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Bei der digitalen Infrastruktur hapert es in Deutschland (© dpa)
Hannover Messe
27.04.2018

Als vor 200 Jahren die erste Dampflok durch die Lande schnaubte, konnte niemand ahnen, wie sehr die Eisenbahn die Industrialisierung vorantreiben würde. Heute sind es gewaltige Glasfaserkabel, die die Wirtschaft nach vorn bringen. Deutschland braucht dringend mehr von dieser digitalen Infrastruktur.

Auf der Hannover Messe ist viel von der vernetzten Fabrik der Zukunft die Rede. Weil die immer intelligenter werdenden Maschinen ein rasant steigendes Datenaufkommen bewältigen müssen, werden für den Standort Deutschland digitale Infrastruktur und schnelles Internet zunehmend wichtiger. Doch beim Breitbandausbau und der Vernetzung hakt es. Gerade beim Glasfaserausbau hat Deutschland erhebliche Lücken. Erst weniger als drei Prozent aller Breitbandanschlüsse in Deutschland nutzten die leistungsfähige Technologie. In Schweden etwa sind es 55 Prozent. "Es gibt viele bürokratische Hemmnisse, die dem Ausbau im Wege stehen", sagt Steffen Leiwesmeier, Breitband-Spezialist bei der HSH Nordbank. "Die Genehmigungsverfahren sind aufwändig, und gelegentlich stellen sich auch die Tiefbauämter quer."

Problemfall VDSL

Ein Problem liegt auch in der Brückentechnologie VDSL. Dabei wird zwar die größte Strecke zum Kunden durch Glasfaserkabel realisiert. Ein kleiner Weg zum Kunden muss aber mit Kupferkabel überbrückt werden. Als Monopolist hat die Deutsche Telekom hier zuletzt wenig Interesse an einer Lösung gezeigt, die vollständig auf Glasfaser setzt. Größte Sorge bereiten aber die europaweit fehlenden Kapazitäten in der Tiefbaubranche. "Viele Tiefbauunternehmen bringen derzeit Brücken und Straßen auf Vordermann", sagt Leiwesmeier. "Für den Glasfaserausbau fehlen dann schlicht die Mitarbeiter, die speziell ausgebildet werden müssen."

Am Geld liegt es nicht mehr. "Die Kreditfinanzierung über Banken ist beim Glasfaserausbau noch ein zartes Pflänzchen, bei der HSH Nordbank sind wir aber schon sehr weit", sagt Leiwesmeier.In den letzten zwölf Monaten hat die HSH im Sektor der digitalten Infrastruktur mehrere Transaktionen erfolgreich umsetzen können: u.a. wurde der Netzausbau der Deutsche Glasfaser mit EUR 150 Mio. finanziert. Im Segment stehen große Chancen vergleichsweise beherrschbaren Risiken gegenüber. Der Schwerpunkt der Aktivitäten der HSH liegt vorrangig in Deutschland und Westeuropa.

Regierung denkt um

Leiwesmeier sieht die Impulse der Hannover Messe positiv. "Industrie 4.0 ist ein starker Treiber, das Thema Glasfaserausbau weiter nach vorn zu bringen." Der Breitband-Spezialist vergleicht dessen Bedeutung für die digitale Maschinenökonomie von heute mit dem Ausbau des Eisenbahn- und Stromnetzes in Deutschland des 19.Jahrhunderts für die Industrialisierung. Die neue Bundesregierung hat die Dimension erkannt und beginnt umzudenken. Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) hat eine neue Breitband-Förderstrategie angekündigt. Demnach sollen künftig nur noch reine Glasfaser-Ausbauprojekte förderfähig sein. Für kupferbasierte Übergangstechnologien wie VDSL-Vectoring sollen keine Fördergelder mehr für den Breitbandausbau ausgegeben werden.

Weitere Informationen finden sie in der Branchenstudie "Glasfaser - Ausbau und Finanzierung" der HSH Nordbank