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Risikoaufschlag nach Trumps Iran-Entscheidung beim Ölpreis zu erwarten (© Alamy)
Ölpreis
24.05.2018

Interview in der Börsenzeitung: Der Ölpreis könnte in Folge der Iran-Politik von Donald Trump über 80 Dollar steigen, sagt Jan Edelmann, Analyst der HSH Nordbank.

Herr Edelmann, wie wird sich der Ölpreis als Reaktion auf die Entscheidung von Präsident Trump kurzfristig, also in den kommenden Wochen entwickeln?

Da die globalen Öllagerbestände aktuell auf einem eher normalen Niveau liegen, wird der Markt wohl – angesichts der erwarteten Exportverluste aus dem Iran – eine hohe Risikoprämie veranschlagen. Der Ölpreis könnte deshalb auf über 80 US-Dollar pro Barrel steigen.

Wann dürften die Sanktionen ihre Wirkung entfalten und wie wird sich das voraussichtlich auf Angebotsmenge und das Marktgleichgewicht auswirken?

Es ist davon auszugehen, dass der physische Ölmarkt erst mit einer zeitlichen Verzögerung von bis zu 180 Tagen die vollständigen Auswirkungen der Sanktionen zu spüren bekommt. Aktuell erwarten wir, dass durch die Sanktionen auch europäische Abnehmer auf den Import iranischen Öls verzichten werden. Und das, obwohl sie anders als die USA das Abkommen nicht aufkündigen – aus Sorge, von den Vereinigten Staaten ebenfalls mit Strafen belegt zu werden.

Allerdings werden die eigentlich für den europäischen Markt vorgesehen Mengen möglicherweise – zumindest zu einem Teil – Abnehmer in Indien und China finden. Dennoch: Unterm Strich dürften dem europäischen Markt rund 600.000 Barrel pro Tag verloren gehen. Das ist eine signifikante Menge, deshalb könnte der Preisaufschlag über die kommenden sechs Monate bei bis zu 8 US-Dollar pro Barrel liegen.

Werden sich die Sanktionen als wirksam erweisen oder lassen sie sich umgehen?

Amerikanischen Unternehmen ist es fortan nicht mehr gestattet, mit dem Iran Ölgeschäfte zu machen – über die Einhaltung wird die USA genau wachen. Darüber hinaus dürfen spätestens nach 180 Tagen keine US-Dollar-Transaktionen mehr mit dem Iran stattfinden. Europäische Unternehmen werden wohl – sofern dies nicht in der Vergangenheit schon geschehen ist – auf den Euro zurückgreifen. Bisher ist noch nicht bekannt, ob Firmen in Drittländern Strafen drohen, wenn sie Geschäfte mit dem Iran machen. Die Sanktionen treffen den wirtschaftlich ohnehin nicht besonders starken Iran natürlich. Über den hohen Ölpreis haben sie auch Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Die Kosten für viele Firmen – und Privatleute – steigen durch das teure Öl. Für das Wachstum ist das mittelfristig nicht gut.

Wo sehen Sie den Ölpreis mit Blick auf die Sanktionen in einem halben Jahr sowie in einem Jahr?

Vorerst ist mit weiter steigenden Ölpreisen zu rechnen. Auf Sicht von sechs Monaten dürften allerdings die Exportverluste des Iran von anderen Produzenten, beispielsweise Saudi-Arabien kompensiert werden. Daher dürfte sich die Lage wieder etwas beruhigen und der Preis sich bei seinem bis dahin fundamental gerechtfertigten Niveau bei etwa 70 US-Dollar pro Barrel einpendeln.

Auf Jahressicht dürften zahlreiche andere Faktoren bei der Preisfindung eine Rolle spielen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt erwarten wir eine globale Abschwächung der Konjunkturdynamik. Die Ölnachfrage dürfte daher nicht mehr so stark wachsen wie derzeit. Damit wird es dem Angebot leichter gemacht, mit der Nachfrage Schritt zu halten oder diese zu übersteigen. Die Lagerbestände sollten dann wieder steigen und die Preise wieder unter 70 US-Dollar drücken.

Wenn es zu einem amerikanisch-israelischen militärischen Angriff auf den Iran käme, wie hoch könnte der Ölpreis steigen?

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt halten Politik- und Militärexperten ein solches Szenario für recht unwahrscheinlich. Daher haben wir bislang diese Auswirkungen nicht modelliert und hoffen, dass sich die politische Lage nicht weiter zuspitzt. Sollte es wider Erwarten dennoch dazu kommen, wäre mit weiter steigenden Preisen zu rechnen.

Wir würde sich eine mögliche Schließung der Straße von Hormus auf den Ölmarkt auswirken? Wäre ein solcher Schritt bei einer Zuspitzung denn wahrscheinlich?

Dieses Bedrohungsszenario war in der Vergangenheit in der Tat real. 2011 drohte der Iran beispielsweise für den Fall der Verhängung eines Ölembargos gegen den Iran mit der Sperrung der Straße von Hormus.

Dieses Mal ist die Situation aber etwas anders: Erstens gehen die Sanktionen unilateral von den USA aus. Alle anderen Unterzeichner des Atomabkommens – UN-Vetomächte sowie Deutschland – wollen an der Vereinbarung festhalten und arbeiten an einer Lösung – selbst wenn sie auf Ölimporte verzichten.

Da die USA ohnehin kein Öl aus dem Iran importieren, sondern die wichtigsten Käufer iranischen Öls in nächster Zeit China und Indien sein dürften, halte ich dieses Szenario nicht für wahrscheinlich.

Zum Interview als PDF gelangen Sie hier.