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Die Ausfallraten in 2018 sollten gering sein. Das Risiko bleibt dennoch. (©Imago)
Unternehmensanleihen
25.05.2018

Risikospreads steigen spürbar. Risk-Off-Sentiment treibt iBoxx Corporates Index auf höchstem Stand seit Juni 2017. S&P US-Corporate Default Study 2017: Es kann jeden erwischen. Die Unternehmensanleihemärkte im Wochenrückblick.

 

Der iBoxx Corporates Index steht vor einer Trendwende. Die seit Mitte März vorherrschende Trading-Range von 40 bis 50 Basispunkten hat der Index in dieser Woche durchbrochen. Die höhere Risikobewertung von Cash-Bonds wird maßgeblich von einem Anstieg der Spreads im unteren Investmentgrade-Bereich getragen.

Alleine die Risikoprämien für Unternehmensanleihen mit BBB-Rating im iBoxx Corporates zogen auf Wochensicht fast acht Basispunkte an. Branchenseitig fielen die Anstiege – wenig überraschend –vor allem in den konjunktursensiblen Sektoren „Oil & Gas“ (+5,5 bp auf Wochensicht) sowie „Basic Ressources“ (+8,0 bp) aus. Der Rückgang der Risikoprämien im iBoxx-Segment „Retail“ ist auf sektorspezifische Faktoren zurückzuführen (u.a. wenige klassische Retailer und viele Spezialhändler wie Convinience-Food), die wir schon häufiger angesprochen haben. Wir schreiben die höheren Spreadlevels zunächst dem Risk-Off-Sentiment an den Kapitalmärkten und der Rückkehr der politischen Unsicherheit zu.

Die Ratingagentur S&P hat im letzten Monat ihre Corporate Default Study für die USA zum Kalenderjahr 2017 veröffentlicht. Insgesamt mussten Fremdkapitalgläubiger 70,7 Milliarden US-Dollar bei 63 Unternehmensinsolvenzen abschreiben. Die Ausfallrate über alle Unternehmen ging von 5,1 Prozent in 2016 auf 3,0 Prozent in 2017 zurück. Für das Jahr 2018 erwarten die Ratinganalysten sogar einen Rückgang auf 2,6 Prozent. Dieser Optimismus spiegelt sich zudem am Markt für Leveraged Loans und High-Yield-Finanzierungen wider. Nach 711 Milliarden Dollar in 2016 und 930 Milliarden in 2017 hat der Sektor die Billionen-Marke für 2018 fest im Visier. Und dass trotz steigendem LIBOR und Finanzierungskosten.

Steigende Zinsen trotz niedriger Ausfallraten

Seit Jahresbeginn sind die variablen Finanzierungskosten basierend auf dem dreimonatigen US-Dollar-LIBOR von 1,69 Prozent auf in der Spitze 2,36 Prozent angestiegen. Steigende Zinsen bei gleichzeitig niedrigeren Ausfallraten? Wie passt dies zusammen.

Zunächst bleibt laut S&P festzuhalten, dass in 2017 die Insolvenzen in den USA vielmehr auf unternehmens- und industriespezifische Faktoren zurückzuführen waren. Das Wachstum des Online-Einzelhandels, rückläufige Kostenrückerstattungen im Gesundheitswesen und technologische Nachteile bei der Förderung von Schieferöl sind hier zu nennen. Auch dass rund ein Drittel des Insolvenzvolumens (gemessen am ausstehenden Fremdkapital) von drei Unternehmen stammen, unterstützt diese These.

Bleiben makroökonomische Rücksetzer und zu schnelle Fed-Zinsschritte im laufenden Jahr aus, sollten die Ausfallraten in 2018 auf einem niedrigen Niveau bleiben.