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Mario Draghi setzt wohl weiter auf Zurückhaltung (©dpa)
Rentenmärkte
20.04.2018

„Die EZB dürfte auf ihrer April-Zinssitzung noch keine großen Entscheidungen treffen“, erwartet Sintje Boie, Analystin der HSH-Nordbank.

 

Über die vergangene Woche wurde der Rückwärtsgang der Renditen von Treasuries und Bundesanleihen gestoppt und diese sind wieder leicht angestiegen - insbesondere bei den Treasuries. Hintergrund dafür dürfte die wieder etwas bessere Stimmung an den Finanzmärkten sein - zuletzt waren die geopolitischen Spannungen mit dem von den USA angedrohten Militärschlag gegen Syrien angestiegen. Dieser richtete sich jedoch letztlich gegen einige wenige Ziele, bei denen kein Konflikt mit den russischen Interessen heraufbeschworen wurde, worauf die Märkte mit Erleichterung reagierten.

Die laufende Woche steht unter dem Stern der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (16.4. bis 22.4.) in Washington. Im Zuge dessen wurde der World Economic Outlook für April veröffentlicht, in dem der IWF zunächst eine weiterhin hohe Wachstumsdynamik für die Welt prognostiziert, die aber längerfristig nicht zu halten ist (siehe Kommentar). Die Frühjahrstagung wird begleitet von einem Treffen der G20-Finanzminister und -Notenbankchefs, auf dem mit Sicherheit die derzeitigen Handelsstreitigkeiten der USA und China thematisiert werden dürften.

Die Konjunkturdaten aus den USA in dieser Woche entsprachen den Erwartungen (Einzelhandelsumsätze, deuten aber auf ein schwächeres erstes Quartal für den privaten Konsum hin) bzw. lagen über diesen (Industrieproduktion legte um 0,5 % mom zu, Baugenehmigungen und -beginne zogen kräftig an). Das veröffentlichte Beige Book zeigte eine mäßige bis moderate Wirtschaftsaktivität in den einzelnen Fed-Distrikten. Wegen der Einführung neuer Zölle sind verbreitet steigende Stahlpreise berichtet worden. Wie das erste Quartal in den USA gelaufen ist, darüber gibt die erste Veröffentlichung der BIP-Zahlen Aufschluss (unsere Erwartung: 2,5 % qoq).

Die kommende Woche bietet eine ganze Reihe von Highlights. So werden die April-Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und Dienstleistungen in der Eurozone bekannt gegeben. Auch der ifo-Geschäftsklimaindex für April wird veröffentlicht. Nach den Rückgängen der Stimmungsindikatoren in den vergangenen Monaten dürfte von den Marktteilnehmern jetzt mit Spannung beobachtet werden, ob sich diese Stimmungseintrübung fortsetzt oder ob dieser Trend durchbrochen werden kann. Bislang rechnen wir damit, dass sich der Konjunkturaufschwung in der Eurozone dynamisch fortsetzt.

Wichtig ist zudem die EZB-Zinssitzung am 26. April. Wir gehen nicht davon aus, dass die Notenbank schon auf dieser Sitzung ankündigen wird, wann sie das Anleiheankaufprogramm beendet. Allerdings könnte sie weitere "Minischritte" in diese Richtung gehen, indem sie beispielsweise die Anbindung der Anleihekäufe an eine anziehende Inflationsrate kappt. Die Ankündigung zum QE-Ausstieg sollte erst auf der Juni-Sitzung erfolgen, da die EZB möglichst viele Datenveröffentlichungen abwarten möchte. Unseres Erachtens sollte die EZB dann entscheiden, ihre Anleihekäufe um die Hälfte reduziert bis Ende des Jahres laufen zu lassen (15 Mrd. Euro).