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Selten von Dauer: Zinsgraben zwischen USA und Eurozone bald geschlossen? (© Getty Images)
Rentenmärkte
11.05.2018

Die geopolitischen Risken steigen und werden die Märkte weiter beschäftigen. Eine kurzfristige Marktreaktion scheint vor allem auf die Inflationswirkung durch höhere Ölpreise zu setzen. Die Rentenmärkte im Wochenüberblick.

 

Mit dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran sind die geopolitischen Risiken gestiegen. Die kurzfristige Reaktion ein leichter Anstieg der Renditen, was für eine solche Situation ungewöhnlich ist. Die Anleger gewichten offensichtlich das durch den gestiegenen Ölpreis (Reaktion auf Iran-Enscheidung) stärkere Inflationsrisiko höher ein als die Verunsicherungskomponente. Im Vorfeld der Ankündigung zum Atomabkommen hatten sich die Anleger nicht so recht aus der Deckung getraut.

Begleitet wurde diese Vorsicht von gemischten Deutschland-Konjunkturindikatoren, bei denen die Auftragseingänge und die Einzelhandelsumsätze schwach ausfielen, während die Produktions-und Exportzahlen einen kräftigen Zuwachs zeigten (alles März-Daten). Gleichzeitig war an den Finanzmärkten eine höhere Nervosität festzustellen, die sich insbesondere in Form von kräftigen Währungsabwertungen in zahlreichen Schwellenländern zeigte, darunter Türkei, Mexiko und Argentinien. Zurückzuführen ist das wiederum auf die plötzliche Stärke des US-Dollars, die für in Fremdwährung verschuldete Länder zu einem Problem werden kann.

Zinsgraben vertieft sich weiter

In jedem Fall ist festzuhalten, dass sich der Zinsgraben zwischen den USA und der Eurozone weiter vertieft hat. Mittlerweile beträgt die Differenz zwischen zehnjährigen T-Notes und den Pendants aus Deutschland über 240 Basispunkte, ein historischer Rekordwert. Üblicherweise nutzen die Anleger Zinsdifferenzen aus und sorgen auf diese Weise dafür, dass sich die Zinsen unterschiedlicher Währungsräume innerhalb einer bestimmten Bandbreite angleichen, unter Berücksichtigung von Bewertungsveränderungen der unterschiedlichen Währungen. Eine Normalisierung der Zinsdifferenz kann entweder durch einen Anstieg der Bundrenditen oder einen Rückgang der T-Notes-Renditen geschehen. Ein Rückgang der T-Notes-Renditen würde mit einer weiteren Verflachung oder gar Inversion der US-Zinsstruktur einhergehen, was angesichts der robusten Konjunktur- und Inflationsentwicklung in den USA schwer nachzuvollziehen wäre. Wesentlich plausibler ist dagegen das Szenario eines Anstiegs der Bund-Renditen, der sich angesichts des insgesamt weiterhin freundlichen Wirtschaftsumfelds in der Eurozone ohne weiteres rechtfertigen lässt. Darüber hinaus gibt es noch die Alternative, dass sich die Zinsdifferenz auf dem derzeitigen Rekordniveau verfestigt. Voraussetzung dafür wäre, dass die Anleger dauerhaft eine deutliche Aufwertung des Euro erwarten.

In den nächsten Tagen wird es darum gehen, wie die Finanzmärkte den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran verarbeiten werden. Die geopolitische Verunsicherung dürfte schon kurzfristig in den Vordergrund rücken und die Renditen wieder sinken lassen. Die Konjunkturdaten (darunter BIP Deutschland für Q1, Immobilienmarktdaten und Inflationsdaten aus den USA) sowie Reden von Notenbankern (darunter Fed-Chef Jerome Powell) werden in den Hintergrund geraten.