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Tendenz nach unten: die türkische Lira (© Getty Images)
Türkische Lira
30.05.2018

Die Türkei ist stark abhängig von ausländischen Investoren. Hohe Inflation, eine überhitzte Volkwirtschaft und der Kurs von Präsident Erdogan sorgen für Unruhe. 

Die spektakuläre Abwertung der türkischen Lira sorgt derzeit für Aufsehen am Devisenmarkt. Eine Vielzahl von Gründen haben den Verfall der Währung initiiert. Zunächst sind das wachsende Leistungsbilanzdefizit, die zweistelligen Inflationsraten und die Handlungsunfähigkeit der Zentralbank als innertürkische Gründe zu nennen. Das Leistungsbilanzdefizit spiegelt die hohe Abhängigkeit von ausländischen Investoren wieder und damit einhergehend eine hohe Verwundbarkeit gegenüber sinkenden Kapitalzuflüssen.

Diese Abhängigkeit ist die Wurzel der derzeitigen Probleme. Zuletzt zeigten sich Investoren besorgt über die überhitzende Volkswirtschaft, die hohe Inflation und den fehlenden Willen der Zentralbank die geldpolitischen-Zügel anzuziehen. Auf Fiskalpolitischer-Seite hat sich das Budgetdefizit vor der Wahl im Juni wesentlich erhöht und Staatspräsident Erdogan verunsichert Investoren mit der Ankündigung im Falle eines Wahlsiegs, die Kontrolle über die Wirtschaft zu forcieren. In diesem Fall könnten Auslandsinvestitionen in die türkische Wirtschaft weiter abnehmen, was in Anbetracht der Abhängigkeit von Kapitalzuflüssen besonders relevant sein dürfte.

© Bloomberg

Von den Ratingagenturen wurde dies bereits berücksichtigt. So berichtigte Fitch seine Bewertung im Januar von BBB- auf BB+ und Moody‘s Anfang März von Ba1 auf Ba2. Standard & Poor’s hat sein Rating Anfang Mai außerplanmäßig von BB/B auf BB-/B. heruntergestuft, als direkte Reaktion auf die hohe Inflation und die starke Abwertung der Lira. Alle Ratingagenturen verordnen die Türkei somit im Non-Investmentgrade-Bereich.

Zuletzt verkündete die türkische Zentralbank die Zielvariable auf One-Week Repogeschäfte zu limitieren und somit die Geldpolitik zu vereinfachen. Gleichzeitig wurde der Leitzins auf 16.5% erhöht. Auch wenn dieser Schritt lange gefordert wurde und zunächst auch mit einer Stabilisierung der Wechselkurse einherging, wurden diese Gewinne von dem externen Problem der türkischen Lira wettgemacht. Der starke US-Dollar und die wachsende Risikoaversion üben weltweit Druck auf die Währungen der Schwellenländer aus. Nur der argentinische Peso verlor gegenüber dem Dollar in diesem Jahr mehr an Wert als die Türkische Lira. Die Risikoaversion im Allgemeinen ist begründet durch die globalen politischen Spannungen und im Speziellen durch die prekäre wirtschaftliche Lage in der Türkei, sowie durch Spillover Effekte der wachsenden Unsicherheit im Nahen Osten.

Kurzfristig könnten die höheren Zinsen die Lage beruhigen. Importe sollten zurückgehen, die Wirtschaft abkühlen und das Leistungsbilanzsaldo sich ein Stück weit schließen. Insgesamt würde der Druck auf die Lira sinken. Langfristig können aber nur strukturelle Anpassungen Abhilfe schaffen, um die türkische Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen. Ohne nachhaltige Reformen lässt sich die Abhängigkeit von ausländischem Kapital nicht verringern.

Lesen Sie hier auch unsere ausführliche Analyse über den vorgezogenen Wahltermin in der Türkei vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklung.