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Staatsanleihen und Unternehmensbewertungen im Einklang (©Getty Images)
Aktienmärkte
30.04.2018

Wie weit können Aktienbewertungen und Anleiherenditen parallel steigen? Der Wochenrückblick für die Aktienmärkte.

In der vergangenen Berichtswoche mussten die Aktienmärkte weltweit leichte Rücksetzer hinnehmen. Der DAX notiert derzeit bei 12.422 Punkten (-1,2 Prozent). Auch der amerikanische S&P 500 musste im Wochenvergleich Einbußen hinnehmen. Dieser notiert gegenwärtig bei 2.639 Punkten (-2,3 Prozent). Nachdem die Sorgen vor einem Ausbruch eines weltweiten Handelskonflikts zuletzt ausgepreist wurden, stiegen in den vergangenen Tagen die Inflationssorgen der Anleger zuletzt an, was die Staatsanleiherenditen befeuerte und die Erwartungen der Marktteilnehmer hinsichtlich eines schnelleren und strafferen Vorgehens der US-Notenbank erhöhte.

Viele Anleger dürften sich nun die Frage stellen, ob und inwieweit steigende Anleiherenditen mit den gegenwärtigen beziehungsweise wieder steigenden Aktienbewertungen vereinbar sind. Gemeinhin wird gerne angenommen, dass steigende Staatsanleiherenditen stets negativ auf Aktienbewertungen wirken. Die Antwort auf diese Frage ist jedoch nicht trivial. Um dies zu analysieren, ziehen wir die zehnjährigen US-Staatsanleiherenditen und das Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 heran. Dabei gibt es mehrere Faktoren zu betrachten: Zunächst gilt es zu analysieren, in welchem Stadium sich die Weltwirtschaft befindet (Aufschwung, Boom, Rezession oder Depression) und ob das Zinsumfeld als Hoch- oder Niedrigzinsumfeld einzustufen ist. Im darauffolgenden Schritt sollte der Anleger die Intensität des Zinsanstiegs analysieren. So ist anhand der Grafik gut zu erkennen, dass in Phasen hoher Staatsanleiherenditen und hoher Wachstumsraten sowohl die Aktienmarktbewertungen als auch die Staatsanleiherenditen parallel ansteigen können. In Phasen einer schwachen wirtschaftlichen Dynamik zeigte sich in der Vergangenheit das Bild gleichzeitig fallender Aktienmarktbewertungen und rückläufiger Staatsanleiherenditen. Fällt dagegen die Rendite der US-Staatsanleihen unter die Marke von 3 Prozent, ergab sich zuletzt eine Trendumkehr in der Beziehung zwischen Aktienmarktbewertungen und Staatsanleiherenditen. Diese konnte sehr gut seit Beginn des Jahres 2014 bis vor wenigen Tagen beobachtet werden. Liegt die Rendite bei unter 3 Prozent und das Wachstum der Weltwirtschaft ist nur schwach bis moderat, gehen fallende Staatsanleiherenditen einher mit einem steigendem KGV. Mit dem Übergang in die Boomphase (seit dem Spätjahr 2016) bewegten sich die Anleiherenditen, bei steigenden Aktienmarktbewertungen, zunächst seitwärts.

Sollten sich die US-Staatsanleihen nun oberhalb der kritischen Dreiprozentmarke festigen und das robuste synchrone Wachstum der Weltwirtschaft anhalten, so stünden die steigenden Zinsen nicht unbedingt im Widerspruch zu steigenden Aktienmarktbewertungen, auch wenn dies in der sehr kurzen Frist mit einiger Volatilität verbunden sein dürfte. Darüber hinaus sollte der Anleger die Dynamik des Renditeanstiegs im Auge behalten. Ist der Renditezuwachs binnen eines Jahres geringer als 50 Basispunkte, dürfte dies für die Aktienmärkte kaum Ungemach bedeuten.