SUCHE

Iran-Politik der USA lässt Ölpreis steigen (© Getty Images)
Ölmärkte
18.05.2018

Sanktionen gegen den Iran, Hyperinflation in Venezuela: Die Ölmärkte im Wochenrückblick. 

Die geopolitischen Spannungen an den Ölmärkten halten an: Nachdem in der vergangenen Woche die US-Regierung vom Atomabkommen mit dem Iran zurückgetreten ist und gleichzeitig die Sanktionen gegen das Land wiedereinführte, stieg der Ölpreis mit 80 US-Dollar/Barrel auf den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren. Aktuell erwarten wir, dass durch die Sanktionen auch europäische Abnehmer auf den Import iranischen Öls verzichten werden. Und das, obwohl sie anders als die USA das Abkommen nicht aufkündigen – aus Sorge, von den Vereinigten Staaten ebenfalls mit Strafen belegt zu werden. Allerdings werden die eigentlich für den europäischen Markt vorgesehenen Mengen möglicherweise – zumindest zu einem Teil – Abnehmer in Indien und China finden. Dennoch: Unterm Strich dürften dem europäischen Markt rund 600 Tsd. Barrel/Tag verloren gehen.

Neben dem Iran ist Venezuela ein weiterer geopolitischer Hotspot, der das globale Ölangebot derzeit belastet. Gegenwärtig produziert das lateinamerikanische Land um die 1,4 Mio. Barrel/Tag (-0,7 Mio. Barrel YoY). Bis Jahresende könnte die Produktion um weitere 200 Tsd. Barrel/Tag zurückgehen. Maßgeblichen Einfluss auf die mittel- bis langfristige Entwicklung bei der Fördermenge sollten die am kommenden Sonntag stattfindenden Präsidentschaftswahlen haben. Sollte sich der jetzige Präsident Nicolás Maduro bei den Wahlen durchsetzen – was kaum jemand in Frage stellt –, ist wohl nicht mit einer Umkehr der gegenwärtigen Politik zu rechnen und somit auch nicht mit einer Lösung der wirtschaftlichen Krise, in der das Land steckt – das makroökonomische und soziale Klima verschlechtert sich seit 2014 kontinuierlich.

Hyperinflation in Venezuela

Das Land erlebt zur Zeit eine Hyperinflation (IWF-Schätzung: 15.000 Prozent YoY). Die Wirtschaftsleistung schrumpft immer weiter und eine Besserung ist nicht abzusehen, da es gegenwärtig keinen Treiber gibt, der dies auch nur im Ansatz ändern könnte. Nur ein Regimewechsel dürfte wohl einen Wandel herbeiführen, welcher das Land sogar wieder zu einem wichtigen Ölversorger machen würde. Die geologischen Voraussetzungen wären nahezu ideal: Das Land verfügt über die größten nachgewiesenen Schwerölreserven der Welt (301 Mrd. Barrel). Jedoch liegt Venezuela im Vergleich zu Ländern mit ähnlich hohen Reserven abgeschlagen zurück, da mit der Verwässerung der sog. "Apertura Petrolera"-Reformen von 1995, die dem Ölsektor nachhaltig Auftrieb verliehen hätten, im Jahr 2001 ein steter Rückgang der Investitionen zu beobachten war.

Dabei sind die venezolanischen Schwerölreserven durchaus attraktiv: (1) Break-evens von 24-34 US-Dollar/Barrel; (2) Explorationsrisiken und -kosten sind niedrig; und (3) der Großteil der Transport- und Weiterverarbeitungskapazitäten ist vorhanden. Wir glauben, dass die Möglichkeit marktgerechter Reformen zu einer Verdreifachung der Investitionstätigkeit führen könnte, womit Venezuela wieder einen bedeutenden Beitrag zur globalen Ölversorgung leisten könnte. Wie es jedoch gegenwärtig aussieht, scheint wohl alles auf einen erneuten Wahlsieg von Nicolás Maduro hinauszulaufen und somit wäre auch nicht mit Reformen zu rechnen.

Darüber hinaus kam die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem jüngsten Monatsbericht zu der Erkenntnis, dass die globalen Öllagerbestände auf das Normalniveau abgebaut wurden und die OPEC ihre Mission somit erfüllt hat. Dadurch hat sich die OPEC Raum verschaffen, die Produktion ihrerseits wieder auszuweiten, denn ansonsten dürfte der Markt in den kommenden Wochen sein Defizit auf etwa 1,2 Mio. Barrel/Tag ausweiten. Fortgesetze Kürzungen in 2019 dürften zudem die minimale „Operating Capacity“ bei den globalen Lagerbeständen erreichen, was verbunden wäre mit einem Anstieg der Ölpreisvolatilität.