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Angela Merkel beim Weltwirtschaftsforum in Davos (© Getty Images)
Datenschutz-Grundverordnung
30.05.2018

Daten sind der Treibstoff für neue Geschäftsmodelle. Hier bremst die DSGVO.

Beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos bekannte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Datenschutz, gab aber auch ihren Bedenken Ausdruck: „Die Gefahr, dass wir zu langsam sind, dass die Welt über uns hinweg rollt, derweil wir philosophisch über die Frage der Datensouveränität debattieren, ist groß.“

Im Lichte der neuen Datenschutzverordnung (DSGVO) scheinen diese Bedenken eher noch größer zu werden. Gerade in der mittelständisch geprägten deutschen Industrie ist die Verunsicherung groß. Zum einen herrscht Sorge, ob das eigene Unternehmen den hohen Ansprüchen an den Datenschutz entspricht. Zum anderen müssen deutsche Unternehmen dabei zusehen, wie amerikanische und chinesische Digitalunternehmen aus der Nutzung von Daten ein Milliarden-Geschäft machen.

DSGVO: Wie weit sind die Aufsichtsbehörden?

„Der Umgang mit dem Thema Datenschutz ist in Europa sicher anders als in den USA oder China“, sagt Klaus Spiessberger, Experte für Datenschutz im Netzwerk des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW). „Es bleibt abzuwarten was passiert, wenn die ersten gerichtlichen Entscheidungen zur neuen Verordnung feststehen. Erst dann lässt sich eine Tendenz beobachten, wie intensiv Verstöße geahndet werden.“

Derzeit sei noch fraglich, ob die Aufsichtsbehörden schon über die notwendigen Ressourcen verfügen, um den erhöhten Anforderungen schon gerecht zu werden. Zudem bleibt eine Unsicherheit, wie konsequent die Datenschutzverordnung in den einzelnen EU-Mitgliedsländern umgesetzt und kontrolliert wird.

Dennoch sind die bei den Unternehmen gefürchteten Abmahnprozesse Spiessberger zufolge ein durchaus ein realistisches Szenario. „Dies muss man nach derzeitigem Kenntnisstand absolut bejahen, auch wenn die Tragweite sich erst herauskristallisieren wird“, sagt der Experte. Die Datenschutz-Skandale der jüngeren Vergangenheit – etwa Facebook / Cambridge Analytica – führten zu einer größeren öffentlichen und politischen Wahrnehmung. Es steht zu erwarten. dass Versäumnisse oder Verstöße deutlich konsequenter verfolgt werden. Auch bei der Höhe der Bußgelder sollte sich dies bemerkbar machen. „Betroffen sein werden aber insbesondere auf Seiten der KMU erstmal die Unternehmen, die das Thema Datenschutz bisher weitestgehend ignoriert oder bewusst falsch praktiziert haben“, sagt Spiessberger.

Was sich durch die DSGVO für die „Big Data“-Analyse ändert

„Big Data“-Analysen werden in vielen Unternehmen praktiziert. Die DSGVO stellt hier neue Anforderungen. „Hier ist zu unterscheiden, ob die Analyse mit Personenbezug geschieht oder nicht“, sagt Spiessberger. „Prinzipiell empfehlen wir, die Datenschutz-Erklärung von einem Fachanwalt erstellen zu lassen.“ Zu beachten sei, dass Kunden in die Verarbeitung ihrer Daten einwilligen müssen und die Einwilligung widerrufbar sein muss. In der öffentlichen Wahrnehmung herrscht eine große Sensibilität für die "Big-Data-Analyse“. Deshalb empfiehlt sich, relevante Prozesse anwaltlich oder durch spezialisierte Beratungsunternehmen begleiten und überprüfen zu lassen.