SUCHE

Eine positive Konjunkturentwicklung in den USA könnte Renditen stabilisieren (© Getty Images)
Rentenmärkte
06.07.2018

Angespannte Ruhe vor der nächsten Zündstufe des US-chinesischen Handelskonfliktes. Konjunkturseitig ist auf Arbeitsmarktdaten und Inflation aus den USA zu achten.

An den Rentenmärkten macht sich die Unsicherheit über die Ausweitung der Handelskonflikte bemerkbar. Die Renditen der zehnjährigen Bunds sind zeitweise unter 30 bp gefallen, während die entsprechenden US-Renditen sich zuletzt bei 2,84 Prozent bewegten und damit die 3-Prozent-Marke in weite Ferne gerückt ist. Am 06.07. um 12:00 Uhr Washingtoner Zeit dürfte die US-Regierung Zölle von 25 Prozent auf Einfuhren aus China im Volumen von 34 Mrd. US-Dollar implementieren. Unmittelbar danach ist mit Vergeltungszöllen Chinas im gleichen Umfang zu rechnen.

Gleichzeitig macht sich in der EU und insbesondere in Deutschland die Sorge bemerkbar, dass die USA Autoimporte mit höheren Zöllen belegen könnten. Einen leichten Hoffnungsschimmer gibt es allerdings: Der neue US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, hat im Gespräch mit den großen deutschen Autoherstellern laut Medienberichten angeboten, über eine gegenseitige komplette Streichung der Autozölle zu verhandeln. Dieses vage Angebot (zur Erinnerung: Der Zuständigkeitsbereich für Handelsfragen liegt weder beim US-Botschafter in Berlin noch bei Daimler, BMW und VW) ist allerdings zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht dazu angetan, die Unsicherheit im Markt wesentlich zu reduzieren.

IWF betrachtet Deutschlands Zukunftsaussichten skeptisch

Ein weiterer Punkt ist die Lage an den Finanzmärkten in China. Die Aktienmärkte sind seit rund zwei Monaten unter Druck, und das Gleiche gilt auch für den Renminbi. Für China kommt einiges zusammen: Der ohnehin sehr hoch verschuldete Unternehmenssektor (160 Prozent des BIP, mit Abstand die höchste Verschuldung unter Emerging Markets) muss jetzt mit schlechteren Absatzchancen im Export, einer sich verlangsamenden Binnenkonjunktur und einem Ende des Immobilienbooms zurechtkommen.

Angesichts dieses Umfeldes wundert es kaum, dass sich der IWF in seinem jüngsten Länderbericht über Deutschland mit einer gewissen Skepsis über die Zukunftsaussichten Deutschlands äußert. Dabei werden neben den aktuellen Herausforderungen (Handelskonflikt, Brexit) allerdings eine ganze Reihe von grundsätzlichen Problemen angesprochen. Die Stichworte sind hier der niedrige Konsum, die schwache Investitionsquote inklusive eines nur sehr zäh verlaufenden Breitbandausbaus, ein wenig profitabler Bankensektor und die Demografie, die das Produktivitätswachstum belastet.

Die kommende Berichtswoche dürfte von der Entwicklung des US-chinesischen Handelskonfliktes sowie den US-Arbeitsmarktdaten geprägt sein. Zu achten ist auch auf die Inflationsentwicklung in den USA (12.07.) sowie das Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung vom 05.06. Die zu erwartende Zuspitzung im Handelskonflikt dürfte einen Anstieg der Renditen in den kommenden Tagen schwierig machen. Möglicherweise überzeugende US-Konjunkturdaten sollten aber dazu beitragen, dass die Renditen nicht weiter fallen.