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PPAs sind im Aufwind (© Getty Images)
Studie zu Corporate PPA
13.04.2018

Eine aktuelle Branchenstudie der HSH Nordbank untersucht das Potenzial von „Power Purchase Agreements“ (PPA). Mit langfristigen Direktabnahmeverträgen zwischen Energieerzeugern und Großverbrauchern soll der weitere Ausbau erneuerbarer Energien auch dann möglich bleiben, wenn staatliche Förderprogramme zurückgebaut werden oder ganz auslaufen. 

Die Zukunft der Windenergie steht in Schweden. In Norrbottens im Norden des Landes wird bis Ende 2019 mit dem Projekt "Markbygden" Europas größter Onshore-Windpark errichtet: 179 Windräder mit einem Rotordurchmesser von fast 140 Metern und einer Gesamtkapazität von 650 Megawatt werden die jährliche Windstromerzeugung in Schweden deutlich erhöhen, die derzeit bei knapp 6.900 Megawatt liegt.

Das 800-Millionen-Euro-Projekt ist aber nicht nur wegen seiner Dimensionen beachtlich. Auch Finanzierung und Vermarktung sind besonders. Für die kommenden 19 Jahre steht der Abnehmer des hier erzeugten Stromes bereits fest: Der norwegische Aluminiumhersteller Norsk Hydro hat sich im Rahmen eines Power Purchase Agreements (PPA) zur Abnahme verpflichtet - und damit den weltweit größten Stromabnahmevertrag für Windenergie unterzeichnet, wie die Projektentwickler mitteilten.

"Power Purchase Agreements sind ein zukunftsträchtiges Vermarktungsmodell für erneuerbare Energien und haben in Europa kräftig an Volumen gewonnen", sagt Volker Brokelmann. Er hat als Branchenanalyst der HSH Nordbank die Studie "Going Green. Corporate PPA" verfasst, die jetzt erschienen ist. So wurden im vergangenen Jahr in Europa Corporate PPA-Verträge für Erzeugungskapazitäten in Höhe von mehr als 1,4 Gigawatt abgeschlossen - ein Rekordvolumen.

PPA-Verträge sind langfristige Verträge, die Unternehmen direkt mit den Erzeugern erneuerbarer Energien abschließen. Für Unternehmen bietet sich auf diese Weise die Möglichkeit, weite Teile ihres Strombedarfs durch erneuerbare Energien zu decken. Für die Ökostromproduzenten liefern die langen Vertragslaufzeiten die notwendige Planungssicherheit, um erforderliche Investments beim Aufbau von Wind- und Solarparks zu finanzieren.

Vorreiter USA, Nachfolger Europa

In den USA sind Corporate PPA bereits seit längerer Zeit weit verbreitet. Unternehmen wie Microsoft, Amazon und Apple decken Teile ihres Energiebedarfs mit Strom aus regenerativen Quellen. Auch der Internetkonzern Google hat in den vergangenen Jahren seinen Ökostrom-Anteil kontinuierlich ausgebaut. Nach Angaben des Informationsdienstleisters Bloomberg New Energy Finance schlossen Unternehmen im vergangenen Jahr PPA für neue Ökostromkapazitäten im Volumen von weltweit 5,5 Gigawatt ab - auch das ein neuer Höchstwert.

"Beim Blick auf Europa fällt auf, dass der Großteil der Vertragsabschlüsse auf Projekte aus dem Bereich der Windenergieerzeugung entfällt" sagt Volker Brokelmann. Regionale Schwerpunkte lägen dabei in Schweden, Norwegen, den Niederlanden und Großbritannien. Wesentlicher Treiber der Entwicklung ist jeweils die Ausgestaltung der nationalen Fördermechanismen für erneuerbare Energien-Projekte. Daneben spielen auch die erreichte Kostendegression bei neuen Projekten, die Entwicklung der Strompreise und nicht zuletzt die Nachfrage von Großunternehmen nach "Grünem Strom" als Teil ihrer Nachhaltigkeitsstrategien eine wichtige Rolle.

"Die zunehmende Verwendung von Corporate PPA ist gewissermaßen der Vorlauf zu einer noch stärkeren Verbreitung im Zuge der anstehenden Änderungen der gesetzlichen Förderbedingungen in Europa", sagt Brokelmann. So solle die anstehende Novelle der EU-Richtlinie zur Förderung der erneuerbaren Energien dazu beitragen, die heute noch in vielen EU-Ländern bestehenden Hürden für PPA zu beseitigen. Das wird absehbar ab dem Jahr 2021 der Fall sein. In Deutschland ist die Direktvermarktung von Ökostrom an den Endabnehmer derzeit nur ohne EEG-Förderung möglich. Doch auf dem derzeitigen Strompreisniveau lassen sich ohne Förderung noch keine neuen Wind- oder Solarparks realisieren. Sobald die förderseitige Benachteiligung von PPA beseitigt wird, werden PPA auch in Deutschland zur interessanten Option werden. "Angesichts der mehrjährigen Entwicklungsdauer neuer Projekte nehmen wir auch unter den deutschen Projektierern ein hohes Interesse an diesem Vermarktungsinstrument wahr", sagt Brokelmann.

Die Risiken managen

Die Direktvermarktung von grünem Strom mittels PPA ist für ein Projekt individuell und passgenau gestaltbar. Die einfachste Form ist die Stromerzeugung unmittelbar auf dem eigenen Werksgelände, beispielsweise über Photovoltaikanlagen auf den Produktionsgebäuden im Rahmen eines sogenannten "Direct PPA".

"Das kommt aber eher für kleine Erzeugungsanlagen bis hin zu wenigen MW Leistung in Frage", sagt Brokelmann. Für den europäischen Markt sieht er sogenannte "Sleeved Corporate PPAs" als Standardlösung an. Hier sorgt ein Versorgungsunternehmen oder ein Energiehändler als Dienstleister dafür, dass der erzeugte Strom vom Erzeuger ins Stromnetz eingespeist und vom Abnehmer aus dem Netz bezogen werden kann. Der vorher im Rahmen des PPA vereinbarte Preis für den gelieferten Strom hingegen wird direkt zwischen Abnehmer und Erzeuger beglichen.

Die mit der PPA-Festpreisvereinbarung erreichbare Planungssicherheit erleichtet dem Energieerzeuger die Finanzierung seines Projektes. "Banken verlangen in der Regel verlässliche Erlösströme von einem zu finanzierenden Projekt, und die feste Preisstruktur im Rahmen eines PPAs kann eine solche Sicherheit bieten", sagt Brokelmann.

Welche weiteren Vertragsinhalte dazu führen, dass PPA "bankable" für Finanzierer werden, wie sich die Risiken für Erzeuger minimieren lassen und welche Erfahrungen Anwender von PPAs bisher gemacht haben - das alles lesen Sie in der aktuellen Studie "Corporate PPA".