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Ohne Öl nicht denkbar: Der Start in den Sommerurlaub (© Getty Images)
Ölmärkte
22.06.2018

Was von der OPEC-Sitzung am 22. Juni zu erwarten ist. Die Ölmärkte im Wochenrückblick.

Saudi-Arabien und Russland beabsichtigen die Fördermenge in der zweiten Jahreshälfte anzuheben. Wie wir in unserer jüngsten Ausgabe der Finanzmarkttrends argumentierten, erwarten wir in unserem Basisszenario eine Ausweitung der Fördermenge um insgesamt 1 Mio. Barrel/Tag in zwei Stufen. So gehen wir davon aus, dass es zu einer Ausweitung der Rohölproduktion im dritten Quartal um 650 Tsd. Barrel/Tag (Quartalsdurchschnitt) und um weitere 350 Tsd. Barrel/Tag im vierten Quartal dieses Jahres kommen wird.

Das Gros der Förderausweitung sollte dabei wohl von nur wenigen Ländern getragen werden. Denn es verfügen lediglich vier Länder über ausreichend freie Kapazitäten, um die Produktionsausweitung in dieser Größenordnung zu ermöglichen. Dies sind innerhalb der OPEC Saudi-Arabien, die V.A.E. und Kuwait sowie Russland von außerhalb der OPEC. Daher gab es – ausgehend von Iran und Venezuela – zuletzt eine hitzige Debatte darüber, ob eine Produktionsausweitung nötig sei. In unseren Augen ist dies der Fall, denn ohne eine Ausweitung der Fördermenge, dürften die Öllagerbestände weiter derart kräftig abgebaut werden, dass der reibungslose Betrieb der Tanklager (weltweit) ab Mitte 2019 gefährdet wird. Darüber hinaus ist in unserem Basisszenario auch nicht von einem negativen Preiseffekt in Folge der OPEC-Sitzung auszugehen. An unserem Preisziel von 80 US-Dollar/Barrel in den Sommermonaten halten wir daher fest.

Allen Anschein nach herrscht derzeit innerhalb der OPEC eine hohe Uneinigkeit über das weitere Vorgehen. Daher wollen wir im Folgenden auch drei weitere Szenarien und ihre Preiseffekte diskutieren:

I: Produktionskürzungen im gegenwärtigen Umfang bis Jahresultimo durchziehen.

Es ist fast undenkbar, dass dies aus den oben genannten Gründen das Ergebnis des Treffens im Juni sein dürfte: Russland und Saudi-Arabien sind entschlossen, den Märkten mehr Öl zuzuführen, ähnlich wie Saudi-Arabien und die anderen Länder im Golfkooperationsrat nach dem OPEC-Treffen im Juni 2011, als es den Verlust von 1,5 Mio. Barrel/Tag an libyschen Öls zu kompensieren galt. Damals führte die Entscheidung, zusätzliche Barrel auf den Markt zu lassen, nicht zu fallenden Preisen. Sollte es jedoch wider Erwarten zu dieser Entscheidung kommen, ist ausgehend von einem Ölpreis von 75 US-Dollar/Barrel mit weiteren Preisanstiegen von 10-15 US-Dollar/Barrel zu rechnen.

Die Dynamik der Raffinerienachfrage sticht weiter heraus. Mit rund 2 Mio. Barrel/Tag YoY im Mai lag sie auf dem Niveau des ersten Quartals.

II: Die Kern-OPEC-Staaten und Russland finden einen Kompromiss mit Venezuela und Iran.

In der Folge wird zum 1. Juli die Fördermenge um 350 Tsd. Barrel/Tag erhöht. Im September käme es zu einem weiteren Treffen der Mitgliedsstaaten, um über die Marktgegebenheiten zu diskutieren. Dieses Szenario wäre sozusagen die Kompromisslösung innerhalb der OPEC, um Länder wie Venezuela oder den Iran zu befriedigen. In diesem Szenario ist mit Preisanstiegen zwischen 7-9 US-Dollar/Barrel zu rechnen. Das Marktdefizit dürfte rund 900 Tsd. Barrel/Tag betragen.

III: Die Einigkeit innerhalb der OPEC zerbricht.

Saudi-Arabien und das Nicht-OPEC-Mitglied entscheiden sich dazu, dem Markt rund 1 Mio. Barrel/Tag ab dem 1. Juli mehr an Öl zufließen zu lassen. In diesem Falle dürfte anfänglich mit Preisrückgängen um 3-4 US-Dollar/Barrel zu rechnen sein. Die Volatilität dürfte zudem weiter kräftig ansteigen. Das tägliche Defizit dürfte auf etwa 200 Tsd. Barrel/Tag im Quartalsdurchschnitt zurückgehen. Daher rechnen wir selbst in diesem Falle – nach anfänglich rückläufigen Preisen – nach wenigen Tagen wieder mit anziehenden Notierungen.

Von Seiten des Optionsmarktes ist dagegen nicht mit großen Preisbewegungen rund um das OPEC-Treffen zu rechnen. Die Positionierung der Marktteilnehmer ist recht ausgewogen.