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Trump setzt auf Importzölle (©dpa)
Devisenmärkte
09.03.2018

„Die US-Zölle und das Personalchaos im Weißen Haus schwächen den Dollar entgegen überzeugender Fundamentaldaten“, sagt Marius Schad, Analyst der HSH Nordbank.

EUR/USD: Der Euro geht mit deutlichen Gewinnen gegenüber dem US-Dollar aus der zurückliegenden Handelswoche. Aktuell oszilliert EUR/USD im Bereich 1,2400, nachdem das Währungspaar vor einer Woche noch bei unter 1,22 lag (+1,6 Prozent). Die Androhung von Strafzöllen auf Aluminium- und Stahlerzeugnisse am 2. März hat massive Bewegungen an den Kapitalmärkten (u.a. Dow Jones) ausgelöst. Am Währungsmarkt verlor vor allem der US-Dollar. So sank der US-Dollar-Index von 90,5 Zählern auf unter 89,5. Handelspolitische Beschwichtigungsversuche, u.a. vom Sprecher des Repräsentantenhauses Paul Ryan, konnten dem US-Dollar nur zu einer kleinen Erholung verhelfen. Der Rücktritt des Wirtschaftsberaters des US-Präsidenten, Gary Cohn, am 6. März löste einen weiteren Abverkauf von Dollar-Assets aus. EUR/USD stieg in dieser Phase auf oberhalb von 1,2440 an. Fundamentalindikatoren und technische Levels spielten in der gegenwärtig stark politisierten Welt keine Rolle. Der Währungsmarkt ignorierte das 14-Jahreshoch des ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe im Februar (60,8) und die robuste ISM-Preiskomponente (74,2) fast vollständig. Diese beiden stark bullischen Dollar-Indikatoren sowie die konstante PCE-Inflation im Januar (1,5 Prozent YoY) konnten kein Vertrauen in den Dollar erzeugen. Die EZB-Sitzung vom 8. März geriet beinahe schon zu einem Nebenevent. EZB-Präsident Draghi wird wahrscheinlich Zurückhaltung üben. Die HSH geht davon aus, dass geldpolitische Kurskorrekturen, eine Konkretisierung des QE-Ausstiegs sowie eine Anpassung der Forward Guidance noch ausbleiben und insgesamt eine vorsichtige Gangart gewählt werden wird. Die angespannte Stimmung am Devisenmarkt wird in den nächsten Tagen weiter Bestand haben, da die EU bereits Gegenmaßnahmen angekündigt hat. Führende EU-Politiker skizzierten EU-Zölle auf US-Handelswaren wie Motorräder, Whiskey oder Textilien. Die Handelspolitik wird kurzfristig für erhöhte Volatilität sorgen und kann deutliche Bewegungen in beide Richtungen auslösen.

USD/JPY: Auch der Yen zählt zu den Gewinnern der Handelswoche. Das Währungspaar USD/JPY gab auf Wochensicht 0,8 Prozent ab und notiert aktuell bei 105,90. Im Yen-Währungsraum dominieren ebenfalls die politischen Faktoren. Während die Handelsstreitigkeiten dem Yen starken Zulauf bescheren („Risk-On“), lösten Marktteilnehmer nach Bekanntgabe der Entspannungspolitik zwischen Nord- und Südkorea ihre Yen-Positionen auf („Risk-Off“). Die handelspolitische Strömung bestimmt den Wechselkurs sehr deutlich, da Japan einen hohen Handelsbilanzüberschuss gegenüber den USA aufweist (2017: 68,9 Mrd. US-Dollar).

EUR/CHF: Das Währungspaar hat den engen Februar-Korridor von 1,15 bis 1,1550 verlassen und hat in den letzten Tagen die 1,17-Marke durchbrochen. Die Abwertung des Schweizer Franken resultiert aus der geopolitischen Deeskalation auf der koreanischen Halbinsel sowie den anziehenden Geldmarktinterventionen der SNB. Die gesamten Sichteinlagen des Schweizer Bankensystems haben sich auf 576 Mrd. Franken ausgeweitet. Nach verhaltenen Geldmarktaktivitäten am Anfang des Jahres hat die SNB im Februar verstärkt interveniert, um so mittelfristig zur Marke von 1,20 zurückzukehren.