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Nachfrageboom führt zu steigenden Öl-Preisen (© shutterstock)
Ölmärkte
06.05.2018

Jan Edelmann, Analyst der HSH Nordbank, im Interview über den aktuellen Nachfrageboom bei Öl. 

Ölexperte: Analyst der HSH Nordbank, Jan Edelmann (© HSH Nordbank)

Ölexperte: Analyst der HSH Nordbank, Jan Edelmann (© HSH Nordbank)

Herr Edelmann, der Ölpreis steht mit rund 75 US-Dollar so hoch wie seit Ende 2014 nicht mehr – was ist da los?

Erst einmal gibt es einen ganz einfachen Grund: Die Nachfrage ist im ersten Quartal des Jahres stärker gestiegen als erwartet - und zwar um etwa 2,5 Millionen Barrel pro Tag im Vorjahresvergleich. Das ist die höchste Wachstumsrate seit 2010 und entspricht einer Steigerung von etwa 2,5 Prozent. Ein anderer Grund: Die US-Schieferöl-Industrie hat ihre Produktion nicht so stark erhöht wie erwartet.

Weshalb fördern die Schieferölproduzenten in den USA nicht mehr – zumal die Nachfrage doch hoch ist?

Auch hierfür gibt es mehrere Gründe: Zum einen ist der Arbeitsmarkt in den USA ziemlich ausgelastet. Die Unternehmen bekommen derzeit nur schwer geeignete Bohr-Crews. Darüber hinaus gibt es auch nicht genügend Pipeline-Kapazitäten, um das gewonnene Öl zu den Lagerstätten in Texas zu transportieren.

Der andere wesentliche Grund liegt in einer geänderten Investoren-Strategie: Diese haben die Fracking-Unternehmen nämlich angehalten, die aktuell guten Zeiten zu nutzen, um ihre Finanzkennzahlen in Ordnung zu bringen. Weitere Investments in neue Anlagen stehen da erst einmal zurück. Das Ergebnis ist jetzt an den Preisen zu besichtigen: Die Fracker haben zwar etwas mehr Öl gefördert – aber die Nachfrage ist eben noch stärker gestiegen.

Bleibt der Ölpreis so hoch wie aktuell?

Vorerst auf jeden Fall. Dazu tragen auch die Spannungen im Mittleren Osten bei, wo es zwei größere Konflikte gibt: in Syrien und im Iran. Am 12. Mai entscheidet sich, ob das Atomabkommen mit dem Iran weiter Bestand hat oder ob die USA erneut Sanktionen gegen das Land verhängen. Diese könnten den Ölexport um mehrere hunderttausend Barrel pro Tag bremsen.

Droht damit sogar eine weitere Preissteigerung?

Da die Lagerbestände aktuell auf einem eher normalen Niveau liegen, wird der Markt wohl eine hohe Risikoprämie veranschlagen. Der Ölpreis könnte deshalb auf über 80 US-Dollar pro Barrel steigen. Angesichts der hohen Dynamik der Weltwirtschaft ist nicht damit zu rechnen, dass der höhere Ölpreis das Wachstum der Weltwirtschaft bremst. Gleichzeitig stärkt der hohe Ölpreis die Wirtschaft in Ländern wie Russland und Saudi-Arabien, was dort zu höherer wirtschaftlicher Aktivität führt. Das wiederum stärkt die Nachfrage nach Gütern – und nach Öl. So entsteht ein sich selbst verstärkender Zyklus, der bis 2019 anhalten sollte.

Wie sind die Prognosen darüber hinaus?

Langfristig dürfte der Ölpreis wieder etwas fallen, weil die weltweite Produktion dann maximal hochgefahren ist. Das Wachstum der Weltwirtschaft wird auch nicht dauerhaft so hoch sein – irgendwann kommt eine Abkühlung. Dann fallen die Ölpreise, die Lagerbestände steigen. 2020 erreichen wir – so unsere Prognosen – wieder unsere Zielmarke von 50 bis 55 US-Dollar pro Barrel.

Was für Folgen hat der hohe Ölpreis für den Benzinpreis?

Hierzulande haben wir von dem starken Euro profitiert, deshalb ist der Benzinpreis nicht so stark gestiegen. An der gegenwärtigen Stärke des Euros sehen wir keine gravierenden Änderungen ins Haus stehen. Fazit: Die Benzinpreise werden eher nicht stark steigen.

Herr Edelmann, vielen Dank für das Gespräch.