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EZB visiert Ausstieg aus QE-Programm zum Jahresende an (© Getty Images)
Unternehmensanleihen
06.07.2018

Die Kreditrisiken steigen. Das Ende der Hochkonjunktur belastet. Und das Ende des CSPP zum Jahresende wirft bereits seine Schatten voraus. Die Unternehmensanleihemärkte im Wochenrückblick.

Die Ausweitung der Kreditspreads auf dem europäischen Corporate Bond Markt setzt sich fort. Der iBoxx Corporates EUR kratzt inzwischen deutlich an der Marke von 70 Basispunkten und liegt somit auf einem Niveau, das wir zuletzt im Januar 2017 sahen. Nach Ratingklassen betrachtet bleiben starke Bonitäten weiterhin gefragt, wohingegen sich Investoren von Crossover- und BBB-Titeln trennten. Höhere Kreditspreads für BBB-Corporates sind die Folge (iBoxx BBB +4 bp auf Wochensicht) und könnten noch weiter auslaufen. Verschiedene Faktoren könnten in den nächsten Tagen hierfür verantwortlich sein. Die Verschärfung des Handelskonflikts (u. a. Verabschiedung von US-Zöllen auf EU-Autos) und das Ende der Konjunkturdynamik in Europa (vgl. Ifo-Index) haben eine Vielzahl von Unternehmen bereits zu spüren bekommen. Erste Gewinnwarnungen bei europäischen Large-Caps wurden veröffentlicht. Insoweit sehen wir das aktuelle Bewertungsniveau des iBoxx Corporates als fundamental gerechtfertigt an.

Als wesentlicher Faktor für den Rückgang der Kreditspreads für europäische Unternehmensanleihen und Auslöser der beispiellosen Kreditrallye seit Anfang 2016 ist zweifellos das Ankaufprogramm der EZB zu identifizieren. Inzwischen haben Europas Währungshüter ihren Ausstieg aus dem QE-Programm für Ende Dezember 2018 anvisiert. Für die Kreditspreads von Corporate Bonds geht insgesamt ein wesentlicher Unterstützungsfaktor verloren.

Bereits Anfang des Jahres 2018 wiesen wir auf das veränderte Ankaufverhalten der EZB und einen ungewöhnlich hohen Anteil von Corporate Bonds am gesamten Ankaufprogramm hin. In der ersten Hälfte des Kalenderjahres 2018 hat sich dieser Trend fortgesetzt. Betrug der Anteil des CSPP am gesamten QE-Programm in 2017 durchschnittlich rund 10 Prozent, beträgt dieser im ersten Halbjahr 2018 rund 19 Prozent. Alleine im ersten Quartal erwarb Europas Notenbank Unternehmenstitel von rund 17 Mrd. Euro (und 13 Mrd. Euro in Q2). In der Summe haben Europas Währungshüter Unternehmensanleihen in Relation zu öffentlichen Anleihen verstärkt auf ihre Bücher genommen.

Vor diesem Hintergrund fällt der Anstieg der Kreditspreads im iBoxx und im iTraxx Xover EUR noch zu gering aus. Ohne die EZB als Käufer sollten sich die Risikoaufschläge 10-20 Basispunkte oberhalb des aktuellen Niveaus des iBoxx-Corporates ansiedeln. Zudem erwarten wir, dass die EZB ihre Käuferrolle sukzessive und graduell auslaufen lassen wird und den Markt so gezielt auf ihren Ausstieg vorbereitet. Im dritten und vierten Quartal erwarten wir deshalb eine Umkehr des Ankaufverhaltens der EZB und einen Anteil des CSPP von 10-15 Prozent am Gesamtvolumen.