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Zunehmend wacklig: Italien wird zum Stabilitätsrisiko für die Eurozone (© Imago)
Rentenmärkte
01.06.2018

Italien sorgt für steigende Renditen bei Euro-Staatsanleihen. Bund-Renditen verlieren. Die Rentenmärkte im Wochenüberblick.

Italien beherrschte in der vergangenen Berichtswoche die Rentenmärkte. Die Renditen im Euroraum vollzogen eine Pater-Noster-Bewegung: Während die italienischen Renditen nach oben schossen, gingen die deutschen Pendants in den Keller. Besonders ausgeprägt war die Bewegung bei den zweijährigen italienischen Anleihen, die zeitweise bei knapp 3 Prozent rentierten, nachdem sie nur 24 Stunden zuvor noch bei etwa 0,3 Prozent lagen. Dramatisch war auch die Bewegung der Bund-Renditen. Zehnjährige warfen plötzlich nur noch 19 bp ab. Eine Woche vorher rentierte die deutsche Benchmark noch bequem über 50 bp.

Mittlerweile liegen die Renditen wieder deutlich höher (39 bp) und auch die italienischen Bonds haben mit 1,10 (zwei Jahre) wieder moderatere Niveaus erreicht. Auch US-Titel konnten sich diesen Bewegungen nicht entziehen. Es waren Panikreaktionen, Reaktionen von Investoren, die sich vor nicht allzu langer Zeit – 2012 hatten die italienischen Bonds zuletzt massiv an Wert verloren – bereits die Finger verbrannt hatten. Kurzfristig können wir uns durchaus eine gewisse Beruhigung der Lage vorstellen, strukturell bleibt Italien jedoch ein erhebliches Stabilitätsrisiko für die Eurozone. Derweil sind die Entwicklungen in Italien im Fluss. Im Gespräch sind nicht nur Neuwahlen, sondern auch die Möglichkeit, dass es doch noch zu einer Regierungsbildung kommt und die Turbulenzen auf diese Weise kontrolliert werden können. Diese Hoffnung dürfte auch hinter dem Rückgang der Risikoaufschläge stehen.

Neben Italien bahnen sich andere Ereignisse an, die weniger dramatisch, aber durchaus unangenehm sein können. So dürfte die USA am 1. Juni die Aluminium- und Stahlimportzölle u.a. gegenüber der EU in Kraft setzen. Überraschungen sind nie auszuschließen, aber die letzten Signale deuten darauf hin, dass die USA von ihrem Vorhaben nicht abweichen möchten. Für die Finanzmärkte bedeutsamer dürften die Handelsgespräche mit China werden, zu denen der US-Handelsminister Wilbur Ross Anfang Juni nach China reisen wird.

China: Höheres Einkaufsvolumen in den USA

Im Vorfeld hatte die US-Administration überraschend angekündigt, bis zum 15. Juni Zölle auf Importwaren im Volumen von 50 Mrd. US-Dollar durchzusetzen. Bis dahin war die Nachrichtenlage derart, dass man sich mit China über ein höheres Einkaufsvolumen Chinas insbesondere in Bezug auf Agrargüter geeinigt habe. Zölle seien abgewendet worden. Gut möglich, dass die USA ihre Verhandlungsmacht noch mal stärken wollen und man nicht tatsächlich auf den Zöllen beharrt.

Darüber hinaus könnten in den kommenden Tagen auch wieder Konjunkturdaten aus den USA und der Eurozone stärker beachtet werden (US-Arbeitsmarkt, ISM-Indizes und PMI-Daten). Entspannung in Italien und freundliche Konjunkturdaten könnten den Renditen der T-Notes und der Bunds wieder zu einem Anstieg verhelfen. Die Nervosität wird aber zunächst auf einem erhöhten Niveau bleiben.