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26.07.2018

Fallende Rohstoffpreise, enttäuschende chinesische Konjunkturdaten – vor allem die Entwicklungen im weltweiten Handelskonflikt werden in den nächsten Wochen die weitere Richtung vorgeben. Ein Kommentar von Jan Edelmann.

Die Preise für Rohstoffe sind in den vergangenen sechs Wochen gefallen wie ein Stein. Besonders hart hat es die gängigen Industriemetalle erwischt. So gaben die Preise für Zink, Kupfer und Nickel um respektive 17 Prozent, zwölf Prozent und elf Prozent nach. Auch die Rohölpreise mussten in den vergangenen zwei Handelswochen Rückgänge um bis zu acht Prozent verbuchen. Jedoch sind die Gründe dieser Preisbewegungen unterschiedlich: Während die Rückgänge bei Industriemetallen, trotz solider Fundamentaldaten, zum Beispiel bei Kupfer, auf die Sorgen eines eskalierenden Handelskonflikts zurückzuführen sind, ist es bei Öl in den vergangenen 14 Tagen vor allem deshalb zu Preisrückgängen gekommen, weil die Produktionsausfälle im Juli gegenüber Juni zurückgegangen sind. Libyen erklärte Ende Juni seinen Kunden „Force majeure“ auf 800 Tsd. Barrel/Tag, nachdem zuvor wochenlang die libyschen Exportterminals geschlossen waren. Daher stellt sich nun die Frage: Ist die Zeit hoher Rohstoffrenditen schon wieder vorbei? Oder pausiert das Momentum lediglich vorübergehend?

Primär ist der Rückgang auf zuletzt schwache Stimmungsindikatoren in den Emerging-Markets-Volkswirtschaften sowie enttäuschende chinesische Konjunkturdaten wegen des Handelskonflikts zurückzuführen. Wobei Erstere vor allem handelskonfliktbedingt sein dürften. Die Fundamentaldaten bei Industriemetallen entwickelten sich jedoch in den vergangenen Monaten deutlich besser, als die Preisentwicklung vermuten ließe, und sollten sich auch weiterhin solide entwickeln. Bei Öl ist eine Zunahme der Produktionsvolatilität zu erwarten, vor allem im Hinblick auf die Iran-Sanktionen, welche ab November dem Ölmarkt einige Schwierigkeiten bereiten dürften. Dies würde auch für höhere Ölpreise als unsere bisherige Jahresendprognose von 75 US-Dollar/Barrel sprechen.

Lockerungsmaßnahmen bereits angesetzt

Folglich schätzen wir die Schwäche bei Rohstoffen, sei es bei Industriemetallen oder Öl, als vorübergehend ein. Denn sollte sich der weltweite Handelskonflikt nicht weiter verschärfen oder sogar entspannen – was wir erwarten –, dürften die Sorgen um eine Abkühlung der Weltwirtschaft abnehmen und folglich die Nachfrageerwartungen bei Rohstoffen erhöhen. Auch um den Sorgen vor einer wirtschaftlichen Abkühlung in China entgegenzutreten, haben die fiskal- und geldpolitischen Entscheidungsträger bereits Lockerungsmaßnahmen umgesetzt, die den Markt mit Geld fluten. Zum Beispiel kündigte die chinesische Zentralbank (PBoC) am 5. Juli eine Senkung der Mindestreserve von 50 Basispunkten an, was eine zusätzliche Liquidität von rund 700 Mrd. Rmb schafft. Zudem stellte die chinesische Zentralbank am Montag (23.07.) dem Markt über mittelfristige Kreditfazilitäten etwa 500 Mrd. Rmb (etwa 74 Mrd. US-Dollar) zur Verfügung, in der Hoffnung, dass sich die Infrastrukturinvestitionen erhöhen.

Darüber hinaus beschloss die Kommunistische Partei Chinas, eine expansivere Fiskalpolitik zu betreiben, indem sie beispielsweise Abschreibungsmodalitäten auf Forschungsausgaben erweitert und die Unterstützung für kleine Unternehmen ausgeweitet hat. Das Ziel ist es wiederum die Investitionstätigkeit zu erhöhen. Dies ist positiv für Rohstoffe, insbesondere für die Industriemetalle. Denn höhere Infrastrukturausgaben, beispielsweise ins Stromnetz, dürften die Nachfrage nach Kupfer und Aluminium steigern.

Daher halten wir Rohstoffe mit Blick auf die kommenden Monate – trotz der zuletzt enttäuschenden Entwicklung – für ein attraktives Investment. Wir sind sogar davon überzeugt, dass Rohstoffe in den kommenden Monaten die beste Performance unter den gängigen Anlageklassen liefern werden. So ist unserer Ansicht nach in den kommenden Wochen wieder mit steigenden Ölpreisen zu rechnen. Auch bei Industriemetallen dürfte in den nächsten Monaten eine verstärkt positive Preisentwicklung zu beobachten sein.