SUCHE

Dringend gesucht: Mitarbeiter für Ölförderung (© Getty Images)
Ölmärkte
04.05.2018

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China wirkt sich auch auf die Ölpreise aus: Risk-Off-Bewegungen führen zu Preisrückgängen. 

Ölpreisrallye ist primär nachfragegetrieben. Iran-Sanktionen weiter im Fokus.

Die Preise für Rohöl mussten in den vergangenen Handelstagen leichte Verluste hinnehmen. So notieren sowohl Brent (73,1 US-Dollar/Barrel) als auch WTI (67,8 US-Dollar/Barrel) marginal unterhalb der Stände von vergangener Woche. Preisdämpfend wirkten die gestern veröffentlichten US-Lagerbestandsdaten der EIA. Das US-Energieministerium berichtete für die vergangene Woche überraschend einen erneuten Aufbau der gesamten Ölvorräte um 0,3 Mio. Barrel, wobei der Aufbau bei Rohöl 6,28 Mio. Barrel betrug. Als eine Art Preisuntergrenze wirkte dagegen weiterhin die Sorgen vor einer möglichen Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran und den damit verbundenen Sanktionen gegenüber dem Land. Wie wir in der Vergangenheit bereits mehrfach argumentiert haben, dürfte die (wahrscheinliche) Wiedereinführung der Sanktionen rund 600 Tsd. Barrel/Tag an Exporten gefährden. Angesichts des gegenwärtig sehr angespannten Marktes (globale Rohölvorräte sind normalisiert; erwartetes Defizit 2018: 750 Tsd. Barrel/Tag) dürften geringere iranische Exporte zu signifikanten Preisanstiegen führen.

In den vergangenen Wochen bekamen wir häufig die Frage gestellt, warum die amerikanischen Fracker – entgegen aller Erwartungen – nicht schnell genug auf die steigenden Preise reagieren und mehr fördern und folglich die Ölpreise drücken. Es ist wichtig zu erwähnen, dass die Ausweitung im US-Schieferölsektor bereits stattgefunden hat und auch weiter stattfindet. Für das vergangene Jahr betrug das Plus durchschnittlich rund 860 Tsd. Barrel/Tag. Für das laufende Jahr erwarten wir ein weitaus höheres Wachstum von 1,1 bis 1,2 Mio. Barrel/Tag YoY im Jahresdurchschnitt.

Gebremstes Wachstum durch äußere Zwänge

Jedoch gibt es einige Faktoren, die einem noch stärkeren Wachstum entgegenwirken: 1. Anders als der von der breiten Öffentlichkeit und auch der OPEC betrachtete Ölpreis (Spotpreis), ist für die US-Fracker längerfristige Future-Preise von Interesse. Dieser notiert im Vorjahresvergleich nahezu unverändert bei 57 US-Dollar/Barrel. Zudem zeigen die US-amerikanischen Fracker derzeit eine Zurückhaltung bei den Förderaktivitäten, da diese besonders Wert auf Cashflow-Akkumulierung legen. 2. Außerdem kommt es derzeit zu physischen Engpässen: So sind zum einen die Pipelinekapazitäten gegenwärtig knapp, welche für den Abtransport des geförderten Öls notwendig sind. Zum anderen kommen die Fracking-Unternehmen gegenwärtig nur schwer an Bohr-Crews, und wenn, dann nur zu höheren Kosten.

Diese Faktoren sorgen dafür, dass das bereits beispiellos hohe Wachstum nicht noch stärker ausfällt.

Bärenstarke Nachfrage

Darüber hinaus ist der Ölpreisanstieg primär nachfragegetrieben: Die Nachfrage ist im vergangenen Jahr mit etwas mehr als 1,7 Mio. Barrel/Tag im Durchschnitt expandiert. Auch im ersten Quartal des laufenden Jahres war das Nachfragewachstum mit 2,5 Mio. Barrel/Tag bärenstark. Das ist die höchste Wachstumsrate seit 2010 und entspricht einer Expansionsrate von etwa 2,5 Prozent. Für dieses Jahr kalkulieren wir mit einem Anstieg der Ölnachfrage von 1,8 Mio. Barrel/Tag. Anfang 2017 haben wir bereits argumentiert, dass der Normalisierungsprozess der Öllagerbestände auch ohne die Produktionskürzungen der OPEC und Russland angesichts des sich beschleunigenden spätzyklischen Nachfragewachstums erreicht worden wäre. Die Förderkürzungen haben lediglich den Zeitpunkt etwas nach vorne verschoben. Da von Seiten der OPEC in diesem Jahr nur mit einer marginalen Produktionsausweitung zu rechnen ist, erwarten wir, dass der Ölmarkt bis Mitte 2019 ein sichtbares Marktdefizit aufweisen dürfte. Das sollte die Ölpreise auf hohem Niveau verharren lassen.