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Chemie- und Technikbranche werden unabhängiger von Zyklen (©Getty Images)
Unternehmensanleihen
20.07.2018

iBoxx Corporates nimmt Atempause. Kreditrisiken mit leichten Rückgängen. Chemie und Technologie koppeln sich ab. Die Unternehmensanleihemärkte im Wochenrückblick. 

Bis hierhin und nicht weiter. Nach einem mehrmonatigen Anstieg kam es in den vergangenen zwei Wochen zu einem Rückgang der Kreditspreads. Mittlerweile haben sich die Investment-Grade-Kreditspreads von ihren Mehrjahres-Hoch bei rund 70 Basispunkten Anfang Juli im Bereich 60 Basispunkte eingeengt (Stand 18.07.2018). Wir schreiben die Erholung der Kreditrisiken maßgeblich der positiven Stimmung auf den Aktienmärkten (u.a. Euro Stoxx 50 +3,1 Prozent seit Anfang Juli) und geopolitischen Faktoren zu (v.a. ist der Handelsstreit etwas in den Hintergrund geraten). Dies scheint uns jedoch nur eine Momentaufnahme zu sein. Denn die Treiber für höhere Kreditrisiken am europäischen Markt für Unternehmensanleihen bleiben weiterhin allgegenwärtig: Handelsstreitigkeiten, QE-Ausstieg und die konjunkturelle Eintrübung schaffen Raum für steigende Kreditspreads.

In dieser Ausgabe werfen wir einen Blick auf die zyklischen Sektoren des iBoxx Corporates Index. Die Kreditspreads oberhalb der Swapkurve haben sich über sämtliche Branchen seit dem Frühjahr erhöht. Die Zolldiskussion hat dabei den iBoxx Sektor „Automobil“, dessen Kreditspreads inzwischen oberhalb ihrer 5-Jahres-Durchschnitte notieren, mit voller Breitseite getroffen. Allerdings fällt eine gewisse Zweiteilung innerhalb der Zykliker auf: Denn die Sektoren „Technologie“ und „Chemie“ signalisieren trotz veränderten Rahmenbedingungen Stabilität, während die Branchen „Rohstoffe“, „Automobil“ & Co. kräftig anzogen. Hier schafft ein Blick auf die Branchenzusammensetzung Klarheit.

Chemie und Technologie: Die Großen geben den Ton an

Die iBoxx Sektoren „Chemie“ und „Technologie“ sind strukturell sehr homogen. Eine kleine Anzahl großer, enorm kapitalmarktorientierter und bonitätsstarker Unternehmen bestimmen das jeweilige Bild des Sektors. Ihr hoher Diversifizierungsgrad erlaubt es, kurzfristige Effekte und konjunkturelle Schocks zu absorbieren. Trotz originär zyklischem Geschäftsmodell haben viele dieser Unternehmen inzwischen eine hohe operative Stabilität und exponierte Marktposition aufbauen können. Diese wird von Investoren, besonders in Zeiten makroökonomischer Fragilität, gesucht und erklärten teilweise die eingelaufenen Kreditspreads. Die Ratingtrends der Sektoren unterstützen diese Beobachtungen ebenfalls. Im für „Chemie“ relevanten Sektor „Consumer, Cyclicals“ stehen im Investment-Grade seit Jahresbeginn sieben Upgrades einem Downgrade gegenüber („Technologie“: jeweils ein Up- und Downgrade).

Wir erwarten deshalb, dass sich der Trend zur Zweiteilung innerhalb des Sektors und die Abkopplung der Sektoren „Chemie“ und „Technologie“ vom Rest der Zykliker, besonders für den Fall der handelspolitischen Eskalation zwischen USA und EU (Stichwort: Autozölle) fortsetzen wird.