. (Copyright HSH)

Herr Edelmann, die Aktienmärkte haben nachgegeben, die Weltkonjunktur leidet unter Handelsstreitigkeiten. Weshalb verliert auch die Krisenwährung Gold an Wert, die in der Vergangenheit oft von Krisen profitiert hat?

Dies liegt vor allem daran, dass Gold eine Absicherung gegen systemisches Risiko beziehungsweise die Abwertung einer Währung darstellt. Da die Aktienmärkte in den USA weiterhin eine sehr robuste Entwicklung an den Tag legen und der US-Dollar in den vergangenen Monaten aufgewertet hat, besteht aus Sicht amerikanischer Investoren gegenwärtig kein Bedürfnis in Gold zu investieren. Blickt man dagegen auf Länder wie die Türkei oder Indien, beide Landeswährungen erreichten zuletzt historische Tiefstände gegenüber den USA, hat sich Gold als Absicherung gegen die Abwertung der Währungen bewährt.

Weshalb sind die Emerging Markets für den Goldpreis so wichtig?

Die Emerging Markets sind die wichtigsten Käufer von Goldschmuck, die mit mehr als 50 Prozent größte Nachfragekomponente nach Gold. Wenn die Volkswirtschaften wachsen, werden die Ersparnisse der privaten Haushalte in ungefähr gleichbleibender Größe in Gold investiert - wodurch eine Verbindung zwischen BIP-Wachstum und realem Goldpreis geschaffen wird. Das heißt: Geht es den Emerging Markets gut, kommt dies der Preisentwicklung von Gold zugute.

Was passiert, wenn die Zinsen in den USA weiter steigen, was viele ja glauben: Geht der Wertverfall von Gold dann noch weiter?

Die Talfahrt bei Gold dürfte vorerst gestoppt sein. Was die kurzfristige Preisentwicklung anbetrifft sind wir allerdings nur verhalten optimistisch. Mit Blick auf die kommenden Monate sehen wir Gold in einer engen Handelsspanne von 1170 bis 1210 US-Dollar pro Feinunze notieren.

Ist die Zeit des Goldes generell langsam vorbei?

Nein. Wir erkennen in einer längerfristigen Betrachtung eine klare Verbindung zwischen wachsendem Wohlstand in der Welt und dem Goldpreis. Da der Wohlstand weiterhin zunehmen sollte, ist zu erwarten, dass auch der Goldpreis langfristig weiter steigen wird.

Mehr zur Entwicklung der Goldpreise erfahren Sie hier.