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Fed-Vorsitzender Jerome Powell (© Getty Images)
Rentenmärkte
23.03.2018

„Die jüngste Erhöhung des US-Leitzinses sorgte überraschenderweise für fallende Renditen“, resümiert Sintje Boie, Analystin der HSH-Nordbank.

Die Renditen von Bundesanleihen haben sich auf Wochensicht in einer sehr engen Bandbreite bewegt. Zwar lastet immer noch eine mögliche Ausweitung der Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und ihren Handelspartnern auf den Renditen. Die US-Regierung hat Importzölle von 25 Prozent für Stahl und 10 Prozent für Aluminium angekündigt, die morgen (23.03.) eingeführt werden. Als Reaktion auf die Zölle haben die EU und China mit Gegenmaßnahmen gedroht. So hat die EU eine Liste mit Produkten (beispielsweise Jeans, Whiskey, Motorräder) erstellt, auf die ebenfalls Importzölle erhoben werden könnten. Die USA wiederum haben gewarnt, darauf mit höheren Importzöllen für Autos zu reagieren. In unserem Basisszenario erwarten wir jedoch, dass die Beteiligten zu diesem Zeitpunkt vor einem Handelskrieg zurückschrecken, da die Folgen daraus mit Turbulenzen auf den Finanzmärkten sowie einem weltweiten Konjunktureinbruch zu gravierend wären.

Gleichzeitig hat die Fed-Zinssitzung am 20./21. März dazu geführt, dass die Renditen wieder gefallen sind. Die Notenbank hat bei ihrem ersten Treffen unter dem neuen Vorsitzenden Jerome Powell den geldpolitischen Kurs von Janet Yellen fortgeführt und die Zielrate für die Fed Funds Rate zum sechsten Mal seit Beginn des Straffungspfades Ende 2015 um 25 bp auf 1,50 bis 1,75 Prozent erhöht. Der Schritt war an den Märkten erwartet worden. Das Tempo bei weiteren Zinsanhebungen der Fed könnte sich aber beschleunigen. Die veröffentlichten neuen Zinsprojektionen lassen auf insgesamt drei Erhöhungen in 2018 (allerdings ist die Tendenz zu vier nun höher) und drei 2019 schließen (vorher zwei). Auch längerfristig, nämlich nach 2020, könnte ein höheres Zinsniveau erreicht werden. Die Reaktion bei den Renditen lässt darauf schließen, dass die Marktteilnehmer ein eindeutigeres Signal in Richtung einer aggressiveren Gangart bei den Leitzinsen erwartet haben.

Die finale Inflationsrate in der Eurozone für Februar wurde mit 1,1 Prozent veröffentlicht, noch einmal etwas niedriger als nach den vorläufigen Zahlen. Damit entfernt sich die Teuerung weiter vom Preisziel der EZB bei knapp 2 Prozent, auch wenn ein erneuter Rückgang aufgrund eines Basiseffektes nicht überraschend kam. Der geringe Preisauftrieb könnte der EZB jedoch als Begründung für einen recht vorsichtigen Ausstieg aus QE dienen.

Die Stimmungsindikatoren für März sind in der Eurozone mit besonderer Spannung erwartet worden, denn zuletzt hatten sich die Einkaufsmanagerindizes und der ifo-Geschäftsklimaindex etwas weniger freundlich dargestellt. Der ifo-Geschäftsklima-Index ist nun das zweite Mal in Folge gesunken und steht bei 114,7 Punkten. Der drohende Protektionismus drückt auf die Stimmung. Der Composite Einkaufsmanagerindex für die Eurozone ist ebenfalls zurückgegangen. Unter dem Strich bewegt man sich weg von den gesehenen Rekordständen, aber die Niveaus sind immer noch sehr hoch. Die getrübte Stimmung steht größeren Renditeanstiegen derzeit im Wege.