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Bonitätsstarke Titel sind momentan stark am Markt gefragt (© Shutterstock)
Unternehmensanleihen
16.08.2018

iBoxx Corporates stabil im Bereich 60 Basispunkte. Deleveraging in Europa vs. Verschuldungsaufbau in den USA. Die Unternehmensanleihemärkte im Wochenrückblick.

Im iBoxx Corporates zeigen sich die Spreads im Wochenvergleich unverändert. Der Gesamtindex hat sich von seinem Mehrjahreshoch Anfang Juli (rund 69 bp) etwa zehn Basispunkte entfernt. Eine breite Entwarnung kann angesichts der Vielzahl an Konfliktherden jedoch nicht gegeben werden. Im Gegenteil: Mit der Türkei (Financials), dem Handelsstreit (Industriegüter und Autos) sowie der Rohstoffpreisvolatilität (Bau, Rohstoffe) besteht genügend Potenzial für sich ausweitende Spreads in den jeweiligen Branchen. Auch das Sicherheitsbegehren der Anleger ist zurückgekehrt. Denn die ASW-Spreads von Unternehmensanleihen mit der Bestnote AAA landeten erstmals seit Anfang Mai wieder im negativen Terrain. Am Markt ist also eine hohe Nachfrage nach bonitätsstarken Titeln wahrzunehmen. Inmitten dieses Minenfeldes bleibt es nur eine Frage der Zeit, bis die Spreads im iBoxx Corporates einen erneuten Anstieg verzeichnen.

USA verschulden sich weiter

Die Earnings-Season für das zweite Quartal 2018 geht in den nächsten Tagen mit den Veröffentlichungen der letzten Unternehmen zu Ende. Auffallend ist vor allem eine erstaunliche Divergenz in der Gewinn- und Umsatzentwicklung der Unternehmen zwischen den USA und Europa. Sowohl beim Umsatzwachstum (71 Prozent der Unternehmen im S&P 500, 60 Prozent in Stoxx 600) als auch beim Gewinnwachstum (83 Prozent beziehungsweise 52 Prozent) überragte Corporate America ihre Konkurrenz aus Europa. Hinsichtlich der Unternehmensverschuldung nehmen beide Wirtschaftsräume ebenfalls unterschiedliche Entwicklungen. Die durchschnittliche bilanzielle Gesamtverschuldung (definiert als Total Debt To Total Assets) nimmt in den USA weiter zu, während europäische Unternehmen ihre Verschuldung tendenziell abbauen. Diese Entwicklungen werden noch deutlicher, wenn Finanzunternehmen ausgeschlossen werden. Die Median-Verschuldung der Non-Financials liegt im S&P 500 momentan bei rund 33 Prozent, im Euro Stoxx 600 bei rund 25 Prozent.

Aus europäischer Sicht sind diese Ergebnisse zweischneidig zu interpretieren. Der niedrigere Leverage weist auf eine stärkere Eigenkapitalposition hin. Weniger Fremdkapitalaufnahme deutet jedoch gleichzeitig eine geringere Investitionsbereitschaft an. Insgesamt sollten Verschuldungs- und Bilanzindikatoren jedoch vielmehr auf Ebene einzelner Unternehmen und Branchen betrachtet werden.