SUCHE

Auf der Suche nach dem sicheren Hafen: Deutsche und US-Anleihen ziehen an (© Getty Images)
Rentenmärkte

Flucht in Sicherheit schickt Renditen auf Talfahrt

29.03.2018

In Zeiten drohender Handelskonflikte suchen Investoren mehr Sicherheiten. Die Folgen davon sind bei deutschen und US-Staatsanleihen zu spüren.  

Die weiteranhaltenden Sorgen um die mögliche Eskalation eines Handelskonfliktes zwischen den USA und China haben bei Anlegern in den vergangenen Handelstagen zu einer sichtbaren Flucht in "sichere" Häfen wie deutsche und amerikanische Anleihen gesorgt. Die Renditen zehnjähriger US-Anleihen gaben binnen zwei Handelssitzungen um zehn Basispunkte auf 2,77 Prozent nach, während die deutschen Pendants binnen einer Woche ebenfalls acht Basispunkte auf 0,5 Prozent verloren. Sicherheit wurde also von Investoren wieder stärker gesucht.

Dabei konnte die EU zunächst Ausnahmen auf die von den USA auf Stahl und Aluminium erhobenen Zöllen erwirken. Dadurch soll Zeit für weitere Verhandlungen zwischen den Partnern über die künftigen Handelsbeziehungen geschaffen werden. Während die vorläufigen Ausnahmen für die EU einerseits für Erleichterung sorgen, beschäftigen die Märkte andererseits die neu angekündigten Zölle der USA gegenüber China, welche Importe im Wert von bis zu 60 Milliarden US-Dollar betreffen. Die US-Regierung scheint besonders über die chinesische Praxis verärgert zu sein, ausländische Unternehmen für einen Zugang zum chinesischen Markt zu verpflichten, Joint-Ventures mit chinesischen Firmen einzugehen und mit ihnen ihr technologisches Know-how zu teilen - während diese dagegen im Ausland nahezu freien Marktzugang erhalten. Ebenfalls auf den Renditen lasteten zuletzt abschwächende Konjunkturdaten aus der Eurozone und den USA. So fiel der jüngste ifo-Geschäftsklimaindex im März zum zweiten Mal in Folge von 115,4 Zählern auf 114,7 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit elf Monaten. Der italienische Geschäftsklima-Index sank nach der Parlamentswahl im März mit 109,1 Punkten (von zuvor 110,4) Punkten auf den niedrigsten Wert seit August 2017. Der Konsumentenvertrauensindex verbesserte sich hingegen von 115,7 auf 117,5 Zähler.

Auch das US-Verbraucher-Vertrauen (Conference-Board) sank entgegen der Marktkonsenserwartungen im März von 130,0 auf 127,7 Punkte. Das Stimmungsbarometer zeigte sowohl bei der Beurteilung der aktuellen Lage als auch bei den Aussichten nach unten. Positiv wurde dagegen vom Markt die Ankündigung des Direktoriums des Europäischen Stabilitätsmechanismus aufgenommen, dass Griechenland eine weitere Auszahlung von Krediten aus dem dritten Hilfsprogramm der Eurozonen-Ländern in Höhe von 6,7 Milliarden Euro ausbezahlt bekommt. Das Gros der Tranche wurde sogar bereits am 28. März angewiesen, wobei rund 1 Milliarde Anfang Mai ausgezahlt werden soll. Bis zum Ende des dritten Hilfsprogramms im Sommer dieses Jahres steht noch eine weitere Auszahlung an.

Stimmungstest in den nächsten Tagen

In der kommenden Woche dürfte die Stimmung der Marktteilnehmer mit zahlreichen Datenveröffentlichungen auf die Probe gestellt werden. So stehen in den nächsten Tagen die Einkaufsmanagerindizes der Euroländer sowie der ISM Index in den USA auf der Agenda. Enttäuschungen bei den Datenveröffentlichungen könnten aufgrund der Osterfeiertage und des wohl verhältnismäßig geringeren Handelsvolumens zu stärken Kursausschlägen führen.