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Entlassen: US-Außenminister Rex Tillerson (©Getty Images)
Aktienmärkte

Personalrochaden in Washington bewegen die Märkte

16.03.2018

„Trotz starker Konjunkturdaten wurde die Rückkehr zu alten Höchstständen durch Personaländerungen in Washington erneut gebremst “, sagt HSH-Analyst Jan Edelmann.

 

In der vergangenen Berichtswoche gab der deutsche Leitindex DAX leicht nach. Das Börsenbarometer notiert mittlerweile aber wieder oberhalb der Marke von 12.300 Punkten (-0,5 Prozent). Die amerikanischen Aktienmärkte zeigten sich dagegen freundlicher und schlossen die Woche mit einem Plus von 0,8 Prozent auf 2.750 Punkten ab. Seit der letzten Berichterstattung wurden die Indizes in erster Linie von den handelspolitischen Maßnahmen und einer Kabinettsumbildung in den USA bewegt.

Viele amerikanische Unternehmen reagierten mit Wohlwollen auf die Ankündigung der Strafzölle, was sich auch auf die US-Aktienmärkte niederschlug. Bei ihren europäischen Pendants hingegen führte die Sorge vor einem drohenden Handelskriegs indes zu Kursverlusten, da Europa traditionell stärker vom Handel abhängig ist als die USA es sind. Die seit der Korrektur von Anfang Februar dieses Jahres anhaltende Rallye der Aktienkurse wurde so vorerst beendet. Der DAX gab innerhalb weniger Handelstage um fast 5 Prozent nach, womit sogar kurzzeitig die psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten unterschritten wurde und der Index auf dem niedrigsten Stand seit März letzten Jahres notierte. Die Verluste wurden trotz der Unsicherheiten wegen der Zölle durch überzeugende Fundamentaldaten schnell wieder aufgeholt – so legte die Beschäftigung in den USA im Februar überraschend stark zu, was die Aktienkurse zum Ende letzter Woche befeuerte. Befürchtungen von negativen Nachrichten bezüglich der Inflation wurden nicht bestätigt. Diese fiel für Deutschland und die USA mit 1,4 Prozent YoY beziehungsweise 1,8 Prozent YoY wie erwartet aus. Die jüngste EZB-Pressekonferenz am achten März gab dem deutschen Leitindex weiteren Aufschwung. Draghi änderte dort unerwartet seine Kommunikation bezüglich des QE-Programms, was von Anlegern als erster Minischritt in Richtung Ausstieg aus der (ultra-)lockeren Geldpolitik interpretiert wurde.

Auch die mögliche Neuordnung der DAX-Energieunternehmen machte sich positiv bemerkbar. Doch kaum hatten sich die Märkte vom Schock über die US-Zölle erholt, sorgte die US-Regierung für den nächsten Dämpfer. Die Personalrochaden der US-Regierung mit der Entlassung von Außenminister Rex Tillerson verunsicherten die Märkte; diesmal auf beiden Seiten des Atlantiks. Der designierte Nachfolger und Ex-CIA-Direktor Pompeo gilt als außenpolitischer Hardliner. Des Weiteren werden neue Zölle gegen China von Seiten der USA befürchtet, was die nächste Stufe des drohenden Handelskriegs darstellen könnte. Mit Spannung blicken die Märkte nun auf den Zinsentscheid der Fed, der am Mittwoch (21. März) ansteht. Dort erwarten wir eine weitere Anhebung des Leitzinses. Angesichts der hohen Aktienkurse befinden sich die Dividendenrenten der DAX-Konzerne trotz hoher Ausschüttungen weiter auf relativ niedrigem Niveau (2,76 Prozent). Grund für die hohen Dividenden ist die starke konjunkturelle Lage der Weltwirtschaft, die den Unternehmen hohe Gewinne beschert. Dies führt auch zu weiteren milliardenschweren Aktienrückkaufprogrammen, wie jüngst im Fall von Adidas. Indes macht sich auch Trumps Steuerreform bemerkbar, die für US-Unternehmen Anreize schafft, ausländische Bargeldbestände in die USA einzuführen. Verwendet wird dieses Geld jedoch zumeist nicht für Investitionen, sondern zum Rückkauf eigener Aktien, was sich auf den heimischen Aktienmärkten positiv widerspiegelt und die Kurse weiter in die Höhe schnellen lässt. Die hohen derzeitigen Kurse also als Ausdruck eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums zu interpretieren, wäre also falsch.