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Einer der größten Kupfertagebaue weltweit: Chuquicamata in Chile (© Getty Images)
Kupferausblick
09.05.2018

Mehr Kupferminen und eine schwächere Nachfrage: Der Kupferpreis sank zwischenzeitlich stark. Nun aber deuten viele Faktoren auf steigende Preise hin. Wie entwickelt sich der Kupfermarkt – ein Einblick in den aktuellen Rohstoffmonitor.  

Die Preise für Kupfer an der London Metal Exchange (LME) notieren gegenwärtig bei rund 6.700 US-Dollar/Tonne (Spot-/Cashpreis) und damit rund 8 Prozent niedriger als zu Jahresbeginn. Ursächlich für diesen sichtbaren Preisrückgang – und auch die im Vergleich zu vielen anderen Rohstoffen sichtbare „underperformance“ – waren gleich mehrere Faktoren: Erstens ist das Angebot stärker gewachsen als erwartetet wurde. Zweitens war die Nachfrageentwicklung weniger stark als erhofft. Drittens dämpften die Sorgen vor einem möglichen weltweiten Handelskonflikt und den damit verbundenen Folgen für das Wirtschaftswachstum die Risikobereitschaft der Anleger, worunter insbesondere zyklische Assets wie Kupfer zu leiden hatten.

Des Weiteren konnte Kupfer zuletzt nicht, wie beispielsweise Aluminium, Nickel oder Öl, von der Zunahme (geo-)politischer Spannungen wie den Sanktionen gegenüber Russland, einer möglichen Aufkündigung des Iran-Atomabkommen durch die USA sowie den jemenitischen Raketenangriffen auf Saudi-Arabien profitieren. Dennoch sind wir mit Blick auf die kommenden Monate optimistisch gestimmt, dass Kupfer die Höchststände bei rund 7.300 US-Dollar/Tonne von Ende vergangenen Jahres überschreiten dürfte.

Darüber hinaus sind wir bei Kupfer strukturell sehr „bullish“ eingestimmt, denn in den vergangenen Jahren waren die Investitionen in die Erschließung neuer Minen stark rückläufig. Gleichzeitig beansprucht eine Erweiterung einer bestehenden Kupfermine mehrere Jahre. Bei einem echten Greenfieldinvestment können von der Projektgenehmigung bis zur Finalisierung durchaus bis zu zehn Jahre vergehen.

Schwache Fundamentaldaten und Risikoaversion

Die Fundamentaldaten zeigen dabei eine starke Belastung der Kupferpreise in der Vergangenheit. Nach einer zunächst enttäuschenden Entwicklung des Kupferminenangebots in der ersten Jahreshälfte 2017 stieg diese ab der zweiten Jahreshälfte kontinuierlich an und die erwarteten außerplanmäßigen Produktionsausfälle im Zusammenhang mit der Neuverhandlung zahlreicher Tarifverträgen blieben aus. Gleichzeitig deuteten die chinesischen PMI-Daten – welche gerne als eine Approximation für das Kupfernachfragewachstum verwendet werden – auf eine Verlangsamung der Wachstumsdynamik im Land mit der höchsten Kupfernachfrage hin. Ein weiterer etwas spezifischerer Indikator sind die Investitionen in den Ausbau des chinesischen Stromnetzes, die für etwa 35 Prozent des jährlichen Kupferverbrauchs in China stehen. Diese sind in den vergangenen sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen.

Darüber hinaus zeigten sich die Kupfermärkte nicht immun gegen die zwischenzeitliche Zunahme der Volatilität an den Kapitalmärkten. So kam es zunächst Anfang Februar zu einem Ausverkauf an den Kapitalmärkten aufgrund gestiegener Inflationssorgen in Folge eines sehr guten US-Arbeitsmarktberichts. Dann folgte Anfang März eine weitere Phase hoher Volatilität, nachdem die US-Regierung zunächst Zölle auf Stahl und Aluminium und wenig später auch auf Warenimporte aus China im Umfang von mehr als 50 Mrd. Euro ankündigte. Im Gegenzug kündigte die chinesische Regierung Zölle aus US-Waren im gleichen Umfang an. Kupfer selbst dürfte unmittelbar wenig von den Zöllen betroffen sein. Sollte es allerdings zu einer Wachstumsverlangsamung der Weltwirtschaft und der chinesischen Volkswirtschaft kommen, für deren „Wohlbefinden“ Kupfer gerne als Indikator herangezogen wird, würde dessen Preis sicherlich stärker unter Druck geraten.

Gegenwind für Kupfer nur temporär

Trotz der seit Januar 2018 zu beobachtenden Abwärtsbewegung beim Kupferpreis sind wir der grundsätzlichen der Überzeugung, dass die Kupferrallye, die Mitte vergangenen Jahres richtig Fahrt aufnahm, sich in Kürze wieder fortsetzen wird. Dabei spielt auch eine Rolle, dass die scheinbare Verschlechterung der Fundamentaldaten von Angebot und Nachfrage vor allem auf saisonale Faktoren zurückzuführen sein. Das diesjährige chinesische Neujahrsfest (CNJ) war später datiert als in den Vorjahren und verzögerte die nach dem Neujahrsfest üblicherweise zu beobachtende Nachfragebelebung. Darüber hinaus fand im März der jährliche Nationale Volkskongress statt, bei dem der Umweltschutz zu einer der wichtigsten politischen Prioritäten erklärt wurde und vor allem die nachgelagerte Metallnachfrage noch weiter verzögerte.

Für 2018 rechnen wir mit einer Zunahme der Nachfrage nach raffiniertem Kupfer weltweit um rund 2,8 Prozent YoY. Dies ist deutlich niedriger als das durchschnittliche Wachstum in Höhe von 3,6 Prozent in den vergangenen fünf Jahren, womit wir auch der gezielten Abkühlung der wirtschaftlichen Dynamik in China Rechnung tragen. Wir erwarten nunmehr ein Wachstum in der Volksrepublik von 6,4 Prozent im laufenden Jahr. Anzumerken ist allerdings, dass wir im Vergleich zum Marktkonsens (6,5-6,6 Prozent) pessimistischer hinsichtlich der BIP-Entwicklung eingestimmt sind und daher durchaus positive Überraschungen bei der Kupfernachfrage möglich sind.

Welche Rolle ein möglicher Handelskrieg für den Kupferpreis spielen könnte, welche Auswirkungen ein steigender Kostendruck für Minenbetreiber hätte und wie das Wachstum der rohstoffproduzierenden Schwellenländer auf den Kupferpreis wirkt – das alles erfahren Sie im aktuellen Rohstoffmonitor. Zum Download geht es hier.