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Öl-Preis tendiert nach oben (© Getty Images)
Ölmärkte
23.03.2018

„Durch ungebremsten Lagerabbau bei gleichzeitig geringeren Fördermengen zieht der Ölpreis weiter an“, prognostiziert Jan Edelmann, Analyst der HSH-Nordbank.

Es gibt derzeit zahlreiche Gründe für Optimismus in Sachen Preisentwicklung bei Öl. In der kurzen Frist sprechen technische Indikatoren für eine Fortsetzung der in den vergangenen Tagen eingesetzten Rallye, während mittelfristig saisonale Faktoren positiv stimmen. Langfristig - hier im Sinne von zwölf Monaten - sprechen vor allem das Vorhaben der OPEC für höhere Preise, die künftig den Normalisierungsprozess der Öllagerbestände anhand des 7-Jahresdurchschnitts bewerten will - statt wie bisher im 5-Jahresdurchschnitt. Auch dürfte die mögliche Wiedereinführung von Sanktionen gegenüber dem Iran eher langfristig wirken, da dies wohl nicht unmittelbar zu Produktionsausfällen führen sollte, wohl aber zu einer Verlagerung der Handelsflüsse in Richtung Asien. Alle diese Faktoren haben zusammengenommen zuletzt zu einem sichtbaren Preisanstieg an den globalen Ölmärkten geführt - Brent stieg auf bis zu 69 US-Dollar/Barrel an.

In der kurzen Frist erhalten die Ölmärkte vor allem von technischen Faktoren Unterstützung. Dazu zählt beispielsweise das Überschreiten des gleitenden 50-Tage Durchschnitts bei 66,9 US-Dollar/Barrel (Brent). Die nächste Hürde ist die 70 US-Dollar-Marke, deren Überschreiten den Weg nach oben frei machen sollte.

In den kommenden sechs Monate dürften sich die Fundamentaldaten wieder deutlich aufhellen, insbesondere aufgrund einer höheren Nachfrage. Gleichzeitig blieb die Angebotsseite hinter den Erwartungen zurück. Dabei fällt vor allem der Rückgang der Fördermenge in Venezuela ins Auge, welche seit Jahresbeginn um 250 Tsd. Barrel/Tag gefallen ist. Zwar war in den USA ein kräftiges Plus im Jahresvergleich zu beobachten, die Ausweitung blieb jedoch hinter dem von uns erwarteten Niveau zurück. Damit dürfte sich der Lagerabbau in den kommenden Wochen weiter beschleunigen. In den USA dürfte der Wendepunkt bei der Lagerbestandsentwicklung nach nur wenigen Wochen der Lageraufbauten erreicht sein, da Raffinerien wieder verstärkt die Kapazitäten auslasten. Daher kam es in den vergangenen beiden Wochen zu einem Abbau der gesamten Petroleumvorräte von zusammen genommen 11,4 Millionen Barrel.

Auf der Produktionsseite dürfte die OPEC tatsächlich ihr Ende November 2017 bis Jahresende 2018 verlängertes Förderabkommen bis zum Ende durchziehen. Bisher gibt es keine Anzeichen seitens der OPEC, dass man trotz Zielerreichung nicht vorzeitig aus dem Abkommen aussteigen möchte. Alle unsere Lagerbestandsindikatoren deuten darauf hin, dass die OPEC mit der Normalisierung der Öllagerbestände weltweit ihr primäres Ziel erreicht hat. Im Gegenteil: Stimmen von Seiten der OPEC denken sogar offen darüber nach, das Ausmaß der Normalisierung der Lagerbestände nicht mehr länger anhand des 5-Jahresdurchschnitts zu bewerten, sondern anhand des 7-Jahresdurchschnitts. Nach dem neuen Maßstab wäre der "Rebalancing"-Prozess rund 2 Prozent vom Zielwert entfernt. Nach unseren Berechnungen dürfte das Normalniveau dann genau zur Jahresmitte erreicht sein. Somit dürfte die Änderung des Bewertungsmaßstabs nicht mehr als ein rhetorisches Mittel sein, um ein Überschießen der Preise im Zuge der Verbesserung der Fundamentaldaten zu verhindern.

Ein weiterer preistreibender Faktor ist die mögliche Wiedereinführung von Sanktionen der USA gegen den Iran. US-Präsident hatte in den vergangenen Tagen, unmittelbar vor dem Treffen mit dem saudischen Kronprinzen Mohammad bin-Salman seine Ablehnung gegenüber dem 2015 mit dem Iran geschlossenen Nukleardeal wiederholt. Ein Ausstieg aus dem Abkommen mit dem Iran dürfte den täglichen Export mehrerer hunderttausend Barrel gefährden, die den OECD Lagerabbau weiter beschleunigen sollten.

Daher sind wir aus fundamentaler Sicht weiterhin positiv bei Öl gestimmt.