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Überraschendes Überangebot belastet Ölpreise (©Getty Images)
Ölmärkte
20.07.2018

Sorgen um Angebotsüberschuss lösen Ölmarkt-Ausverkauf aus. Die Ölmärkte im Wochenrückblick.

In der vergangenen Berichtswoche kam es an den Ölmärkten zu einem regelrechten Ausverkauf. Die Nordseesorte Brent gab um 10 Prozent auf 71 US-Dollar/Barrel nach – den niedrigsten Wert seit Anfang April. Der „sell-off“ wurde sowohl durch preispessimistische Nachrichtenflüsse auf der Angebots- und auch Nachfrageseite ausgelöst: der eskalierende Handelskonflikt zwischen den USA und China, die (vorübergehende) Entspannung bei den Disruptionen in Libyen und die Aussicht auf einen eher graduellen Rückgang des iranischen Angebots. Nicht zuletzt wirkten die Diskussionen über eine Prüfung der Verwendung der sog. Strategischen Petroleum Reserve (SPR) in den USA preisbelastend. Diese Angebotsveränderungen der vergangenen Tage, zusammen mit der sichtbaren Produktionsausweitung in Saudi-Arabien, haben am Markt die Sorge aufkommen lassen, dass der Ölmarkt – anders als bislang vom Markt (und auch uns) erwartet – ein Angebotsüberschuss im dritten Quartal dieses Jahres aufweisen könnte.

Diese Erwartungsanpassung war spiegelbildlich zum sichtbaren Rückgang der Brent „timespreads“ (Differenzen zwischen Futurekontrakten) bei kurzlaufenden Kontrakten. Die in den vergangenen Monaten sichtbare Zunahme von Angebotsausfällen in ölproduzierenden Ländern ging einher mit einer erhöhten Angebotsvolatilität und einem steten und soliden Nachfragewachstum. Die jüngsten Nachrichten deuten auf ein höheres Angebot am Markt i.H.v. 1,2 Mio. Barrel/Tag in den kommenden Wochen hin. Dieses höhere Angebot setzt sich zusammen aus einer Angebotsausweitung der Kern-OPEC-Staaten und Russland im Juni um 575 Tsd. Barrel/Tag im Vergleich zum Mai sowie eine rasche Wiedereröffnung der Exporthäfen in Libyen und das Wiederhochfahren der Produktion in Nigeria, was zusammen etwa 600 Tsd. Barrel/Tag entspricht.

Ölmärkte bleiben volatil

Libyen erklärte Ende Juni gegenüber seinen Kunden „Force Majeure“ auf 800 Tsd. Barrel/Tag, nachdem zuvor wochenlang die libyschen Exportterminals geschlossen waren. Mit der Ankündigung, in der vergangenen Woche nun zum Normalbetrieb zurück kehren zu wollen, dürfte die Ölförderung im Juli auf 900 Tsd. Barrel/Tag steigen, nach zuletzt nur 500 Tsd. Barrel/Tag. Mit Blick auf die kommenden Monate rechnen wir mit einer anhaltend hohen Volatilität beim Ölangebot. So ist ungewiss, wie nachhaltig der Normalbetrieb in Libyen ist. Zumal am 10.12. diesen Jahres Parlamentswahlen stattfinden sollen. Da die politische Stabilität in dem nordafrikanischen Land längst nicht gesichert ist, könnten die Exportterminals im Vorfeld der Wahlen den Gegnern der von der UN gestützten libyschen Regierung als Verhandlungsmasse dienen, womit mit erneuten Angebotsausfälle zu rechnen wäre. Auf der Nachfrageseite zeigte sich im zweiten Quartal eine Verlangsamung des Wachstums ggü. dem ersten Quartal – wobei der Nachfragezuwachs im ersten Quartal etwa 2,5 Mio. Barrel/Tag betrug. Die bereits verfügbaren Juni-Daten lassen auf ein Nachfragewachstum im zweiten Quartal auf 1,4 Mio. Barrel/Tag YoY schließen.

Auch die Sorgen vor einem eskalierenden Handelskrieg wirkten zuletzt preisbelastend. Während die unmittelbaren Auswirkungen der Zölle auf die Ölnachfrage eher marginal sein dürften, sollten die Zweitrundeneffekte schwerer wiegen. Bei einer Verlangsamung des Wachstums der Weltwirtschaft dürfte das Nachfragewachstum ebenfalls schwächer ausfallen. Angenommen, die Auswirkungen des Handelskonflikts auf die Weltwirtschaft belaufen sich auf einen Wachstumsverlust von 0,1 Prozentpunkten, dürfte dies das Nachfragewachstum um 100 Tsd. Barrel/Tag reduzieren.

Insgesamt sehen wir die Preisrückgänge der vergangenen Woche als vorübergehend an und erwarten, sobald sich der Fokus der Marktteilnehmer von den Nachrichten auf Fundamentaldaten richtet, dass die Ölpreise wieder in Richtung unseres Quartalsziels von 80 US-Dollar/Barrel zulegen dürften.