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Auf Kollisionskurs: Donald Trump und Chinas Staatspräsident Xi Jinping (© Imago)
Weltwirtschaft
12.07.2018

Droht eine Eskalation im Handelskonfikt zwischen China und den USA – und was wird aus der deutschen Exportbilanz? Dennis Snower, Präsident des Kieler Institutes für Weltwirtschaft (IfW), bezieht Stellung im Interview.

Dennis Snower zählt als Präsident des Kieler Institutes für Weltwirtschaft (IfW) zu den bekanntesten Ökonomen Deutschlands. Warum die Deutschen ihre Handelsüberschüsse abbauen sollten – und wieso Ländervergleiche in globalisierten Zeiten überholt sind, erklärt er im Interview.

 

Herr Snower, die USA erheben Zölle auf europäischen Stahl, die Europäer reagieren mit Zöllen auf US-Motorräder. Auch mit China haben die USA eine Zollspirale in Gang gesetzt. Was bedeutet das für die Weltwirtschaft?

Solche Zollerhöhungen produzieren allen Erfahrungen nach mittelfristig nur Verlierer. Im konkreten Fall sind nicht nur Menschen und Unternehmen in den USA und China betroffen, sondern auch in allen anderen Ländern, die Handel mit diesen Ländern betreiben. Denn die Zölle treffen auch sie direkt oder indirekt. Am härtesten trifft es immer Verbraucher und Arbeitnehmer, weil diese Gruppen nur wenige Möglichkeiten haben, den Folgen auszuweichen. Für sie steigen die Preise von Konsumgütern oder sie verlieren ihren Arbeitsplatz, weil die Zölle die Geschäftsaussichten ihrer Arbeitgeber verschlechtern. Wenn der Handelskrieg sich weiter aufschaukelt und etwa die Stabilität der Wirtschaft Chinas ins Wanken bringt, kann auch eine globale Wirtschaftskrise das Ergebnis sein.

Der freie Welthandel war in den vergangenen Jahren die Grundlage des Wachstums. Wird diese Basis für den wirtschaftlichen Erfolg gerade nachhaltig zerstört?

Noch kann man nicht von einer nachhaltigen Zerstörung sprechen. Viele eng in den Welthandel eingebundene Länder haben nach wie vor großes Interesse, offene Handelsgrenzen zu fördern. Es geht auch gar nicht anders, da die meisten Güter und Dienstleistungen heute in Wertschöpfungsketten über Ländergrenzen hinweg entstehen. Niemand kann diese Entwicklung nachhaltig zurückdrehen. Außerdem werden auch neue Freihandelsabkommen geschlossen, wie gerade eines zwischen der EU und Japan.

Dennis Snower, Präsident des Kieler Institutes für Weltwirtschaft (IfW). (© Bertold Fabricius/IfW Kiel)

Könnte es sein, dass sich die USA durch den Handelsstreit international isoliert und langfristig vor allem die US-Wirtschaft unter der Zollpolitik von Donald Trump leidet?

Die US-Wirtschaft wird definitiv leiden. Die durch Zölle geschützten Branchen werden allenfalls kurzfristig einen Aufschwung erfahren. Aber die stark mit den USA verflochtenen Volkswirtschaften in Europa und Asien werden ebenso Einbußen verzeichnen. Langfristig werden auch die USA intensiven Handel mit den anderen Weltregionen treiben wollen, insofern sehe ich eine Isolation nicht wirklich als Option für die US-Regierung.

Donald Trump ist nicht der Erste, der den deutschen Handelsüberschuss kritisiert. Inwieweit sind die Beschwerden gerechtfertigt? Geht es Deutschland auf Kosten anderer gut?

Handelsüberschüsse zwischen Ländern zu vergleichen ist ein gestriges Konzept. Es geht davon aus, dass Länder in Konkurrenz zueinander stehen. Was tatsächlich miteinander konkurriert, sind aber global vernetzte Wertschöpfungsketten, die Ländergrenzen überschreiten. Ein Auto wird heute aus Komponenten gefertigt, die aus der ganzen Welt kommen. Insofern sagte der Handelsüberschuss eines Landes immer weniger über dessen Erfolg aus, sondern nur etwas über seine Rolle in diesen Wertschöpfungsketten. Deutschland hat aber auch einen Grund, seinen Handelsüberschuss abzubauen, weil er widerspiegelt, dass die Deutschen zu wenig im Inland investieren und stattdessen ihr Geld ins Ausland tragen. Dort wird es wiederum genutzt, um hier Güter und Dienstleistungen zu erwerben.

Deutschlands Wirtschaftswachstum basiert auch auf einem starken Export. Inwieweit leidet gerade die deutsche Wirtschaft unter Handelsbarrieren?

Wegen dieser Struktur leidet die deutsche Wirtschaft stärker als andere. Man darf aber auch nicht vergessen, dass der weit überwiegende Teil der deutschen Exporte in andere EU-Länder geht, wo es keine Zollschranken gibt. Insofern ist der Handel innerhalb der EU und sind neue Handelsabkommen wie mit Japan eine Absicherung für die deutsche Wirtschaft.

Herr Snower, wir danken für das Gespräch.