SUCHE

Bei höheren Zinsen werden Kredite teurer (©Getty Images)
Webinar Zinsen
20.03.2018

 

Die Zinsen steigen – nicht nur in den USA, auch hierzulande. Ist das ein Anzeichen für eine nachhaltige Zinswende? Die Antwort auf diese Frage hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, wie Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank, in einem Vortrag deutlich machte.

In der Vergangenheit war es meistens so: Anleger, die in deutsche Staatsanleihen investiert sind, können die künftige Zinsentwicklung hierzulande mit einem Blick auf die Zinsentwicklung in den USA erahnen. Bewegten sich die Zinsen der Fed nach oben oder unten, so zogen die Bundesbank beziehungsweise die EZB früher oder später nach. "In der Regel war das immer eine Art Tandem", sagte de la Rubia bei einem Vortrag. Diese parallele Entwicklung jedoch ist seit etwa fünf Jahren nicht mehr gegeben, das Tandem existiert in dieser Form nicht mehr. So liegt der Zinssatz für zehnjährige Staatsanleihen in den USA bei derzeit etwa 2,8 Prozent, in Deutschland nur bei knapp 0,6 Prozent.

Für die künftige Entwicklung sei auch maßgeblich, in welchem Umfang Fed und EZB ihre Leitzinssätze anheben würden. Während ein Anstieg des EZB-Leitzins' in diesem Jahr eher unwahrscheinlich sei, rechne man derzeit für die Fed mit einem Leitzins zum Jahresende von 2,25 Prozent, sagte de la Rubia. Damit würden die USA ihren bisherigen Kurs der moderaten Zinsanhebung auch unter dem neuen Fed-Chef Jerome Powell fortsetzen, der dieses einflussreiche Amt erst vor wenigen Wochen angetreten hat. Auf längere Sicht sei indes davon auszugehen, dass die europäische Zinsentwicklung wieder zur US-amerikanischen aufschließen würde, sagte de la Rubia: "Das Tandem wird wieder funktionieren."

Zu den wichtigsten Einflussfaktoren für den Zinssatz gehöre der Konjunkturzyklus. Dieser aber habe momentan große Unterschiede zwischen den USA und der EU einerseits, aber auch zwischen den einzelnen EU-Ländern andererseits. Während Deutschland den Zenit bereits überschritten habe, wie unter anderem am derzeitigen Fachkräftemangel und der niedrigen Arbeitslosenquote erkennbar sei, befänden sich andere Länder der EU noch weit vor dem Zenit. Ausgelastete Kapazitäten führten zu steigenden Inflationsraten - was wiederum, wie beispielsweise in Deutschland, zu steigenden Zinsen führen würde.

Die jüngste Fiskalpolitik der USA mit Steuererleichterungen und Entlastungen für Unternehmen werde zur Folge haben, dass die schon heute enorme Verschuldung des Landes weiter steigen werde. Der Grund: Da der öffentlichen Hand künftig weniger Steuereinnahmen zur Verfügung stehen, werde diese das fehlende Geld über neue Schulden aufnehmen müssen. In der Vergangenheit habe das dazu geführt, dass die Zinssätze für Investoren gestiegen seien. Das habe beispielsweise der damalige US-Präsident Reagan in den 80er Jahren "schmerzhaft erfahren müssen", wie de la Rubia ausführte.

Dass die steigende Verschuldung der USA in den vergangenen Jahren jedoch eben nicht zu steigenden Zinsen geführt habe, sei - so de la Rubia - unter anderem auf zwei wesentliche Punkte zurückzuführen: So habe die Notenbank ihre Zinsen regelmäßig gesenkt, erstens. Und habe, zweitens, durch das Ankaufen eigener Staatsanleihen den Zinssatz künstlich niedrig gehalten. Mittlerweile jedoch habe die Fed begonnen, die eigenen Bestände an Staatsanleihen abzubauen, wenn auch bisher nur in sehr geringem Umfang, sagte de la Rubia.

Die abschließende Prognose des Chef-Volkswirts: Die aktuelle Phase sinkender Zinsen - die in den 80er Jahren begann und damit die längste Phase dieser Art aller Zeiten ist - könnte an ihr Ende geraten. Auf Sicht von zwei Jahren könnten Investoren mit gutem Recht von steigenden Zinsen ausgehen.